Montag, 09. Januar 2017

Flüchtlingshelfer-Festnahme: "Volontarius" wehrt sich

Nach der internationalen Polizei-Operation, die am Freitag zur Festnahme eines Flüchtlingshelfers und weiterer 10 Personen geführt hat, gibt es zahlreiche Reaktionen. Der Verein "Volontarius", für den der festgenommene Iraker Firas Fadel indirekt gearbeitet hat, lehnt jede Mitverantwortung ab, sieht sich als geschädigt und behält sich rechtliche Schritte vor. Firas Fadel selbst bestreitet die Vorwürfe.

Der Iraker Firas Fadel (kleines Bild) wurde am Freitag an seinem Arbeitsplatz am Brenner verhaftet. - Foto: Polizei
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Der Iraker Firas Fadel (kleines Bild) wurde am Freitag an seinem Arbeitsplatz am Brenner verhaftet. - Foto: Polizei

Vor 15 Jahren war Firas Fadel (38) selbst vom Irak über Land und Meer nach Italien geflohen. Jetzt hat er hier sein Glück gefunden – und wurde aber selbst zum Schlepper, wie ihm die Polizei vorwirft. Firas Fadel leitete für „River Equipe“ das Flüchtlingsservicezentrum am Brenner. Insgesamt 11 Personen wurden festgenommen, 7 angezeigt (STOL hat berichtet).

Die deutsche, österreichische und italienische Polizei ermitteln seit Juli Hand in Hand. „Nockel“ wurde die Operation genannt. Am Wochenende wurde sie mit Festnahmen in allen Ländern abgeschlossen. Die Köpfe der Schlepperbande sollen in Berlin sitzen. Viele Stunden an Telefonabhörungen haben sich die Beamten angehört, bevor die Handschellen klickten.

Ein wichtiger Drahtzieher innerhalb dieser Organisation mit „Sitz“ in Berlin soll der 38-jährige Firas Fadel gewesen sein. Er lebt seit 15 Jahren in Italien und ist mit einer Sterzingerin verheiratet (die ebenfalls angezeigt wurde). Er arbeitete für „River Equipe“, eine Sozialgenossenschaft, die im Auftrag von „Volontarius“ die Flüchtlinge am Brenner betreut.

Vorwurf: Mindestens 30 Mal „geholfen“

Mindestens 30 Personen soll Fadel über den Brenner in Richtung Norden geschleust haben – laut den Ermittlern auch Minderjährige. Für 30 Personen gebe es stichhaltige Beweise, viele andere dürften ihren Weg mit dem Auto oder mit dem Zug in Richtung Norden geschafft haben, ohne dass die Polizei dies beweisen kann. Fadel soll Geld – 500 bis 700 Euro – dafür kassiert haben, Menschen auf der Flucht über den Brenner zu bringen.

Wie inzwischen bekannt wurde, bestreitet Firas Fadel alle Vorwürfe.

"Volontarius" als Nebenkläger

Mit „Befremden“ und „erschüttert“ hat die Vereinigung „Volontarius“ auf die Festnahme eines ihrer Mitarbeiter reagiert. In einer Aussendung stellt „Volontarius“-Präsident Claude Rotelli fest, dass in diesem Fall der Verein und auch die Genossenschaft „River Equipe“, die die Flüchtlingsbetreuung am Brenner für „Volontarius“ durchführe, „Opfer und Geschädigte“ seien.

Die Vereinigung behalte sich deshalb selbst rechtliche Schritte vor und werde sich in das Gerichtsverfahren als Nebenkläger einlassen. „Volontarius“ hat dafür Anwalt Flavio Moccia beauftragt. Außerdem legt Rotelli wert auf die Feststellung, dass Volontarius zwar das Hilfsprojekt am Brenner betreibe, die Genossenschaft „River Equipe“ aber das Personal stelle. Beide Organisationen vertrauen den Ermittlungen der Staatsanwalt und der Ordnungskräfte, die Machenschaften aufgedeckt hätten, die nichts mit der Arbeit der Vereinigungen am Brenner zu tun hätten.

stol/uli

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Mehr Hintergründe und Reaktionen zur Festnahme des Flüchtlingshelfers lesen Sie in der Montagausgabe des Tagblatts „Dolomiten“. 

stol