<BR />Groß ist die Sorge um Folgekosten: Margreid blieb z.B. auf 13.000 Euro jährlich zur Unterbringung einer traumatisierten Migrantin in einer Struktur sitzen. Jetzt sollen Pfarreien und Wohnbauinstitut bei der schwierigen Herbergssuche helfen.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1281063_image" /></div> <BR /><BR />182 Migrantenfamilien leben in Bozen in Hotels und im Ex-Pacinotti-Gebäude. Die Hälfte sollen 94 Gemeinden übernehmen, die keine Integrationsunterkünfte (CAS, SAI) haben, doch bei einem Treffen mit Landesrätin Pamer meldeten die Bürgermeister reihenweise Bedenken an. „Bis Juni die Wohnungen zu haben, wird sich nicht spielen“, sagt der Terlaner Bürgermeister <b>Hansjörg Zelger.</b><BR /><BR />Verteilen sei zwar der bessere Weg zur Integration. „Aber: Der Wohnungsmarkt in Terlan ist leergefegt. Alles, was angeboten wird, ist sofort weg.“ Er sei nicht zuversichtlich, eine Bleibe zu finden. „Eine gewisse Abneigung , an Ausländer zu vermieten, ist da. Was ihnen angeboten wird, ist meist in so schlechtem Zustand, dass die Besitzer sich schämen müssten.“<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1281066_image" /></div> <BR /><BR />In Toblach sind drei Gemeindewohnungen bereits besetzt, zwei mit Migranten aus Afghanistan und der Ukraine. „Ich habe keine Unterkünfte mehr, nicht einmal für Einheimische oder Mitarbeiter, die bereits fünf Jahre in Toblach arbeiten“, sagt Bürgermeister <b>Martin Rienzner</b>. Bei den für Senioren reservierten Wohnungen seien die Wartelisten lang. „Die Wahrscheinlichkeit, bis Juni etwas für eine Flüchtlingsfamilie zu finden, ist klein, wenn nicht das WOBI hilft“, so Rienzner.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1281069_image" /></div> <BR /><BR />„Truden hat keine Wohnung, die mit einer Heizung ausgestattet wäre“, so Bürgermeister <b>Michael Epp.</b> Am Mietmarkt sei nichts zu bekommen. „Und ich frage mich, wer aus Bozen in periphere Orte wie Martell, Altrei oder Truden will. Die letzten Flüchtlingsfamilien waren bald wieder weg“, so Epp.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1281072_image" /></div> <BR />„Unsere drei Wohnungen sind mit Migrantenfamilien besetzt“, sagt der Margreider Bürgermeister <b>Andreas Bonell</b>. „Bei uns finden nicht einmal die eigenen Leute Wohnung. Migranten erhalten Angebote für Spelunken.“ Aus dem Unterland hätten sich beim Treffen mit Pamer viele zu Wort gemeldet. „Nur weil Bozen schreit, müssen jetzt alle springen. Wir haben aber schon Flugplatz, Autobahn, hohen Ausländeranteil an Schulen.“ <BR /><BR /> Das Land zahle die Miete für die Flüchtlingsfamilien. Wer aber komme für Folgekosten wie Gas und Strom auf? Margreid ist ein gebranntes Kind. Für die Unterbringung einer traumatisierten Migrantin in einer Struktur zahlt die Gemeinde jedenfalls heute noch 13.000 Euro jährlich. „In Margreid gewohnt hat sie nur ein Jahr“, so Bonell.<h3> Vier Fragen an Sozial-Landesrätin Rosmarie Pamer</h3><b>Frau Landesrätin, 94 Gemeinden sollen Flüchtlingsfamilien aufnehmen, doch von den Bürgermeistern bläst ihnen ein kalter Wind ins Gesicht ...<BR /></b>Rosmarie Pamer: Nicht aus allen. Einige wie Sterzing, Gais, Schenna und Tirol haben bereits Wohnungen in Aussicht. Proveis will eine Übereinkunft mit dem WOBI abschließen.<BR /><BR /><b>Die meisten anderen haben aber keine Wohnungen. Was tun, wenn die Übersiedlung aus Bozen ab Schulschluss im Juni klappen soll?</b><BR />Pamer: Das Treffen mit den Gemeinden diente der Information und es stimmt, dass Bürgermeister auf Schwierigkeiten hingewiesen haben. Wir sind jetzt übereingekommen, dass der Gemeindenverband und ich nächste Woche gemeinsam alle Pfarreien anschreiben. Zudem fragen wir beim Wobi nach der Liste der freien Wohnungen an und die dritte Variante ist, Wohnungen zu sanieren.<BR /><BR /><b>Viele Bürgermeister sorgen sich, auf den Kosten sitzen zu bleiben. Wer zahlt was?<BR /></b>Pamer: Bis Ende März werden genaue Kriterien erlassen, die definieren, was das Land und was Familien bezahlen. Grundsätzlich ist davon auszugehen, dass die Mieten das Land übernimmt. Für Integrationsprojekte sind die Bezirksgemeinschaften zuständig. Und was Folgekosten wie Gas, Müll und Strom anlangt, gehe ich schon davon aus, dass sich die Integration so gestaltet, dass Familien dafür selbst aufkommen können.<BR /><BR /><b>Sie bleiben also weiterhin optimistisch?<BR /></b>Pamer: Ich glaube schon, dass eine Familie pro Gemeinde machbar ist.<BR /><h3> Vier Fragen an Gemeinden-Chef Dominik Oberstaller</h3><b>Herr Oberstaller, 94 Gemeinden sollen ab Juni eine Flüchtlingsfamilie aufnehmen, doch das scheint nicht zu klappen ...<BR /></b>Dominik Oberstaller: Einige Gemeinden sind unterwegs, aber nicht viele. Der Wohnungsmarkt ist leer gefegt, weshalb wir jetzt auf die Unterstützung des Wobi zählen, das leere Wohnungen hat. Es wird sicher Gemeinden geben, die bis zum Schluss nichts finden, und die muss man auffangen. <BR /><BR /><b>Die Bürgermeister sorgen sich um die Kosten. Wer zahlt für Miete und Folgekosten?</b><BR />Oberstaller: Die Mieten zahlt das Land, und zwar mehr als der Landesmietzins, um überhaupt eine Chance zu haben. Für Gas und Strom sollten die Familien selbst aufkommen. Wenn nicht, ist das Land zuständig. Die Gemeinden dürfen nicht auf Kosten sitzen bleiben. Das ist jetzt festzuschreiben.<BR /><BR /><b>Bozen schreit und alle Gemeinden müssen springen?</b> <BR />Oberstaller: Es ist eine große Herausforderung, mit der niemand eine große Freude hat. Zugleich ist es eine Notwendigkeit, diese Familien aus den Hotels wegzubringen. Es handelt sich um eine einmalige Aktion, denn diese werden danach nicht wieder mit Flüchtlingen aufgefüllt. <BR /><BR /><b>Der Wechsel weg von Bozen ist freiwillig. Was passiert, wenn Familien gar nicht in periphere Gemeinden wie Martell, Proveis oder Prettau wollen? <BR /></b>Oberstaller: Dann ist das Angebot verstrichen, die Hotels gehen zu und man hat kein Dach über dem Kopf.