Sonntag, 06. Dezember 2020

Unwettereinsätze nehmen kein Ende: Lage wird immer dramatischer

Die starken Schnee- und Regenfälle sorgten bereits am Samstag für die erhöhte Alarmbereitschaft der Feuerwehren im ganzen Land. Auch in der Nacht auf Sonntag und am Sonntagvormittag mussten die Wehren zu zahlreichen wetterbedingten Einsätzen ausrücken. Noch scheint diesbezüglich kein Ende in Sicht.

Im Lagezentrum bei der Berufsfeuerwehr laufen die Fäden zusammen.
Badge Local
Im Lagezentrum bei der Berufsfeuerwehr laufen die Fäden zusammen. - Foto: © lpa
Starker Schneefall hat seit Samstag zu umgestürzten Bäumen, Ästen auf der Straße, Hangrutschungen, Lawinenabgängen, Verkehrsunfällen und in der Folge zu Straßensperren geführt.

Zahlreiche Wehrleute müssen rund um die Uhr ausrücken, um die Unwetterschäden zu beseitigen und Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen.

Etwa 250 Einsätze in der Nacht auf Sonntag

Allein in der Nacht auf Sonntag sind die Freiwilligen Feuerwehren und die Berufsfeuerwehr von Bozen zu rund 250 schneebedingten Einsätzen ausgerückt. Zu den Hauptaufgaben zählten dabei Fahrzeugbergungen und Verkehrsunfälle, umgestürzte Bäume, die Beseitigung von Schneelasten sowie die Gerätebeistellung, Überschwemmungen, Murenabgänge und andere Hilfeleistungen.

547 Anrufe sind in der Nacht bei der Einheitlichen Notrufnummer 112 eingegangen. Insgesamt haben die Feuerwehren des Landes bis in die Morgenstunden des Sonntags weit über 500 Einsätze abgearbeitet. Seit 7 Uhr früh sind wiederum 1400 Mitglieder von 79 Freiwilligen Feuerwehren im Einsatz, die zu rund 150 Einsätzen gerufen wurden. Noch scheint kein Ende in Sicht.

Seit Sonntag sind auch die Landeseinsatzzentrale des Landesfeuerwehrverbandes in Vilpian und die Bezirkseinsatzzentrale Oberpustertal besetzt.

Lagebesprechung um 8.30 Uhr

Um 8.30 Uhr wurde im Landeslagezentrum in Bozen die aktuelle Situation eingehend beleuchtet. In der Trienter Straße in Bozen ist ein Erdrutsch abgegangen. In Meran mussten 12 Personen wegen der Unterspülung eines Wohnhauses evakuiert werden.

Einen Moment Bitte - das Video wird geladen



Auch in Naturns ratterte eine riesige Schlammlawine zu Tale.

Eine kritische Situation besteht derzeit bei der Kohlerer Seilbahn, wo es Überschwemmungen gab. Nach einem Lawinenabgang nahe eines Hofes in St. Walburg in Ulten ist die Berufsfeuerwehr mit Radlader und Schneefräse im Einsatz, niemand wurde verschüttet.

Die Berufsfeuerwehr registriere so viele Einsätze wegen Überschwemmungen wie bei Starkregen, berichtete der Leiter des Stabes, Berufsfeuerwehrkommandant Florian Alber.





Weiterhin Probleme mit der Stromversorgung

Große Probleme gibt es weiterhin mit der Stromversorgung in Südtirol. Hunderte haushalte sind auch am Sonntagmorgen noch ohne Strom. Besonders betroffen sind das Passeier- und das Eisacktal.

Mehrere Straßen gesperrt, Lawinengefahr spitzt sich zu

Seit Samstagabend ist auch die Nordspur der Brennerautobahn A22 ab Sterzing gesperrt. Ebenso gibt es auf der Staatsstraße zwischen Gossensaß und Brenner in beide Richtungen kein Durchkommen.

Das hintere Ultental und das hintere Martelltal sind gesperrt. Die Gampenpassstraße zwischen Tisens und der Abzweigung nach Unsere Liebe Frau im Walde ist gesperrt. Im Sarntal ist die Straße zwischen Bundschen und Sarnthein sowie zwischen Weißenbach und Außerpens nicht befahrbar. Die Pustertaler Straße ist nach einem Erdrutsch bei St. Sigmund gesperrt.

Hier finden Sie einen Überblick der gesamten Straßensperren in Südtirol.

Auch mehrere Bahnlinien betroffen

Die Bahnlinie 100 zwischen Bozen und Brenner ist wegen mehrerer Erdrutsche gesperrt. Die Züge der Bahnlinie 200 zwischen Bozen und Meran verkehren nur zwischen Meran und Sigmundskron. Die Bahnlinie 250 zwischen Meran und Mals bleibt bis voraussichtlich 12 Uhr gesperrt. Die Bahnlinie 400 Pustertalbahn bleibt aus Sicherheitsgründen heute voraussichtlich den ganzen Tag gesperrt.

Lawinengefahr steigt

Die Lawinengefahr ist am heutigen Sonntag auf Stufe 4 von 5. Größere Lawinen sind am Samstag in Schnals und In Ulten auf der Höhe des Zoggler Stausees abgegangen.



Starke Niederschläge halten landesweit an

Ob Regen, oder Schnee – die Niederschläge halten auch am Sonntag in ganz Südtirol an. Während am Samstag besonders die Südtstaulagen Ulten und Passeier, der Brenner und die Dolomiten von den Unwettern betroffen waren, könnten die Niederschläge heute besonders den Osten Südtirols treffen.

Die Schneefallgrenze ist auch am Sonntag sehr unterschiedlich und schwankt zwischen 500 und 1500 Meter.

Erst in der Nacht auf Montag kann mit einer Beruhigung der Lage gerechnet werden. Dann sollen die Niederschläge nachlassen.


Auch der Landesstraßendienst ist seit Samstag im Dauereinsatz. Den ganzen Tag über waren am Samstag 480 Straßenwärter und 220 Fahrzeuge im Einsatz. Südtirol Online durfte am Samstag den Landesstraßendienst bei den Schneeräumungsarbeiten auf der Gampenpassstraße begleiten.

Einen Moment Bitte - das Video wird geladen

jot