Dienstag, 20. Juni 2017

Flüchtlingsfolterer „Rambo“ in Italien festgenommen

Ein nigerianischer Menschenhändler ist von der italienischen Polizei in einem Flüchtlingslager in Isola di Capo Rizzuto in der süditalienischen Region Kalabrien festgenommen worden.

Foto: © shutterstock

Dem 25-Jährigen werden unter anderem Schlepperei, Mord, Kidnapping und sexuelle Misshandlung vorgeworfen.

Der „Rambo“ genannte Nigerianer, der in der Strafanstalt der kalabresischen Stadt Catanzaro einsitzt, gilt als Mitglied einer Bande, die tausende Menschen nach Europa gebracht haben soll, berichtete die Polizei der sizilianischen Stadt Agrigent, die die Ermittlungen führte. Vor ihrer Abfahrt nach Italien wurden Flüchtlinge in Lagern gehalten, wo sie gefoltert, geschlagen und vergewaltigt wurden.

Die sizilianischen Ermittler sammelten die Aussagen unzähliger Migranten, die von „Rambo“ schikaniert und gefoltert worden seien. Einige von ihnen seien mit Elektroschocks gequält und täglich geschlagen worden. „Rambo“ hätte unter anderem einen nigerianischen Minderjährigen und einen anderen Migranten ermordet, lautet der Vorwurf. Mit Folterungen habe Rambos Bande versucht, von den Familien der Flüchtlinge Geld für ihre Freilassung zu erhalten.

Flüchtlinge berichten von Folter und Hungersnot

90 Prozent der Flüchtlinge, die nach ihrer Ankunft in Italien interviewt worden sind, berichteten, dass sie in ihrer Heimat, oder auf der Flucht nach Europa Gewalt, Folter oder unmenschlichen Behandlungen ausgesetzt waren. Das geht aus einem in Rom veröffentlichten Bericht der humanitären Organisation „Ärzte für die Menschenrechte“ (MEDU) hervor. Vor allem in Aufnahmelagern in Libyen hätten die Flüchtlinge Hunger und Durst sowie unter schlimmsten hygienischen Bedingungen, physischer oder psychologischer Misshandlung gelitten. Neun von zehn Migranten berichteten, sie hätten gesehen, wie Menschen starben, getötet, gefoltert oder verprügelt worden seien.

82 Prozent der Menschen, die in Flüchtlingslagern auf Sizilien untergebracht und von Teams aus Ärzten und Psychologen betreut werden, würden Zeichen physischer Gewalt aufweisen. Viele von ihnen hätten psychologische Probleme wie Depressionen, Angst und Schlafmangel, die auf schweren Stress zurückzuführen seien.

apa

stol