STOL hat am zehnten Jahrtag der Terroranschläge von 2015 die Orte des Gedenkens besucht. <BR /><BR />Dieser Tage wird das Haus in der Rue de la République Nr. 48 abgerissen. Seit zehn Jahren ist es nicht mehr bewohnt. Seitdem Hunderte Schüsse und eine Explosion zahlreiche Dionysiens – die Einwohner des Pariser Vorortes Saint-Denis – aus dem Schlaf gerissen hatten. Heute erinnert hier nichts mehr an jene Vorfälle. Trotzdem muss man nicht lange suchen, um das lebendige Gedenken an die 132 Opfer der Anschläge vom 13. November 2015 zu finden. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1237488_image" /></div> <BR /><BR />Drei Terroristen hatten sich in einer Wohnung im Haus an der Rue de la République 48 in Saint-Denis versteckt – sie waren fünf Tage zuvor am Massaker beteiligt, das als schwerster terroristischer Angriff in die Geschichte Frankreichs einging. <BR /><BR />Um vier Uhr Früh stürmt die Polizei am 18. November das Haus – nach einem Schusswechsel aktiviert einer der Terroristen seinen Sprenggürtel und reißt einen weiteren mit in den Tod. Die dritte Person – die Cousine eines der beiden Terroristen – stirbt unter den Schüssen der Polizei. Bei der Operation verendet auch ein Polizeihund.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1237491_image" /></div> <BR /><BR />Es waren dies die letzten einer langen Reihe von Leben, die die Terrorangriffe vom 13. November 2015 forderten. Das erste Opfer starb keine 20 Gehminuten von der Wohnung der Terroristen entfernt – vor dem Stade de France. An jenem Freitag trafen Frankreichs „Bleu“ dort auf die deutsche Nationalmannschaft im Rahmen eines Freundschaftsspiels. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1237494_image" /></div> <BR /><BR />Nach dem Gedränge beim Eintreffen der Zuschauer hatten die Gendarmen, die bei Veranstaltungen im größten Stadion Frankreichs zum Sicherheitsapparat gehören, kaum Zeit, sich zu erholen – da vernahmen sie schon die erste Explosion. Es war 21.20 Uhr. „Die Zeit blieb stehen, eine Totenstille kehrte ein. Und plötzlich ein lautes Schreien“, erzählt ein Beamter als einer von Hunderten von Nebenklägern vor Gericht im mehrere Jahre währenden Prozess zu den Anschlägen. „20 Meter weiter war sehr viel Rauch“ und daneben lag Manuel Colaço Dias. Der 63-jährige Busfahrer hatte Fans aus Metz nach Saint-Denis zum Stadion gefahren. <h3> „Nicht ein Passant, sondern das einzige Todesopfer am Stade de France“ </h3>„Ich sah sein Gesicht, die Augen waren offen. Er lag auf den Knien, seine Hand stützte noch seinen Kopf. Ich stellte fest, dass er tot war. Dann wurde mir klar, dass es für einen Menschen allein zu viele Überreste gibt“, erinnert sich der Beamte. <BR /><BR /><BR />Zwei weitere Terroristen sprengen sich in die Luft – einer in der Nähe des ersten, der dritte einige Hundert Meter weiter entfernt, vor einem Restaurants. <BR /><BR />Dias ist das erste Todesopfer der Terroranschläge vom 13. November – und „das einzige Todesopfer am Stade de France“, wie seine Tochter am selben Prozesstag präzisiert. „Nicht einfach ein Passant, der ums Leben kam, wie viele Medien berichten“. Sie beklagt auch, dass die Vorfälle am Stade de France in Vergessenheit geraten und nur jene von Paris im Vordergrund stünden. Heute noch erinnert eine Gedenktafel neben dem Eingang D des Stade de France an den Tod ihres Vaters. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1237497_image" /></div> <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1237500_image" /></div> <h3> Das „Terrassen-Kommando“ </h3>Fast zeitgleich zur dritten Explosion hält ein schwarzer Seat rund sechs Kilometer südlich vom Stade de France vor dem Café Le Petit Cambodge an. Drei mit Kalaschnikows bewaffnete Männer steigen aus dem Wagen und öffnen das Feuer auf die Gäste. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1237503_image" /></div> <BR /><BR />Dann beschießen sie das gegenüberliegende Lokal, Le Carillon. 13 Menschen lassen an dieser Kreuzung im belebten zehnten Arrondissement von Paris ihr Leben.<BR /><BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1237506_image" /></div> <BR /><BR /><BR />Fünf Minuten später halten die Terroristen eine Straße weiter, aber schon im elften Arrondissement, zwischen der Bar La Bonne Bière und der Pizzeria Casa Nostra. Fünf weitere Menschen sterben durch die Schüsse der Maschinengewehre. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1237509_image" /></div> <BR /><div class="img-embed"><embed id="1237512_image" /></div> <BR />Um 21.36 Uhr erreicht das „Terrassen-Kommando“, wie später die dreiköpfige Gruppe der Attentäter bezeichnet wurde, das Café La Belle Equipe. Bei dem Angriff wird die höchste Anzahl an Todesopfer verzeichnet: 21 Gäste sterben dort. <BR /><BR />Ein Mitglied des „Terrassen-Kommandos“ sprengt sich schließlich im Comptoir Voltaire in die Luft – mehrere Personen werden teils schwer verletzt.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1237515_image" /></div> <BR /><BR />Die beiden noch lebenden Mitglieder des Kommandos ergreifen anschließend die Flucht – sie verstecken sich fünf Tage lang in einer Wohnung in der Rue de la République im Zentrum von Saint-Denis, ehe sie durch eine Operation der Polizei ausgeschaltet werden. <h3> Das „Bataclan-Kommando“ </h3>Die Flucht von dem, was vom „Terrassen-Kommando“ übrig geblieben war, bedeutete nicht das Ende der Anschläge: Kurz nach der Explosion am Comptoir Voltaire schlugen nämlich drei weitere Terroristen zu – sie bildeten die später als „Bataclan-Kommando“ bekannte Gruppe von Attentätern. <BR /><BR />Um 21.41 Uhr dringen die bewaffneten Männer ins Konzertsaal Bataclan ein – die tödlichste und längste Phase des Terrorangriffs beginnt. 1.500 Fans der „Eagles of Death Metal“ hören plötzlich Schüsse hinter sich. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1237518_image" /></div> <BR /><BR />„Die Menschen sind wie Fliegen umgefallen“, berichtete eine schockierte Zuschauerin damals den Journalisten, nachdem ihr die Flucht aus dem Konzertsaal gelungen war. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1237521_image" /></div> <BR />Insgesamt 90 Menschen ließen dort ihr Leben. Darunter auch das einzige aus Italien stammende Todesopfer der Terroranschläge vom 13. November 2015: Valeria Solesin. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1237524_image" /></div> <div class="img-embed"><embed id="1237614_image" /></div> <BR /><BR />Erst nach Mitternacht gelingt es den Spezialeinheiten der Polizei, die Terroristen im Bataclan auszuschalten und jene Überlebenden in Sicherheit zu bringen. <BR /><BR />Die Bilanz am Morgen nach den Anschlägen ist verheerend: 130 Tote (und zwei weitere nahmen sich Jahre später das Leben), Hunderte Verletzte und zwei Attentäter auf der Flucht. Erst fünf Tage später, am 18. November, werden die beiden Verdächtigen ausgeforscht. Und ihre Wohnung in Saint-Denis gestürmt und beschossen. <BR /><BR />Zehn Jahre später nimmt sich die Stadt diesen Ort wieder zurück: Mit dem Abriss des Gebäudes an der Ecke zwischen Rue de la République und Rue du Courbillon beginnt die Umsetzung eines seit zehn Jahren geplanten Projekts zum Wiederaufbau – mehrere Familien sollen in neuen Wohnungen Platz finden und Geschäfte im Erdgeschoss wiedereröffnen. <BR /><BR />Stück für Stück haben die Dionysiens diesen Ort dunkler Geschichte wieder zurückerobert. Die Straße gehört den Kindern, steht am Boden zu lesen. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1237527_image" /></div> <BR /><BR /><BR />Auch an den Orten der Anschläge hat sich vieles verändert – das zeugt von Resilienz. Dabei zeigt ein Spaziergang durch Saint-Denis und Paris auch: Dunkle Ereignisse hinter sich zu lassen bedeutet für die Betroffenen nicht, sie zu vergessen. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1237530_image" /></div>