Ein Brand in einem Wohnhaus in der Cavourstraße in Meran am vergangenen Samstag hat nicht nur die Feuerwehr gefordert – sondern auch gezeigt, mit welchen zusätzlichen Herausforderungen Einsatzkräfte immer wieder zu kämpfen haben. <BR /><BR />Während die Freiwillige Feuerwehr Meran im Keller gegen Flammen und dichten Rauch vorging, kam es draußen zu hitzigen Szenen: Einige Autofahrer missachteten Absperrungen und reagierten mit Unverständnis auf die Anweisungen der Einsatzkräfte. <a href="https://www.stol.it/artikel/chronik/meran-feuerwehr-loescht-kellerbrand-hitzige-diskussionen-mit-autofahrern" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">Wir haben berichtet.</a><BR /><BR />Ein Vorfall, der laut den Feuerwehrleuten längst kein Einzelfall ist. Immer wieder müssen sich Einsatzkräfte nicht nur um Menschenrettung und Brandbekämpfung kümmern, sondern auch um ungeduldige Autofahrer oder neugierige Schaulustige.<BR /><BR />Wir haben mit Martin Künig, Präsident des Landesverbandes der Freiwilligen Feuerwehren Südtirols, und Christian Auer, Offizier der Berufsfeuerwehr Bozen, darüber gesprochen, wann es zu Konfliktsituationen kommt und wie die Wehrleute damit umgehen.<BR /><BR /><b>STOL: Immer wieder berichten Einsatzkräfte von hitzigen Szenen mit Autofahrern oder Schaulustigen – wie häufig erleben Sie so etwas im Feuerwehralltag?</b><BR /><b>Martin Künig:</b> Solche Probleme kommen immer wieder vor – abhängig von Einsatzart und -ort. Die Szenen in Meran waren ein dramatischer Einzelfall, wie wir ihn glücklicherweise nicht oft erleben. Sie zeigen aber, dass es schnell zu angespannten Situationen abseits des eigentlichen Einsatzgeschehens kommen kann.<BR /><BR /><b>Christian Auer:</b> Szenen, wie jene in Meran, sind auch für die Berufsfeuerwehr glücklicherweise die Ausnahme. Bei Einsätzen im Stadtgebiet kümmert sich in der Regel die Stadtpolizei um die Verkehrsregelung. Die meisten Verkehrsteilnehmer halten sich daher an die Anweisungen – allerdings nicht immer.<BR /><BR /><b>STOL: Fällt Ihnen ein Beispiel dafür ein?</b><BR /><b>Auer:</b> Ich erinnere mich an einen Einsatz im neuen Sarner Tunnel. Mitten in der Nacht wurden wir zu einem Brand alarmiert. Vor Ort haben wir einen Erkundungstrupp in den Tunnel geschickt und die Straße gesperrt. Als ein Reisebus mit einer Sportmannschaft an der Sperre ankam, baten wir den Fahrer anzuhalten. Er ignorierte unsere Anweisung, gab Gas und fuhr in den Tunnel. Glücklicherweise handelte es sich um einen Fehlalarm: Im Tunnel rauchte ein Auto, es brannte aber nicht. Hätte es tatsächlich gebrannt, wäre nicht nur der Busfahrer mitsamt Insassen in Gefahr gewesen, sondern auch unsere Einsatzkräfte, die eine Evakuierung hätten durchführen müssen. Wir haben sein Fehlverhalten deshalb der Polizei gemeldet.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1228266_image" /></div> <BR /><BR /><b>STOL: Welche Situationen führen typischerweise zu Konflikten?</b><BR /><b>Künig:</b> Aggression erleben wir häufig nach Verkehrsunfällen, wenn die Feuerwehr die Straße absperren muss. Gestresste Autofahrer entladen dann oft ihren Ärger bei den Einsatzkräften. Bei Einsätzen in Wohngebieten versuchen wir, den Einsatzort so gut wie möglich abzusperren. Trotzdem gibt es immer wieder Schaulustige, die sich selbst in Gefahr bringen oder die Arbeit der Wehrleute behindern.<BR /><BR /><b>Auer:</b> Ein Beispiel: Oben brennt eine Wohnung, unten will jemand mit dem Auto wegfahren. Dann sollte die Feuerwehr den Löschwagen schnell wegstellen, um den Weg freizugeben – das geht natürlich nicht. Das persönliche Befinden wird hier über alles andere gestellt. Ähnlich ist es, wenn ein Notruf abgesetzt wird: Jemand meldet einen Brand und will dann vor Ort nicht warten, bis die Einsatzkräfte eintreffen. Oft heißt es dann: „Ich habe die Meldung gemacht, damit ist die Sache für mich erledigt.“<BR /><BR /><b>STOL: Wie geht die Feuerwehr mit hitzigen Situationen um? Gibt es dafür eigens Schulungen?</b><BR /><b>Auer:</b> Wir sind Rettungssanitäter, Bergretter, Taucher, Wasserretter – wir sind hubschraubertauglich. Bräuchte es noch eine Schulung, um solchen Situationen zu begegnen, würde unsere Ausbildung wohl nicht neun, sondern 20 Monate dauern. Da reicht gesunder Menschenverstand.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1228269_image" /></div> <BR /><BR /><b>Künig:</b> Sich auf Diskussionen einzulassen, bringt ohnehin nichts. Deshalb versuchen wir zu deeskalieren und zu schlichten. Bringt das nichts, verständigen wir die Behörden, damit sie einschreiten.<BR /><BR /><b>STOL: Was wünschen Sie sich von der Bevölkerung, wenn die Feuerwehr im Einsatz ist?</b><BR /><b>Auer:</b> Wer die Feuerwehr ruft, sollte sich eine Vorstellung davon machen, was damit ausgelöst wird. Man sollte kurz überlegen, ob man ein Problem vielleicht auch selbst lösen kann. Wenn ein Aschenbecher raucht, reicht es vielleicht, ein Glas Wasser darauf zu kippen. Läuft ein Einsatz, ist es wichtig, den Anweisungen der Einsatzkräfte zu folgen, damit alles reibungslos abläuft.<BR /><BR /><b>Künig:</b> Unsere Leute sind freiwillig im Einsatz, um Probleme zu lösen und zu helfen. Damit wir unsere Arbeit bestmöglich erledigen können, sollten unsere Anweisungen befolgt werden. Auch wenn das nicht immer angenehm ist: Sicherheit geht vor.