<h3> Was war passiert?</h3> Hintergrund der mutmaßlichen Entführung ist der Anklageschrift zufolge ein eskalierter jahrelanger Sorgerechtsstreit zwischen Block und ihrem früheren Ehemann, die gemeinsam vier Kinder haben. Dieser behielt die beiden jüngsten Kinder im August 2021 nach einem vereinbarten Besuch an seinem neuen Wohnort im süddänischen Gravenstein nahe der deutschen Grenze bei sich.<BR /><BR />In der Silvesternacht 2023/2024 sollen der 35-jährige Israeli sowie fünf weitere teils noch gesuchte Verdächtige dem Vater in Dänemark aufgelauert und ihn niedergeschlagen haben. Die beiden damals zehn- und 13-jährigen Kinder sollen sie dann in ein Auto gezerrt haben. Bei Fahrzeugwechseln sollen sie den sich wehrenden Kindern unter anderem mit Klebeband den Mund zugeklebt sowie die Tochter an den Händen gefesselt haben.<BR /><BR />Laut Anklage fuhren sie die Kinder in einem Wohnmobil nach Baden-Württemberg, wo sie bis zum Eintreffen von Block am 2. Jänner 2024 gegen ihren Willen festgehalten worden sein sollen. Delling soll unter anderem die gemeinsame Rückkehr mit den Kindern nach Hamburg koordiniert haben. Dort wurden die Kinder später von einem Anwalt in die Obhut der Polizei übergeben.<BR /><BR />Rechtlich geht es unter anderem um den Vorwurf der sogenannten schweren Entziehung Minderjähriger, der Freiheitsberaubung und der gefährlichen Körperverletzung. Die Kinder seien bei der Tat „gequält und roh misshandelt“ worden, sagte der Vertreter der Staatsanwaltschaft bei der Anklageverlesung. Sie seien so auch der Gefahr psychischer Schädigungen ausgesetzt worden.<BR /><BR />Die Verteidigung Blocks und anderer Beschuldigter kritisierte zum Prozessauftakt die Arbeit der Staatsanwaltschaft sowie den als Nebenkläger am Verfahren teilnehmenden Kindsvater, Blocks ehemaligem Ehemann. Dieser habe die beiden Kinder seit 2021 rechtswidrig bei sich in Dänemark behalten und seinerseits eine Kindesentziehung begangen. Zudem sprach die Verteidigung davon, dass dieser die Kinder manipuliere und bewusst isoliere.<h3> Zeuge im Block-Prozess: Observation schnell aufgeflogen</h3>Im Prozess um die Entführung der Block-Kinder hat ein Sicherheitsberater geschildert, wie er bei der Beobachtung des Ex-Mannes und seiner Familie in Dänemark schon nach kurzer Zeit entdeckt worden ist. „In so einer rekordverdächtigen Zeit bin ich noch nie bei einer Observation aufgeflogen“, sagt der Geschäftsführer einer deutschen Sicherheitsfirma als Zeuge über seinen Auftrag aus dem Herbst 2021. Gelächter im Zuschauerraum im Landgericht Hamburg.<BR /><BR />Nach seinen Worten hatte er den Wagen vor dem Wohnhaus gerade erst ausgemacht und sich auf die Rückbank gesetzt. Da sei die heutige Ehefrau von Stephan Hensel (51) eiligen Schrittes herausgekommen und habe das Auto ringsherum fotografiert.<h3> „Finden Sie etwas über meinen nichtsnutzigen Ex-Schwiegersohn“</h3>Hensels Ex-Frau, die Unternehmerin Christina Block, ist in dem Prozess eine von sieben Angeklagten. Die 52-Jährige ist die Tochter des Gründers der Steakhaus-Kette „Block House“, Eugen Block. Der heute 85-Jährige war nach Angaben des Sicherheitsberaters vor gut vier Jahren Auftraggeber der Observation. Mit Christina Block habe er erst später Kontakt gehabt, berichtet der Zeuge. Der Auftrag sei einen Monat, nachdem Hensel die beiden Kinder nach einem Wochenendbesuch im August 2021 nicht nach Deutschland zurückgebracht habe, erteilt worden.<BR /><BR />Damals gab das Hanseatische Oberlandesgericht Block das alleinige Aufenthaltsbestimmungsrecht und verpflichtete den Vater, die Kinder herauszugeben. Er kam dem nicht nach und Block konnte ihren Anspruch in Dänemark nicht durchsetzen.<BR /><BR />„Der Auftrag war herauszufinden, was die Kinder machen“, sagt der Sicherheitsberater, der seinen Angaben zufolge etwa sechs Wochen für die Familie Block tätig war. Er habe deshalb zusammen mit einem Kollegen den Tagesablauf der Kinder verfolgt. Zudem habe Eugen Block ihn beauftragt, etwas Negatives über Hensel herauszufinden, das man im Sorgerechtsstreit verwenden könne. „Finden Sie etwas über meinen nichtsnutzigen Ex-Schwiegersohn“ – das habe Eugen Block zu ihm gesagt, sagt der 53-Jährige, der nach eigenen Angaben früher bei der Polizei tätig war.<h3> Besuch in dänischer Schule</h3>Der Zeuge berichtet, Christina Block habe die Kinder sehen wollen. Der Sicherheitsberater habe die Idee gehabt, eine große Schulpause zu nutzen, um Block an die Kinder „heranzuführen“. Blocks Lebenspartner, der ehemalige Sportmoderator Gerhard Delling, habe sie bei dem Versuch begleitet. Der 66-Jährige ist in dem Prozess wegen Beihilfe angeklagt.<BR />Nach fünf bis zehn Minuten hätten Block und Delling die Schule wieder verlassen.<BR /><BR /> Block habe einen sehr aufgelösten Eindruck gemacht, sagt der Mann. Ein Kind habe gefremdelt. Die Mutter sei wohl mit der Erwartung zur Schule gegangen, dass die Kinder „Juhu“ schreien würden. Block habe ihm erzählt, der Schulleiter habe sie aufgefordert, die Schule zu verlassen.<h3> Idee, Kinder mit Jacht nach Deutschland zu bringen</h3>Nach Aussage des Zeugen unterbreitete Christina Block ihm eine Idee: Es sei doch möglich, mit einer Jacht nach Grasten zu fahren, die Kinder einzuladen und sie in Deutschland abzusetzen. Sie kenne jemanden, der eine Jacht bereitstellen könne.<BR /><BR />Delling habe angeboten, er könne in Glücksburg (Schleswig-Holstein) am Hafen warten und die Familie nach Ankunft nach Hamburg fahren. Grasten und Glücksburg liegen nicht weit voneinander entfernt. Der Zeuge sagt, er habe Bedenken geäußert und die Idee abgelehnt.<BR />Block selbst hat bereits während ihrer Aussage vor Gericht im August erklärt, dass unter anderem ein Rückholzszenario mit einem Boot im Gespräch gewesen sei. Ihr Vater habe an der Förde ein Boot gekauft.<h3> Mittagessen mit Anwalt der Nebenklage</h3>Der Vater Hensel ist in dem Prozess Nebenkläger. Am 16. Verhandlungstag ist auch Thema, dass der Zeuge und Hensels Anwalt, Philip von der Meden, sich bereits begegnet sind. Der Sicherheitsberater sagt, er habe den Nebenklagevertreter bei einem Mittagessen mit einem anderen Hamburger Rechtsanwalt getroffen. Es habe sich bei dem Treffen um übliche Kontaktpflege gehandelt. Es habe sich herausgestellt, dass er und von der Meden beide mit dem Fall Block zu tun hätten – aber für die jeweils andere Seite arbeiteten beziehungsweise gearbeitet hätten.<BR /><BR />Bis Ende März sind 53 Prozesstage geplant. Bisher haben an vielen Prozesstagen die angeklagte Christina Block sowie als Zeuge ihr Ex-Mann ausgesagt. Die Liste der weiteren Zeugen ist noch lang.