Montag, 17. Oktober 2016

Flug verspätet oder annulliert: Welche Rechte habe ich?

Nichts verdirbt die Urlaubslaune so sehr wie ein verspäteter oder gar annullierter Flug. Im Internet sind immer mehr Portale im Umlauf, die den Verbrauchern für annullierte oder verspätete Flüge hohe Summen an Schadensersatz versprechen - ungeachtet der Umstände, die zu diesem Ereignis geführt haben. Hier möchte das Büro der Europäischen Verbrauchenzentrale in Bozen einiges klarstellen.

Wenn ein Flug sich verspätet oder annulliert wird, greifen bestimmte Regelungen.
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Wenn ein Flug sich verspätet oder annulliert wird, greifen bestimmte Regelungen. - Foto: © APA/EPA

"Wenn ein Flug annulliert oder die Beförderung verweigert wird, sieht die Verordnung vor, dass bei Flügen, die in der EU angetreten werden, aber auch für Flüge in die EU, falls von einer EU-Fluggesellschaft durchgeführt, die ausführende Fluggesellschaft den Passagieren - je nach Flugentfernung - eine Ausgleichszahlung in Höhe von 250 bis 600 Euro zahlen muss", erklärt die EVZ.

Bei Flugstrecken unter 1500 Kilometern werden 250 Euro gezahlt, 400 Euro für alle innergemeinschaftlichen Flüge über 1500 Kilometer sowie für alle anderen Flüge zwischen 1500 und 3500 Kilometer. 600 Euro gibt es für alle anderen Flüge.

Aber: Diese Ausgleichsleistung muss nicht gezahlt werden, wenn der Reisende rechtzeitig über die Annullierung informiert wurde, und zwar: 

  • mindestens 2 Wochen vor Abflug
  • zwischen 2 Wochen und 7 Tagen vor Antritt der Reise, und es wurde ein Alternativflug mit Abflug höchstens 2 Stunden früher oder mit einer Verspätung bei der Ankunft von höchstens 4 Stunden angeboten
  • weniger als 7 Tage vor dem Abflug, und man erhielt das Angebot zur anderweitigen Beförderung, die es ermöglicht, das Endziel höchstens zwei Stunden nach der planmäßigen Ankunftszeit zu erreichen.

"Eine Fluggesellschaft muss die Ausgleichsleistung auch nicht bezahlen, wenn die Annullierung oder Verspätung des Fluges aufgrund außergewöhnlicher Umstände erfolgt ist, die trotz aller Anstrengungen und notwendigen Maßnahmen nicht hätten vermieden werden können", betonen die Experten der EVZ.

Achtung: Ein technischer Defekt gilt nicht automatisch als "außergewöhnlicher Umstand", sondern nur dann, wenn das besagte Problem auf Ereignisse außerhalb der effektiven Kontrolle der Fluglinie zurückzuführen ist.

Als außergewöhnliche Umstände gelten etwa politische Instabilität, schlechte Wetterbedingungen, die die Durchführung des Fluges unmöglich machen, Sicherheitsrisiken oder unerwartete Flugsicherheitsmängel oder Streik.

Bei 3 Stunden Verspätung gelten dieselben Rechte

In diesem Moment muss die Fluggesellschaft den betroffenen Passagieren die Umbuchung auf ein alternatives Beförderungsmittel anbieten oder die Rückerstattung des Tickets innerhalb von sieben Tagen vornehmen, wenn der Flug im Hinblick auf den ursprünglichen Reiseplan zwecklos geworden ist, gegebenenfalls in Verbindung mit einem Rückflug zum ersten Abflugort.

Außerdem haben die Passagiere Anspruch auf Betreuungsleistungen am Flughafen: Mahlzeiten und Erfrischungen, Hotelunterbringung und Beförderung zwischen dem Flughafen und dem Ort der Unterbringung, zwei Telefongespräche, zwei Telefaxe oder E-Mails. 

Die Passagiere eines Fluges, der sich um mehr als 3 Stunden verspätet, können die gleichen Rechte – mit denselben Einschränkungen – geltend machen. Der Betrag der Ausgleichszahlung kann jedoch um 50 Prozent verringert werden, wenn die Verspätung weniger als 4 Stunden beträgt.

Im Falle einer Verspätung sieht das Montrealer Übereinkommen, das nicht nur für Flüge, die in der EU starten oder landen, anwendbar ist, vor, dass die Fluglinie für Schäden aus Verspätungen des Transports von Personen, Gepäck oder Waren haftet. Es ist jedoch vorgesehen, dass die Fluglinie nicht für Verspätungsschäden haftet, wenn sie nachweisen kann, dass sie selbst und die Angestellten alle zumutbaren Maßnahmen zur Vermeidung des Schadens getroffen haben oder dass es nicht möglich war, solche Maßnahmen zu ergreifen. 

stol

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