Walter Fischer ist seit über 40 Jahren bei der Feuerwehr, im nächsten Jahr endet sein aktiver Dienst. Wie er zur Feuerwehr, die für 3 Dörfer im Ahrntal zuständig ist, kam, auf was er gerne und auf was weniger gerne zurückblickt und warum ihm Feuerwehrwettbewerbe so viel geben, das erzählt er im Interview. <b>von Martin Tinkhauser</b><BR /><BR /><b>Wann hat Ihre Feuerwehrlaufbahn begonnen?</b><BR />Walter Fischer: Das war 1982 …<BR /><BR /><b>… als junger Bursch aus St. Peter bei der Feuerwehr Steinhaus…</b><BR />Fischer: Ja genau. Das war damals noch etwas ungewöhnlich. Aus St. Peter war zu dieser Zeit niemand bei der Feuerwehr. Zu viert haben wir uns dann gemeldet und sind zur Feuerwehr gegangen. Als Feuerwehr, die für 3 Orte zuständig ist, dürften wir landesweit die einzigen sein, und es klappt bestens. Von Kirchturmdenken keine Spur. Mehr noch, bis 1975 gab es eine einzige Wehr für St. Johann, Steinhaus, St. Jakob und St. Peter. St. Johann ist dann eigenständig geworden. <BR /><BR /><b>Und jetzt stellen Sie sich aus Altersgründen nicht mehr der Wahl?</b><BR />Fischer: Mit Erreichen des 65. Lebensjahres muss man den aktiven Dienst als Wehrmann beenden. Das trifft bei mir in einem Jahr zu. Für so kurze Zeit eine neue Periode zu beginnen, ist nicht sinnvoll. Es gibt fähige junge Wehrleute.<BR /><BR /><b>Wie ging dann Ihre Karriere weiter?</b><BR />Fischer: Ich bin seit 1990 im Ausschuss, zuerst zuständig für den Atemschutz, dann als Gruppenkommandant und Kommandant-Stellvertreter und seit 2016 als Kommandant.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1112586_image" /></div> <BR /><b>Ihr Amtsantritt als Kommandant war nicht bei einer Wahl, sondern aufgrund eines tragischen Unfalls?</b><BR />Fischer: Ja, leider. 2016 verunglückte der damalige Kommandant Josef (Seppl) Rauchenbichler bei einem Bergunfall tödlich. Seppl und ich waren von Kindesbeinen an die besten Freunde und Schulkameraden. Sogar als Brautführer haben wir uns bei unseren jeweiligen Hochzeiten abgewechselt. Ein starkes, bestens eingespieltes Team eben. Deshalb wollte ich eigentlich immer der Stellvertreter vom Seppl sein und bleiben.<BR /><BR /><b>In Ihrer Feuerwehr haben Sie auch die Lust zur sportlichen Betätigung gefunden. Sie sind bis heute äußerst erfolgreich bei Feuerwehrbewerben mit dabei.</b><BR />Fischer: Ja. Den ersten Bewerb hab ich 1984 mitgemacht. Dieser war in Toblach. Da ging es noch nicht so gut. Anfangs hat man natürlich Lehrgeld gezahlt. Heuer, 40 Jahre später und wieder in Toblach, ist’s besser gegangen. <BR /><BR /><BR /><embed id="dtext86-67942746_quote" /><BR /><b><BR />„Besser“, das klingt etwas bescheiden. Die Gruppe Steinhaus hat gewonnen und vertritt im nächsten Jahr Südtirol zusammen mit den Kameraden von St. Martin/Gsies bei der Feuerwehrolympiade in Berlin.</b><BR />Fischer: Für mich waren die Feuerwehrbewerbe immer eine überaus willkommene Abwechslung. Im Frühling, wenn es bei der Arbeit etwas ruhiger wurde, zu einem Wettkampf zu fahren, war für mich stets Entspannung pur. Und auch bei der Wettkampfgruppe zeigt sich die gute und gelebte Kameradschaft, die wir in der Wehr haben. Wir sind ein starkes Team, wo jeder jeden mit allen seinen Eigenschaften kennt. <BR /><BR /><b>Mit dieser Gruppe machen Sie also weiter?</b><BR />Fischer: Heuer in Toblach hat sich herausgestellt, dass ein Kamerad aus Olang und ich die einzigen waren, die schon vor 40 Jahren mit dabei waren. Vielleicht hänge ich noch ein bisschen an, ja (lacht).<BR /><BR /><b>Was hat sich in diesen 40 Jahren am stärksten verändert?</b><BR />Fischer: Die Herausforderungen für eine Feuerwehr und jedes einzelne Mitglied sind mit der allgemeinen Entwicklung in der Gesellschaft mitgewachsen. Die Ausrüstung und die Gerätehäuser konnten angepasst werden und sind heute bei allen Wehren im Tal absolut auf der Höhe der Zeit. Seit Einführung der stillen Alarmierung ertönt die Sirene nur mehr selten. Das mag vorteilhaft sein, andererseits verläuft viel ehrenamtliche Arbeit von der Bevölkerung unbemerkt. Zum Glück hat die Feuerwehr, besonders bei uns im Ahrntal, einen hohen Stellenwert, und wir merken das bei den Jahressammlungen und Unterstützungen. Hoffentlich bleibt es so. Es kann ja nicht sein, dass die Wehren Feste und Sammlungen organisieren und einen guten Teil des dabei erwirtschafteten Geldes für den ordentlichen Haushalt verwenden müssen. Spenden dazu herzunehmen, das Benzin und ein paar Autoreifen zu kaufen, um im Einsatzfall die Einsatzstelle erreichen zu können, sollte es nicht geben dürfen.<BR /><BR /><b>Sie treten nun in die hintere Reihe zurück, weil es so vorgeschrieben ist. Ist das für Sie eine große Umstellung?</b><BR />Fischer: So hat alles sein Ende. Es wird sicher eine Umstellung. Ich bleibe der Wehr erhalten und mache meine Arbeit wo bzw. wenn man mich braucht. Ich habe ja auch beruflich mehr Zeit (Fischer ist seit Weihnachten 1983 Mitarbeiter der Klausberg-Seilbahn AG, seit 1985 als Betriebsleiter; Anm. d. Red) und auch beim Weißen Kreuz darf man ab 65 Jahren nicht mehr im Rettungsdienst arbeiten.<BR /><BR /><embed id="dtext86-67942747_quote" /><BR /><b><BR />Stichwort Weißes Kreuz: Sie sind auch dort sehr engagiert.</b><BR />Fischer: Ja. Ich habe den allerersten Einsatz der jungen eigenständigen Sektion Ahrntal gefahren und bin seitdem dabei. Inzwischen der letzte dieser Pioniere.<BR /><BR /><b>Sie verlassen ihren „Chefsessel“ also recht gelassen?</b><BR />Fischer: Absolut. Bei der Feuerwehr habe ich mit meinem Stellvertreter ein ausgezeichnetes Verhältnis. Wir sind auch zusammen in der Wettkampfgruppe. Dass er nächstes Jahr meine Aufgabe übernimmt, war und ist für alle klar. Und gleich verhält es sich im Büro der Klausberg AG. Auch dort gibt es nach dem Ende der aktuellen Wintersaison einen absolut harmonischen Übergang. Für mich ist das sehr angenehm.<BR /><BR /><b>Gibt es abschließend einen Einsatz, den Sie trotz der vielen, die Sie in 40 Jahren mitgemacht haben, nie vergessen werden?</b><BR />Fischer: Da fallen mir spontan 2 ein. Einmal war es der Großbrand am Ellerhof in St. Peter. Dieser brannte ein erstes Mal 1982. Als noch ganz junger Feuerwehrmann bin ich, geweckt von der Sirene, ins Freie. Die Nacht war vom Feuerschimmer rot erleuchtet. Im großen Schreck über den Brand hat die Pfarrhaushälterin die Kirchenglocken geläutet. Das Bild des lodernden Feuers in der Dunkelheit, so gewaltig wie ich es in all den Jahren danach nie mehr gesehen habe, der Klang der Glocken und die Klagerufe der Tiere im Stall; so etwas vergisst man nicht mehr. 2015 ist der nach diesem Großbrand wieder aufgebaute Stadel noch einmal abgebrannt.<BR /><BR /><b>Und der zweite Einsatz?</b><BR />Fischer: Das war die Tragödie von Luttach mit den 7 Todesopfern und 7 Verletzten. Eine Woche vorher wurden wir beim Nachtdienst mit dem Rettungswagen des Weißen Kreuzes zu einer schwangeren Frau gerufen. Ihr kleiner Sohn hatte es sehr eilig und kam in Mühlen am Parkplatz vor der Bank im Rettungsauto zur Welt. Eine große Freude für das ganze Team, weil alles gut verlaufen ist. Eine Woche später dann der schreckliche Unfall. Oft habe ich mir danach gedacht, wie Leben und Tod, Lustiges und Trauriges in enger Abfolge beisammen sind. Und auch wenn es nun ruhiger wird, die Motivation zu helfen und die Freude am kameradschaftlichen Beisammensein sind und werden auch nach 40 Jahren ungebrochen weiter bestehen bleiben.