Das Institut ordnet das tatsächliche Risiko einer Infektion mit dem Bakterium im Mittelmeer ein und erklärt, wie sich eine Ansteckung vermeiden lässt.<h3> Warum ist das Bakterium derzeit im Fokus?</h3>Vibrio vulnificus gehört zur Gattung der Vibrionen und kommt natürlicherweise vor allem in warmen Küsten- und Brackgewässern vor. In den USA, wo der Erreger jedes Jahr mehrere Hundert Infektionen verursacht, ist die Aufmerksamkeit zuletzt durch einen Todesfall in Florida gestiegen – laut ISS der erste Todesfall des Jahres im Zusammenhang mit dem Bakterium in den Staaten.<BR /><BR />Auch in Italien sorgt der Erreger derzeit für Schlagzeilen. Italienische Medien berichteten über eine Studie der Universität Messina, in der Spuren von Vibrio vulnificus im Wasser der Straße von Messina nachgewiesen wurden. Der Befund klingt zunächst alarmierend – doch der entscheidende Punkt ist die zeitliche Einordnung: Die Studie stammt laut dem ISS aus dem Jahr 2005.<BR /><BR />Der aktuelle Todesfall in den USA und die erneute Berichterstattung über den alten Fund in Messina haben damit eine Diskussion ausgelöst, die wichtige Fragen aufwirft: Wie groß ist die Gefahr tatsächlich – und besteht für Menschen in italienischen Gewässern ein Grund zur Sorge?<h3> Warum das Mittelmeer weniger gefährdet ist als Ostsee und Schwarzes Meer</h3> Weil steigende Wassertemperaturen den Bakterien zunehmend günstigere Bedingungen für ihre Vermehrung bieten, hatte das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) schon im Juli vor einem möglichen Anstieg von Infektionen mit Bakterien der Gattung Vibrio während des Sommers gewarnt. Als besonders gefährdete Gebiete wurden dabei die Ostsee und das Schwarze Meer genannt.<BR /><BR />Der Grund liegt in den chemischen und physikalischen Bedingungen: Vibrio vulnificus vermehrt sich bei Temperaturen von mehr als 18 Grad Celsius und einem Salzgehalt zwischen 15 und 25 ppt (Promille) besonders gut – Bedingungen, die typisch für diese beiden Meeresgebiete sind. Die Meere Südeuropas, einschließlich des Mittelmeers, weisen dagegen einen Salzgehalt auf, der mehr als doppelt so hoch ist wie dieser Bereich.<h3> Risiko einer Infektion in italienischen Gewässern „äußerst gering“</h3> Nach Einschätzung des ISS ist das Risiko einer Infektion in italienischen Gewässern „äußerst gering“. <BR /><BR />Ganz ausschließen lässt sich ein Risiko dennoch nicht. Um es zusätzlich zu minimieren, empfiehlt das Institut zwei einfache Vorsichtsmaßnahmen: nicht mit offenen Wunden ins Meer zu gehen und keine rohen oder nicht ausreichend gegarten Meeresfrüchte zu verzehren.<h3> Wie wird die Infektion übertragen und welche Symptome verursacht sie?</h3>Nach Angaben des ISS kann die Infektion auf zwei Wegen erfolgen.<BR /><BR />Zum einen kann man sich durch den Verzehr kontaminierter Lebensmittel, insbesondere roher Meeresfrüchte, infizieren. In diesem Fall können Magen-Darm-Beschwerden auftreten.<BR /><BR />Zum anderen kann der Erreger über offene Wunden in Kontakt mit Salzwasser in den Körper gelangen. In diesem Fall kann sich die Infektion durch Blasen und blutgefüllte Blasen äußern und in schweren Fällen bis zu einer nekrotisierenden Fasziitis – eine seltene, aber sehr schwere bakterielle Infektion, bei der Gewebe unter der Haut, insbesondere die Faszien (Bindegewebsschichten, die Muskeln umhüllen) schnell zerstört wird – führen.<BR /><BR />Diese Erkrankung hat dem Erreger den Beinamen „fleischfressendes Bakterium“ eingebracht. Wird eine solche Infektion nicht rechtzeitig mit Antibiotika behandelt, kann sie in schweren Fällen eine Amputation des betroffenen Körperteils erforderlich machen.<BR /><BR />In etwa fünf Prozent der Fälle entwickelt sich die Infektion zu einer Sepsis, also einer Blutvergiftung. Davon sind insbesondere Menschen mit geschwächtem Immunsystem betroffen.