Freitag, 03. Juli 2020

Qualität statt Masse: Südtirols Bauern liegt das Wohl der Tiere am Herzen

Massentierhaltung, Tiertransporte und Missstände in Schlachthöfen haben viele aufhorchen lassen: Können wir noch ruhigen Gewissens Fleisch essen? In Südtirol bemühen sich Bauern und Metzger – wie das Tagblatt „Dolomiten“ berichtet – um Qualitätsfleisch, das freilich nicht zum Billigstpreis zu haben ist.

In Südtirol bemühen sich Bauern und Metzger um Qualitätsfleisch, das freilich nicht zum Billigstpreis zu haben ist.
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In Südtirol bemühen sich Bauern und Metzger um Qualitätsfleisch, das freilich nicht zum Billigstpreis zu haben ist. - Foto: © shutterstock
30.000 Tiere pro Tag werden normalerweise im größten Tönnies-Werk in Rheda-Wiedenbrück in Nordrhein-Westfalen geschlachtet. Möglich sind solche Zahlen nur durch Massentierhaltung. Riesige Schweinemastbetriebe liefern im Akkord. Das Fleisch ist billig und landet fertig verpackt in den Kühlregalen der Supermärkte und vorzugsweise bei den Discountern Aldi und Lidl.



In Südtirol zeigt sich ein ganz anderes Bild

„Das ist im Vergleich zu uns eine andere Welt“, sagt auch Hans Kienzl, beim Bauernbund zuständig für die Roter-Hahn-Betriebe. „Wir haben insgesamt gesehen nur sehr wenige Betriebe, die sich auf die Fleischproduktion spezialisiert haben, die meisten auf Mutterkuh-Haltung“, weiß er. Seine Direktvermarkter kommen, wenn es viel ist, auf 30 geschlachtete Rinder pro Jahr, also alle 2, 3 Wochen eines; manche auch nur auf 10 pro Jahr. Kalbfleisch wird nur wenig produziert, die meisten Tiere werden 18 Monate „schonend aufgezogen“, betont Kienzl: „Das ist ein ganz anderes Konzept als das der Massentierhaltung und -produktion.“

4,5 bis 5,5 Millionen Euro für Laufställe

Dass Südtirols Bauern das Wohl ihrer Tiere am Herzen liegt, zeigt auch ein Blick auf die Statistik: So fördert das Land jährlich Laufställe in einer Größenordnung von 4,5 bis 5,5 Millionen Euro. Einer, der mehr als nur zu 100 Prozent von der kleinstrukturierten Qualitätsproduktion als Gegenentwurf zur billigen Massenproduktion überzeugt ist, ist der Lananer Metzger Alexander Holzner, vehementer Verfechter und Antreiber der hofnahen Schlachtung. Er kennt „seine“ Bauern persönlich und besucht sie auch regelmäßig. Ein Blick in den Stall ist dabei selbstverständlich. „So kann ich mit bestem Wissen und Gewissen sagen, dass es den Tieren gut geht, dass im Stall alles passt und dass ich beste Qualität an meine Kunden abgebe.“ Das hat natürlich seinen Preis, auch für den Verbraucher. „Aber warum können wir nicht wieder dahin kommen, dass es nur ein-, zweimal die Woche Fleisch gibt, dafür dann aber ein anständig produziertes?“, fragt er. Und ein wenig könnte man das Preisniveau auch dadurch senken, dass man wieder so wie früher aus der Not heraus alle Teile des Tieres verwerte. „Heute wollen die Leute nur noch Filet und Spitzrose und der Rest ist Abfall“, ärgert er sich.

„Geiz ist gut – das ist die falsche Einstellung“

Er wolle keinem Kunden etwas vorschreiben, aber bei Billigfleisch zahle eben wer anders die Zeche. „,Geiz ist gut‘ – das ist die falsche Einstellung – von der beim Fleisch unterm Strich auch nur eine Handvoll Großunternehmer profitieren“, weiß er. Clemens Tönnies zum Beispiel, Besitzer des größten deutschen Schlachtbetriebes – Umsatz der Tönnies Holding im vergangenen Jahr: 7 Milliarden Euro. Die Arbeiter in seinen Schlachtfabriken – vorzugsweise aus Bulgarien und Rumänien – verdienen 9,35 Euro brutto die Stunde, angestellt zumeist über Werksverträge (Subunternehmer) mit Lohnabzügen etwa für die „Arbeitsschuh-Pauschale“.

„Die Leute arbeiten unter unglaublichen Bedingungen, das ist moderne Sklavenhaltung und von A bis Z ein Sauerei“, ärgert sich Holzner.

ih/d