Francisco Jalics betonte am Freitag in einer persönlichen Erklärung, er habe sich lange mit den Geschehnissen versöhnt und mit Bergoglio bereits vor vielen Jahren eine Messe gefeiert, sie hätten sich umarmt. Der 1927 in Budapest geborene Pater lebt seit 1978 in Deutschland. Der andere Pater starb im Jahr 2000 in Uruguay an Herzversagen.Jalics kam nach eigenen Angaben 1957 nach Buenos Aires. 1974 sei er mit Erlaubnis des damaligen Jesuiten-Provinzials Bergoglio mit einem Mitbruder in ein Elendsviertel der Stadt gezogen. „Wir zwei im Elendsviertel hatten weder mit der Junta noch mit der Guerilla Kontakt“, schreibt Jalics. Durch Fehlinformationen und ein Missverständnis seien er und sein Mitbruder in Verdacht geraten, mit der Guerilla zu tun zu haben.Nach fünftägigem Verhör habe ihnen ein Offizier die Freilassung versprochen. „Dieser Zusage zum Trotz wurden wir dann, auf eine für uns unerklärliche Weise fünf Monate lang mit verbundenen Augen und gefesselt in Haft gehalten“, schreibt Jalics weiter. Und: „Ich kann keine Stellung zur Rolle von P. Bergoglio in diesen Vorgängen nehmen.“Erst Jahre nach der Befreiung und nachdem er Argentinien verlassen hatte, sprach Jalics mit dem inzwischen zum Erzbischof von Buenos Aires ernannten Bergoglio über die Geschehnisse. Der Jesuitenpater schließt seine Stellungnahme mit den Worten: „Ich wünsche Papst Franziskus Gottes reichen Segen für sein Amt.“E-Mail mit Vorwürfen Die Schwester von Orlando Yorio, schickte direkt nach Bekanntwerden der Wahl Bergoglios zum Papst eine E-Mail mit neuen Vorwürfen an einen „El Pais“-Journalisten. „Ich kann es nicht glauben. Ich bin so betrübt und zornig, dass ich nicht weiß, was ich tun soll. Er hat das erreicht, was er wollte. Ich sehe noch Orlando am Esstisch, als er vor einigen Jahren sagte: 'Er will Papst werden.' Er ist die richtige Person, um die Verfaultheit zuzudecken. Er ist der Experte fürs Zudecken. Mein Telefon läutet ununterbrochen. Fito hat am Telefon geweint.“ „Fito“ ist Adolfo Yorio, der Bruder des von der Junta verfolgten Jesuiten. Orlando selbst starb bereits im Jahr 2000 in Uruguay an einem Herzversagen.„Bergoglio hat ein Buch veröffentlicht, 'El Jesuita', in dem er berichtet, er habe sich bei den Diktatoren Alfredo Massera und Jorge Rafael Videla für ihre Freilassung eingesetzt. Ich frage mich... Wenn es so war, warum hat er den Familienangehörigen nicht davon erzählt? Er hat uns belogen, und er hat auch das Gericht belogen, vor dem er wegen all dem 2010 als Zeuge aussagen musste“, betonte die 67-jährige Psychotherapeutin Yorio.Bergoglio wies Vorwürfe von sich Bergoglio selbst hatte Vorwürfe der Zusammenarbeit mit der Militärjunta stets von sich gewiesen. „Ich habe getan, was ich – angesichts meines Alters und meiner wenigen Beziehungen – tun konnte, um den Verschwundenen zu helfen“, erklärte er in einem Interviewbuch.Vatikan-Sprecher Federico Lombardi wandte sich am Freitag sogar ungewohnt deutlich gegen die Anschuldigungen. Die argentinische Justiz habe Franziskus nie angeklagt, sondern lediglich als Informanten befragt, so Lombardi. Die Anschuldigungen seien eine Kampagne „linker antiklerikaler Elemente, um die Kirche anzugreifen“.apa/dpa