Hinter den Versuchen, heimlich über die Grenze zu gelangen, stecken wieder kriminelle Schlepper, die mit den Ärmsten der Armen ihr Geld verdienen. <BR /><BR /><BR />Während in Afghanistan die Lage immer dramatischer wird, suchen afghanische Flüchtlinge in Italien ihr Heil in der Flucht nach Norden: In Verona steigen sie illegal auf die Güterzüge der Rail Traction Company (RTC) und fahren dann bis nach München, sie springen dort vom Zug herunter und laufen dann in alle Richtungen, berichtet der neue Geschäftsführer der Rail Traction Company, Martin Ausserdorfer. „Schlepper verlangen von ihnen 300 bis 500 Euro für die Mitfahrt.“<BR /><BR />Nicht nur Afghanen, sondern auch Kurden versuchen seit etwa einer Woche mit dieser Strategie, von Italien nach Deutschland zu kommen. Sie schleichen sich auf das riesige Gelände in Verona, wo die Güterzüge zusammengestellt werden, schlitzen dort die Plane von Lkw-Anhängern auf und verstecken sich dann in den Anhängern, um so über den Brenner und Österreich nach München zu gelangen. Die Rail Traction Company ist deshalb in Kontakt mit der Bahnpolizei und der RFI Protezione Aziendale. „Wir haben auch die Präfektur in Verona informiert“, sagt Ausserdorfer. <BR /><BR /><b>Noch rechtzeitig abgefangen</b><BR /><BR />In einem Zug seien über 20 Personen gewesen. Am Donnerstag hingegen seien 10 Flüchtlinge – Kurden – noch rechtzeitig in Verona abgefangen worden. „Der Migrationsdruck nimmt wieder Fahrt auf“, konstatiert der RTC-Geschäftsführer. „Und illegale Einwanderung nach Europa und nach Deutschland ist wieder ein Thema.“ Für Ausserdorfer sind diese Flüchtlinge „seit einer Woche das Hauptthema als RTC-Geschäftsführer“. <BR /><BR />Denn mit diesen illegal mitreisenden Flüchtlingen stellten sich auch Haftungsfragen. Die Rail Traction Company organisiert internationale Zugtransporte – so genannten Huckepackverkehr. Lkw-Anhänger werden mit dem Zug nach Norden transportiert und in diesen Anhängern suchen die Flüchtlinge illegale Mitfahrgelegenheit – die Schlepper kassieren dafür teures Geld ab. Zu den Flüchtenden zählen zum Teil ganze Familien.<BR /><BR /><b>„Organisierte Kriminalität“</b><BR /><BR /> Verletzt hat sich bisher keiner der Flüchtlinge – zum Glück, sagt Ausserdorfer. „Es handelt sich um organisierte Kriminalität und die Ärmsten der Armen riskieren dabei ihr Leben für eine bessere Zukunft.“ <BR />Die RTC könne nicht das Gelände des Bahnhofes in Verona überwachen – das sei Aufgabe der RFI – man unternehme alles, „damit niemandem etwas passiert“, verspricht Ausserdorfer. <BR /><BR /> In Gefahr sind die Afghanen und Kurden auch in München – wenn sie dort vom Zug springen und dann über die Geleise laufen, um ja nicht aufgegriffen zu werden. Das Ziel sei nun, die Züge möglichst flüchtlingsfrei zu halten. „Das kostet unternehmerisch auch Geld“, gibt Ausserdorfer zu bedenken. „Zudem wollen wir beim Geschäft der Schlepper nicht mitspielen.“ In Verona habe man beim Bahnhofsgelände einen Lokalaugenschein gemacht und die Zugänge überprüft. <BR /><BR />Auf Trenitalia-Zügen hingegen hat es in den vergangenen Tagen bisher noch keine Versuche von Flüchtlingen gegeben, illegal nach Norden zu gelangen, teilt der regionale Trenitalia-Chef Roger Hopfinger auf Anfrage mit. „Wir machen immer periodische Kontrollen an den Bahnhöfen und in den Zügen. Alle sind informiert.“<BR />