<b>STOL: Hätten Sie je gedacht, dass es mitten in Europa wieder zu einem Krieg kommen könnte?</b><BR /><BR />Alfred Monsorno: Nein, eigentlich nicht. Ich kann mich an die Balkankriege in den 1990er Jahren erinnern und an die damit verbundene Angst, da sich das ganze Geschehen nicht weit weg von uns abgespielt hat. Kriege sind generell absolut zu verurteilen. Ich habe mir wirklich nicht gedacht, dass es in Europa ein weiteres Mal zu einem Krieg kommt.<BR /><BR /><b>STOL: Sie wollen Flüchtlinge bei sich zuhause aufnehmen. Wie kamen Sie auf diese Idee?</b><BR /><BR />Monsorno: Das war eine ganz spontane Entscheidung. Ich habe mitbekommen, dass Südtirol sich dazu bereit erklärt hat, Flüchtlinge aus der Ukraine aufzunehmen. Anschließend habe ich mich bei den zuständigen Institutionen gemeldet und ihnen erklärt, dass ich gerne helfen würde und ukrainische Flüchtlinge bei mir zuhause aufnehmen will. Ich verfüge über eine große Wohnung mit reichlich Platz und für mich ist das keine Einschränkung, für mich ist es etwas Normales, als Bürger dem es gut geht, der alles was er zum Leben benötigt parat hat, sich den Menschen in der Ukraine gegenüber solidarisch zu zeigen und zu helfen. Die armen Leute werden aus ihrer Heimat regelrecht verjagt, ihre Häuser werden zerstört und ihnen bleibt nichts anderes übrig, als wenige wichtige Sachen in einen Rucksack, einer Tasche, oder einen Koffer zu packen und das Weite zu suchen. So ein Gefühl kennt bei uns wohl keiner. Wenn wir mit Koffer irgendwohin fahren, wissen wir, dass wir kurze Zeit später wieder nach Hause zurückkommen werden; die Menschen aus der Ukraine wissen das nicht. Womöglich werden sie sogar nie wieder in ihre Heimat zurückkehren können.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="744950_image" /></div> <BR /><b>STOL: Wie hat Ihr Umfeld darauf reagiert?</b><BR /><BR />Monsorno: Ich muss sagen, dass ich diesbezüglich ausschließlich positives Feedback bekommen habe. Da war ich selbst ganz überrascht. Die positiven Meinungen geben mir Stärke. Ich finde, dass Südtirol generell ein sehr großzügiges und herzliches Land ist und auch als solches angesehen wird.<BR /><BR /><b>STOL: Machen Sie das zum ersten Mal, oder haben Sie bereits bei vergangenen Flüchtlingswellen Flüchtlinge aufgenommen?</b><BR /><BR />Monsorno: Nein, ich habe bisher noch nie Flüchtlinge bei mir zuhause aufgenommen. Ich habe schon öfters Spenden getätigt, aber in Sachen Flüchtlingsaufnahme wird das meine allererste Erfahrung sein und ich freue mich darauf.<BR /><BR /><b>STOL: Wie viele Flüchtlinge können Sie bei sich zuhause aufnehmen?</b><BR /><BR />Monsorno: Ich kann maximal 3 Flüchtlinge bei mir zuhause aufnehmen. So stelle ich sicher, dass sich alle 3 innerhalb meiner 4 Wände frei bewegen können und sich nicht gegenseitig auf die Füße steigen. Das ist mir sehr wichtig: Nicht nur irgendwie jemanden aufnehmen, sondern auch dafür zu sorgen, dass genügend Platz für jeden herrscht und ich allen ein gleich angenehmes Umfeld für die nächsten Wochen beziehungsweise Monate biete.<BR /><BR /><embed id="dtext86-53258946_quote" /><BR /><BR /><b>STOL: Was sagt die Gemeinde zu Ihrer Entscheidung? Unterstützt sie Sie bei diesem Vorhaben?</b><BR /><BR />Monsorno: Ich habe Kontakt zu unserer Bürgermeisterin aufgenommen. Sie war sofort positiv gestimmt und unterstützt meine Entscheidung. Die Gemeinde ist bei diesem Vorhaben mein Ansprechpartner. Es taucht ja nicht plötzlich einfach so irgendeine X-beliebige ukrainische Flüchtlingsfamilie vor meiner Haustür auf und sagt: „So, jetzt sind wir hier.“ Viele Dinge müssen hier von verschiedenen Beauftragten koordiniert werden und ich befinde mich deswegen im ständigen Austausch mit der Gemeinde.<BR /><BR /><b>STOL: Glauben Sie, dass mehrere Südtiroler Ihrem Beispiel folgen werden?</b><BR /><BR />Monsorno: Ich hoffe es. Ich will jetzt kein Vorreiter sein, aber wenn durch meine Aktion auch nur eine einzige Person sich dazu entscheidet, eine ukrainische Flüchtlingsfamilie aufzunehmen, dann ist das schon ein großer Erfolg und wer weiß, womöglich wird dadurch sogar eine regelrechte Kettenreaktion ausgelöst. Ich hoffe einfach, dass ich gewisse Leute mit meinem Vorhaben motivieren kann, das ist mir wichtig.<BR /><BR /><b>STOL: Was wünschen Sie sich für die Menschen in der Ukraine?</b><BR /><BR />Monsorno: Dass ihr Leid bald ein Ende findet, sie schnellstmöglich in die Normalität zurückkehren können und dieser Krieg nicht so große Wunden aufreißt, wie es vergangene Kriege bereits getan haben.<BR /><BR /><b>Alle Berichte zum Krieg in der Ukraine finden Sie <a href="https://www.stol.it/tag/Krieg%20in%20der%20Ukraine" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">hier.</a></b>