Forscher der Universität São Paulo haben nun auch Humane Papillomviren (HPV) bei ihm entdeckt. <BR /><BR />Aus heutiger Sicht handelt es sich dabei um eine große Gruppe von etwa 200 Viren, die durch Haut- bzw. Schleimhautkontakt das Epithelgewebe infizieren und zu den am häufigsten sexuell übertragbaren Infektionskrankheiten gehören. Manche HPV-Typen rufen gutartige Feigwarzen hervor, andere können zu unterschiedlichen Krebsarten führen.<BR /><BR /><b>Ust'Ishim und Ötzi sequenziert</b><BR /><BR />Kaum etwas war bisher über das Vorkommen der HPV-Viren in der prähistorischen menschlichen Population bekannt. Nun aber haben US-amerikanische Forscher der Bundesuniversität von São Paulo (Brasilien) das Vorhandensein dieser onkogenen Viren anhand von Genomsequenzierungsdaten in zwei außergewöhnlich gut erhaltenen Individuen festgestellt: bei Ust'-Ishim, einem vor etwa 45.000 Jahren lebenden Homo sapiens aus Westsibirien, dessen Knochenreste genauso analysiert wurden wie eben jene von Ötzi. <BR /><BR />„Bei beiden Individuen haben wir Papillomavirus-Fragmente mit hoher Zuverlässigkeit nachgewiesen. Unsere Studie liefert den frühesten molekularen Nachweis von HPV16 bei anatomisch modernen Menschen (AMH) und verschiebt damit dessen Evolutionsgeschichte zurück“, sagt die Bioinformatikerin Julian Yazigi, Erstautorin der Studie. Ust'-Ishim und Ötzi trennen etwa 40.000 Jahre und 5.000 Kilometer, was bedeutet, dass diese HPV-Variante schon seit langer Zeit in unserer Spezies zirkuliert.<BR /><b><BR />Lücke in der Evolutionsgeschichte wird geschlossen</b><BR /><BR />Somit sind nach Ansicht der Forscher andere Studien, wonach die Infektion mit HPV-Viren erst durch die Vermischung mit den Neandertalern erfolgt sei, hinfällig. Werden die Ergebnisse bestätigt, so steht fest, dass der Homo sapiens seit Anbeginn seiner Existenz mit den Papillomviren infiziert war. Damit würde eine Lücke in der Evolutionsgeschichte geschlossen.<BR /><BR /><b>Lange Krankheitsakte Ötzis wird erweitert</b><BR /><BR />Besagte Studie wurde auf der Wissenschaftsplattform bioRxiv veröffentlicht, die Ergebnisse müssen noch begutachtet werden. <BR />Somit darf man davon ausgehen, dass der ohnehin schon ellenlangen Krankenakte Ötzis ein weiteres Leiden hinzugefügt wird. Wie die Wissenschaftler nach und nach herausfanden, litt der Mann aus dem Eis u.a. an Arteriosklerose, Darmbeschwerden, Laktoseintoleranz, Karies, Arthritis sowie Herz-Kreislauf-Problemen. Gestorben ist er nach Ansicht der Forscher allerdings keines natürlichen Todes, sondern an den Folgen eines feindlichen Angriffs mit Pfeil und Bogen.