<b>von Micaela Taroni</b><BR /><BR />Die italienische Anwältekammer beklagt Drohungen gegen Turettas Verteidiger, Giovanni Caruso, nachdem dieser die lebenslängliche Haft für seinen jungen Mandanten als „unmenschlich“ bezeichnet hatte. An der Uni Padua sei sogar Druck gemacht worden, damit Caruso seine Stelle als Strafrechtsprofessor entzogen werde. <BR /><BR />Der Anwalt hatte sich heftige Kritik zugezogen als er behauptet hatte, Turetta verdiene die lebenslange Haft nicht, da er Giulia Cecchettins Mord nicht geplant habe. Schließlich sei der schüchterne Ingenieurstudent nicht der berüchtigte Drogenboss „Pablo Escobar“, führte Caruso in seiner Verteidigungsrede an. Damit wurde er beschuldigt, Turettas Verantwortung im brutalen Mord an seiner Ex-Freundin herunterzuspielen. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1103370_image" /></div> <BR /><BR />„Filippo Turetta hat das Leben eines wunderbaren Mädchens zerstört, er weiß nicht, was eine emotionale Beziehung ist,“ so Caruso. „ Filippo Turetta war besessen von Giulia, er ist ein Narzisst der Liebe, launisch, aufdringlich, unerträglich... Aber er ist nicht Pablo Escobar. Filippo Turetta hat gemordet, aber er hat das Verbrechen nicht geplant, er hat einen abscheulichen Mord begangen, aber er war nicht grausam im Sinne des Gesetzes und er hat Giulia nicht verfolgt. Giulia hatte keine Angst vor Filippo“, betonte der Anwalt Caruso in seinem Plädoyer. Vor allem Frauenverbände hatten den Anwalt wegen seiner Worte kritisiert. <h3> „Fühle mich beleidigt“</h3>Cecchettins Vater Gino betonte, er fühle sich wegen Carusos Plädoyer beleidigt. Die Erinnerung an Giulia sei beschmutzt worden, protestierte Gino Cecchettin. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1103373_image" /></div> <BR /><BR /><BR />Die Anwältekammer nahm Caruso in Schutz. „Wir erinnern daran, dass das verfassungsmäßig garantierte Recht auf Verteidigung ein oberstes Prinzip der Rechtsordnung ist. Es darf niemals in Frage gestellt werden, unabhängig von der Grausamkeit des begangenen Verbrechens“, heißt es in einem Dokument des Rates und der Beobachtungsstelle für bedrohte Anwälte der Union der Strafkammern. <h3> „Jeder Verteidiger bewegt sich in solchen Fällen auf äußerst heiklen Terrain“</h3>„Jeder Anwalt, der im Begriff ist, sein letztes Plädoyer in einem Prozess zu halten, in dem er einem Angeklagten wegen Mordes beisteht, ist sich sehr wohl bewusst, dass er sich auf äußerst heiklem Terrain bewegt. Er weiß, dass er sein Bestes tun muss, um sicherzustellen, dass sein Mandant nach den Regeln eines fairen und gerechten Verfahrens verurteilt wird; gleichzeitig weiß er, dass jedes Wort, das er sagt, ein Pfeil ist, der verletzen kann. Staatsanwälte, Vertreter der Nebenkläger und Richter können sich jedoch nicht ihrer Pflicht entziehen, zu dem sehr schwierigen Ergebnis der Wahrheitsfindung beizutragen, indem die Rechte der Verteidigung respektiert werden. Zu glauben, dass ein Angeklagter allein aufgrund der Schwere des ihm vorgeworfenen Verbrechens keine Verteidigung verdient, bedeutet die rechtsstaatlichen und demokratischen Werte unseres Systems zu vergessen und gefährlichen Rachemechanismen Tür und Tor zu öffnen“, warnte die Anwältekammer.<BR /><BR />Inzwischen wird weiterhin die Persönlichkeit Turettas ergründet, der im Gefängnis auf das Urteil wartet. Psychologen fragen sich, ob der Student keine Freunde hatte, mit denen er sich austauschte, und warum diese nicht seine Obsession Giulia gegenüber bemerkt hatten. Sie fragen sich auch, weshalb die Eltern nichts unternommen hätten, um Filippo zumindest zu einer psychologischen Behandlung zu überreden.