Mittwoch, 22. April 2015

Flüchtlingsdrama: Unglückskapitän unter Alkohol- und Hascheinfluss

Der tunesische Kapitän des am Sonntag in libyschen Gewässern gekenterten Flüchtlingsboots war betrunken und rauchte Haschisch seit der Abfahrt in Libyen. Dies berichteten Überlebende des bisher tödlichsten Flüchtlingsunglücks im Mittelmeer mit rund 850 Opfern.

Foto: © APA/Reuters

Wegen des Zustands des Kapitäns sei es zu einem falschen Manöver und zur Kollision des Flüchtlingsbootes mit einem portugiesischen Handelsschiff gekommen, das dem Notruf der Flüchtlinge gefolgt war.

An Bord des Bootes sei Panik ausgebrochen, das hoffnungslos überlastete Boot kippte um, berichteten die Zeugen. Der 27-jährige Kapitän und ein syrisches Besatzungsmitglied wurden in der Nacht auf Dienstag festgenommen, als die Gruppe von 27 Überlebenden der Tragödie in Catania auf Sizilien an Land gehen konnte.

Verdächtige Männer werden am Freitag angehört

Dem tunesischen Kapitän des Flüchtlingsbootes wird vielfacher Totschlag, Verursachen eines Schiffsuntergangs und Beihilfe zur illegalen Einwanderung vorgeworfen. Gegen den 25-jährigen Syrer wird wegen Beihilfe zur illegalen Einwanderung ermittelt.

Die beiden Männer müssen am Freitag zu einer ersten Anhörung vor Gericht erscheinen. Dem Kapitän des portugiesischen Flüchtlingsschiffes sei dagegen nichts vorzuwerfen, berichteten die sizilianischen Ermittler.

Wollten 400 Personen mehr an Bord schaffen

Laut Überlebenden wollten Schlepperbanden 1200 Menschen an Bord des Flüchtlingsbootes unterbringen. „Sie schlugen uns, um so viel Menschen wie möglich ins Boot zu bringen. Am Schluss waren wir 800 an Bord. Die meisten waren im Lagerraum eingeschlossen. Nach der Kollision bin ich ins Wasser gefallen, wo ich eine halbe Stunde lang warten musste, bis man mir ein Seil zugeworfen hat“, berichtete der 16-jährige Somalier Said, der sich mit weiteren drei Minderjährigen retten konnte.

apa

stol