Im Gespräch erläutert Dr. Franzoni auch, warum die Waffen in Hinblick auf den Herbst geschärft werden, welche neuen Impfstoffe erwartet werden und wer den Impfschutz spätestens dann auffrischen sollte. <BR /><BR />Die Aufmerksamkeit auf die neu entstehenden Varianten wächst. Am 12. April wurde die Xf-Variante des Sars-CoV-2-Virus, eine Art Fusion zwischen Delta und Omikron, zum ersten Mal im italienischen Cesena isoliert und sequenziert. <BR /><BR />Diese Art tauchte bisher vor allem in England auf, dort gab es etwa 100 dokumentierte Fälle. Am 8. April wurde von der Gesundheitsbehörde der Provinz Reggio Calabria die Variante Xj (nach Finnland und Thailand) sequenziert: Wie Dr. Franzoni erläutert, handelt es sich dabei nicht um eine neue Variante des Sars-CoV2-Virus, sondern um eine rekombinante Variante. Sie ist das Ergebnis der Rekombination der beiden am weitesten verbreiteten Untervarianten von Omikron: BA.1 und BA.2. <BR /><BR />Sowohl der Präsident des Obersten Gesundheitsrates, Franco Locatelli als auch Gianni Rezza, Leiter der Präventionsabteilung des Gesundheitsministeriums, versicherten, dass diese rekombinante Varianten in Italien „noch sporadisch auftreten und keinen besonderen Grund zur Besorgnis darstellen“. Und Dr. Franzoni bestätigt dies: „Ich sehe hier momentan keinen Grund zur Sorge, bisher deutet alles darauf hin, dass diese Rekombinationen denselben Verlauf haben wie wir es von Omikron kennen.“ <BR /><BR />Es sei normal, dass das Virus mutiert und sich rekombiniert: „Das tun Viren nun einmal“, erklärt Franzoni. „Und es kann leicht passieren, wenn verschiedene Versionen eines Virus in ein und derselben Person koexistieren, wie z. B. die Untervarianten BA.1 und BA.2.“<BR /><BR />Nach bisherigem Erkenntnisstand verläuft die Infektion bei den Omikron-Rekombinationen – immer vorausgesetzt die Betroffenen sind dreifach geimpft und verfügen über ein gesundes Immunsystem – entweder asymptomatisch oder verursacht „nur“ milde Symptome.<BR /><BR /> „Omikron greift ja bekanntlich nur sehr selten die Lunge an, sondern manifestiert sich im Rachenraum. Infizierte leiden an Kopf-, Glieder- oder Ohrenschmerzen, Fieber und Husten.“ <BR /><BR />Trotz des relativ milden Verlaufs bei Omikron sei Covid niemals auf die leichte Schulter zu nehmen und es sei weiterhin wichtig, auf einen ausreichenden Impfschutz zu achten. Noch nicht geboosterte Personen sollten dies auf jeden Fall nachholen. Denn – so Dr. Franzoni – auch dieser Sommer wird kein Sommer ohne Covid. <BR /><BR /><b>Alpha und Delta verschwunden, Omikron dominant</b><BR /><BR />Welche Varianten sind in Italien und auch Südtirol derzeit dominant? Die Alpha- und Delta-Varianten sind in Italien seit langem verschwunden und wurden von der zu 100 Prozent dominanten Omikron-Variante verdrängt, wobei 80 Prozent der Fälle auf die Untervariante BA.2 zurückzuführen sind, so Franzoni. Nach BA.1 und BA.2 sei in Italien auch die neue Untervariante von Omikron BA.2.3 im Umlauf. Diese mache derzeit etwa 20 Prozent der Covid-19-Fälle in Italien aus. „BA.2.3 ist aus BA.2 hervorgegangen, hat aber ein paar mehr Mutationen als diese.“<BR /><BR />Bisher wurden weltweit auch andere Rekombinanten identifiziert, wie Xd (aus Omikron und Delta hervorgegangen), und auch Xa, Xb, Xc und Xh wurden gemeldet. Wie Xe sind diese in Italien aber noch nicht aufgetaucht. <BR /><BR />Indes hat die WHO mit der Überwachung zweier neuer Omikron-Untervarianten begonnen hat: BA.4 und BA.5. Es ist noch nicht klar, ob sie leichter übertragbar sind oder sich Impfstoffen entziehen können.<BR /><BR /><b>„Waffen werden in Hinblick auf den Herbst geschärft“</b><BR /><BR />Was im Herbst sein wird, könne man also noch nicht zu 100 Prozent vorhersehen, allerdings bereite man sich bereits intensiv vor, so Franzoni. „Auch wenn ich mit der momentanen Situation in Südtirol sehr zufrieden bin, die Waffen werden in Hinblick auf den Herbst geschärft, denn die Bedrohung durch das SarsCoV2-Virus könnte dann wieder massiver auftauchen.“<BR /><BR /> Fast sicher sei, dass die Bevölkerung ab einem Alter von 50 oder 60 Jahren mit einem 2. Booster geimpft werden wird. Hier werden die neuen angepassten „Antivarianten“-Impfstoffe zur Anwendung kommen. Diese werden derzeit untersucht, dürften bis Mai in Phase 3 eintreten und bis zum Sommer in die Bewertung der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) eingehen. <BR /><BR />Große Hoffnung setzt Dr. Patrick Franzoni neben den erwarteten angepassten Impfstoffen auch in die Entwicklung eines Kombi-Impfstoffes gegen das Grippevirus und das Coronavirus, an dem Moderna gerade forscht. „Das wäre eine ungemeine Erleichterung – gerade für ältere Personen!“ <BR /><BR />Allerdings betont Dr. Patrick Franzoni auch, dass man bei Immungeschwächten und allen Heimbewohnern keineswegs auf die neuen Impfstoffe warten sollte, sondern so schnell wie möglich die 4. Impfung mit den vorhandenen Impfstoffen geben sollte. <BR /><BR />