Dienstag, 26. Juli 2016

Festnahme nach Anschlag auf Kirche

Nach dem Anschlag auf eine Kirche in Saint-Etienne-du-Rouvray in der Nähe von Rouen hat die französische Polizei eine Person festgenommen.

Die Festnahme eines Verdächtigen nach dem Anschlag auf eine Kirche.
Die Festnahme eines Verdächtigen nach dem Anschlag auf eine Kirche. - Foto: © APA/AFP

Die französische Polizei hat im Zusammenhang mit dem tödlichen Angriff auf einen Priester einen Mann am Dienstag Nachmittag festgenommen, machte aber zunächst weder Angaben zur Identität des Mannes noch zum Grund der Festnahme.

Zwei Angreifer waren am Vormittag in eine katholische Kirche in der Nähe von Rouen eingedrungen und hatten fünf Geiseln genommen. Anschließend töteten sie einen Priester und verletzten einen weiteren Menschen schwer. Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) beanspruchte die Tat für sich.

Die beiden von der Polizei erschossenen Angreifer seien „Soldaten des Islamischen Staates“ gewesen, erklärte die IS-nahe Agentur Amaq kurz nach der Attacke. Auch der französische Präsident Francois Hollande erklärte, die beiden Männer, die von der Polizei erschossen wurden, hätten sich auf den IS berufen.

Die Anti-Terror-Abteilung der Pariser Staatsanwaltschaft übernahm die Ermittlungen. In welcher Form sich die Täter zum IS bekannt haben oder in welcher Verbindung sie zu der Terrororganisation standen, gaben die Behörden zunächst nicht bekannt. 

Nach Medienberichten war einer der beiden Angreifer den Sicherheitsbehörden offenbar bekannt. Zu dem Mann gebe es einen Eintrag in einer Datenbank mit Personen, die als radikalisiert eingestuft worden seien, berichtete die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf Ermittlerkreise. Er habe im Vorjahr versucht, nach Syrien zu gelangen. Bei seiner Rückkehr sei ein Anklageverfahren gegen ihn wegen des Verdachts auf Verbindungen zu einer Terrororganisation eröffnet worden. Der Mann kam dem Bericht zufolge vorübergehend in Haft und wurde später mit einer elektronischen Fußfessel wieder freigelassen. Die Informationen von AFP stimmen mit Angaben des Senders iTele überein.

Hollande sagte bei einem Besuch am Tatort in Saint-Etienne-du-Rouvray in der Nähe von Rouen, der IS habe den Krieg erklärt. „Wir werden diesen Krieg mit allen Mitteln führen“, betonte der Staatschef. Erst vergangene Woche hatte das Parlament den nach den Pariser Anschlägen vom 13. November verhängten Ausnahmezustand um weitere sechs Monate verlängert.

Die Polizei schoss auf die beiden Täter, als sie die Kirche verließen – die genauen Umstände waren zunächst unklar. Französische Medien berichteten unter Berufung auf Polizeikreise, sie seien mit Hieb- oder Stichwaffen bewaffnet gewesen.

Der Bürgermeister des Ortes Saint-Etienne-du-Rouvray lud für Trauerbekundungen ins Rathaus. Er richte sich damit an die Bewohner von Saint-Etienne, aber auch an alle anderen, die sich an die Werte der Republik gebunden fühlten, hieß es in einer Mitteilung. Das Gefühl der Erschütterung reiche über das Gebiet der Stadt hinaus. „Nur wenige Tage nach dem Anschlag von Nizza stürzt es das Land als Gesamtes in tiefen Schmerz.“

„Ich schreie zu Gott“, sagte der Erzbischof von Rouen, Dominique Lebrun. Frankreichs Premierminister Manuel Valls verurteilte eine „barbarische Attacke“. „Ganz Frankreich und alle Katholiken sind verletzt worden. Wir stehen zusammen“, schrieb er auf Twitter. Staatschef Hollande versprach den französischen Katholiken seine Unterstützung und setzte für Mittwoch ein Treffen mit den Vertretern der Glaubensgemeinschaften an. „Was diese Terroristen wollen, ist uns zu spalten.“

Papst Franziskus verurteilte die Geiselnahme als „sinnlose Gewalt“. „Der Papst nimmt teil am Schmerz und am Grauen dieser sinnlosen Gewalt und verurteilt jede Form von Hass auf das Schärfste“, erklärte Vatikan-Sprecher Federico Lombardi.

apa/dpa/afp

stol