Freitag, 11. Juni 2021

„Feuernacht“ jährt sich zum 60. Mal

In der Nacht auf den 12. Juni 1961 sind 37 Strommasten gesprengt worden.

Eine gesprengte Hochdruckleitung im Sarntal.
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Eine gesprengte Hochdruckleitung im Sarntal. - Foto: © Archivbild Franz Berger
Die Anschläge des Befreiungsausschusses Südtirol (B.A.S.) erreichten 1961 ihren Höhepunkt. Allein in dieser Nacht wurden 37 Strommasten gesprengt, um die Weltöffentlichkeit auf die Unterdrückung der deutschsprachigen Minderheit in Südtirol aufmerksam zu machen.

Es folgten Massenverhaftungen, Prozesse und Folterungen. Rom stationierte in Südtirol 25.000 Soldaten.

Bis heute bewegt auch die Frage der Begnadigung der noch lebenden Südtirol-Aktivisten, der drei sogenannten „Pusterer Buam“, die öffentliche und veröffentlichte Meinung – und ist Gegenstand von Bemühungen auf diplomatischer Ebene.

Wie Landeshauptmann Arno Kompatscher in einer Aussendung betonte, sei „Gewalt nie eine Lösung“.

Auch zahlreiche weitere politische Vertreter, Parteien und Verbände meldeten sich zu Wort.

Wir dürfen nicht vergessen - und auch das ist für mich eine Lehre aus dieser Feuernacht - wohin das Scheitern des politischen Dialoges führen kann, nämlich zu Gewalt. Ebenso dürfen wir nicht vergessen, was mit der Feuernacht erreicht werden sollte: Nicht die Autonomie, sondern eine gewaltsame Konfrontation zwischen den Sprachgruppen, eine Art Bürgerkrieg als Weg hin zur erhofften Selbstbestimmung. Es war ein falscher Weg“. Dies erklärt Felix von Wohlgemuth, Co-Sprecher der Grünen.

Die Junge Süd-Tiroler Freiheit ist hingegen davon überzeugt, dass die „Feuernacht notwendig war und dass sie gewirkt hat“, betont die Bewegung in einer Presseaussendung. „Auch wenn einige in unserer heutigen Wohlstandsgesellschaft an der Sinnhaftigkeit der Feuernacht zweifeln und versuchen, sie in Verruf zu bringen“, heißt es.

Die Frauengruppe der Süd-Tiroler Freiheit erinnert „anlässlich dieses besonderen Jubiläums an die Frauen, die am Freiheitskampf der 1950er- und 1960er-Jahren beteiligt waren“. Einige Frauen seien direkt an den Anschlägen beteiligt gewesen. „Andere – wie Rosa Klotz oder Maya Mayr – wurden über ein Jahr lang grundlos in Sippenhaft genommen“, schreibt die Bewegung.

Die dramatischen Ereignisse, ihre Vorgeschichte und die Folgen der „Feuernacht“ zeichnet der Zeithistoriker Rolf Steininger in einer 100 Seiten starken Broschüre nach. Hier gibt es das Heft.

stol

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