Frauen in Sozialgenossenschaften und ihre Dienste sind in der öffentlichen Wahrnehmung wenig präsent. Dabei ermöglichen gerade diese Tätigkeiten eine familienfreundliche Beschäftigung.<BR /><BR />In Südtirol gibt es ungefähr 250 Sozialgenossenschaften, 35 sind dem Raiffeisenverband Südtirol angeschlossen. Grund genug für den Interessensverband, anlässlich des Tags der Frau ein Medienfrühstück zu organisieren. „In unseren Sozialgenossenschaften sind über 1000 Menschen beschäftigt, davon sind etwa 90 Prozent Frauen“, erklärte Tanner. <BR /><BR />Ganz anders sieht es da in anderen Sektoren aus: „In Obst-, Wein- oder Sennereigenossenschaften geht es langsam voran. Es gibt wenig Frauen in Führungspositionen“, weiß Paulina Schwarz, die als erste Frau in den Verwaltungsrat des Raiffeisenverbandes gewählt worden war. In den Raiffeisenkassen seien über 30 Prozent der Gremien von Frauen besetzt. Laut Schwarz wurde viel unternommen, um Frauen zu ermutigen und zu fördern. Ein großer Schritt nach vorn habe letztendlich aber ein Gesetz gebracht, das eine Frauenquote in Verwaltungs- und Aufsichtsräten einführte.<h3> Einblicke in die Arbeit</h3>Von ihren praktischen Erfahrungen erzählten die beiden Geschäftsführerinnen Ursula Thaler (Sozialgenossenschaft humanitas24) und Petra Bisaglia (Sozialgenossenschaft Coccinella). „Bei uns arbeiten fast nur Frauen“, sagte Bisaglia. Männer würden mehr im Kinder- und Jugendbereich tätig sein, nur wenige im Kleinkinderbereich. Sie hofft nun, dass das Berufsbild eine Aufwertung finden wird, auch aufgrund einer Lohnerhöhung, die man vor kurzem erreicht habe. <BR /><BR />Bei „humanitas24“ hingegen werden ältere Menschen betreut. „Die Pflegearbeit ist sehr weiblich besetzt, wir versuchen Familien zu entlasten und damit auch Freiräume für Frauen zu schaffen“, erklärte Thaler. <BR /><BR />Die IARTS Genossenschaft hingegen setzt auf die zweisprachige Weiterbildung im sanitären und psychosozialen Bereich in Südtirol. „Wir sind ein Ort zum Vernetzwerken“, sagte IARTS-Präsidentin Sabine Cagol. Moderiert wurde das Medienfrühstück von Irene Schlechtleitner (Genossenschaftskommunikation). <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1004330_image" /></div> <b><BR />3 Fragen an Christian Tanner, Vizedirektor des Raiffeisenverbandes Südtirol und Bereichsleiter für Soziales und Bildung im Verband</b><BR /><BR /><b>Warum hat sich der Raiffeisenverband dazu entschlossen, diese Veranstaltung zu organisieren?</b><BR /><KeinAbsatz></KeinAbsatz>Christian Tanner: Zunächst war die Frage: Warum machen wir das am Tag der Frau? Es gibt noch 364 Tage im Jahr, wo Gleichstellung ein Thema sein sollte. Wir wollen mit der Veranstaltung Frauen und ihrer Arbeit mehr Sichtbarkeit verschaffen. Der Bereich der Sozialgenossenschaften ist ein Sektor, wo man merkt, dass Frauen sich etwas zutrauen.<BR /><BR /><b>Warum?</b><BR />Tanner: 35 Sozialgenossenschaften sind dem Raiffeisenverband angeschlossen. 90 Prozent der dort Beschäftigten sind Frauen, 60 Prozent davon arbeiten in Teilzeit. In diesem Sektor gibt es also die Möglichkeit, Beruf und Familie zu vereinbaren. 56 Prozent der Verwaltungsräte sowie 50 Prozent der Obleute bei den Sozialgenossenschaften sind Frauen. <BR /><BR /><b>Der soziale Bereich wird immer noch mehr den Frauen zugeschrieben...</b><BR />Tanner: Auch, aber nicht nur. Ich denke, dass die Rahmenbedingungen, die hohe Frauenbeschäftigung in den Sozialgenossenschaften erklären. In anderen Sektoren ist vielfach das klassische Rollenbild ausgeprägt. Es gibt auch das Vorurteil „Soziales mit Frauen, technischer Beruf mit Männern“. Das traditionelle Rollenverständnis ist hierzulande noch sehr dominant. Daran gibt es noch viel zu arbeiten.