Freitag, 20. November 2015

"Flüchtlingsheim neben der Schule? Nein danke!"

Besorgte Schreiben von Eltern in St. Ulrich, Heil-Hitler-Rufe in Kastelruth: Dass Flüchtlinge Unterkünfte in diesen Gemeinde beziehen sollen, sorgt auf unterschiedliche Weise für Ummut.

Das Haus, in dem die Flüchtlinge in St. Ulrich unterkommen sollen (r.), liegt unweit der Schule (hinten).
Badge Local
Das Haus, in dem die Flüchtlinge in St. Ulrich unterkommen sollen (r.), liegt unweit der Schule (hinten).

Die Angst geht um, in den betroffenen Gemeinden. Die Angst, dass Landstreicher und Verbrecher einziehen, sagt eine Kastelrutherin. Knapp 20 afrikanische Männer werden im ehemaligen Kloster der Tertiarschwestern eine Bleibe finden. 

Bei der zuständigen Landesabteilung für Soziales hat man sich bemüht für Aufklärung zu sorgen und am vergangenen Montag eine Infoveranstaltung angesetzt. Dabei soll es allerdings sogar zu "Heil Hitler"-Rufen gekommen sein. Untragbar auch für die Eventteilnehmer. 

"Natürlich hätten die Leute lieber Familien hier und nicht junge, starke Männer", sagt Sozialreferentin Cristina Pallach. Doch sie ist zuversichtlich, dass die Kastelruther die Scheu verlieren, sind die Asylantragsteller erst einmal da. 

Aufschrei auch in St. Ulrich

Im Netz rumort es seit geraumer Zeit unter besorgten Bürgern von St. Ulrich. Ein Privater hat seine Immobilie angeboten. Das Land hat das Gebäude nun unter die Lupe genommen und für gut befunden: Die Immobilie sei in einem guten Zustand, die 25 Asylantragsteller können einziehen (STOL hat berichtet).

"Das Haus ist direkt neben der Volksschule", das kann doch nicht sein", schrieb eine besorgte Mutter auf Facebook. Die Kommentare überschlagen sich aber nicht erst, seit die Nachricht mehr oder weniger offiziell ist. "Nicht mit uns." "Das kann nicht sein". "Wir müssen uns wehren." "Wir sind die Letzten, die davon erfahren, dabei wohnen wird ja nur dort." So steht es zu lesen auf den Sozialen Plattformen. 

Und dies alles, noch bevor die Bevölkerung wie in Kastelruth bei einer Bürgerversammlung über alle Details informiert wird. Bleibt zu hoffen, dass es dort nicht zu verbalen Fehltritten kommt, wie in der Nachbargemeinde. 

Soziallandesrätin Martha Stocker meinte in Anbetracht der Aufnahme von Flüchtlingen in Südtiroler Einrichtungen im Interview mit STOL: "Ich habe im Laufe der Flüchtlingsaufnahmen bereits die ein oder andere schwierige Situation erlebt. Aber am Ende überwogen Betroffenheit und Hilfsbereitschaft."

stol/ker

_______________________________

Informationsveranstaltung in St. Ulrich

Die Gemeinde veranstaltet am Mittwoch, 25.11.2015 um 20 Uhr im Kulturhaus von St. Ulrich einen Informationsabend betreffend die Unterbringung von Flüchtlingen in St. Ulrich. An der Veranstaltung nehmen Landesrätin Martha Stocker, Landesrat Florian Mussner, der Abteilungsdirektor des Amtes für Soziales Luca Critelli und Vertreter der Caritas teil. 
Freiwillige Helfer, die bereits Erfahrungen mit Flüchtlingen gesammelt haben, werden darüber berichten. Die Veranstaltung steht allen interessierten Bürgern offen.

stol