<b>Jeden dritten Tag verliert in Italien eine Frau ihr Leben, weil sie Frau ist. Warum bekommt man das trotz aller Bemühungen nicht in den Griff?</b><BR />Julia Unterberger: Weil in unserer Gesellschaft noch immer patriarchale Muster vorherrschen. Die Frau wird als Besitz des Mannes und als Sexualobjekt wahrgenommen, statt als Partnerin auf Augenhöhe. Dieses Frauenbild ist der Nährboden für Femizide. Denn die kommen nicht aus dem Nichts. Befeuert wird dies von der Werbung, von Influencern, im Netz. Deswegen muss man auch hier ansetzen ...<BR /><BR /><b>...mit strengeren Regeln im Netz?</b><BR />Unterberger: Ja, unbedingt. Dabei muss man im Netz zwischen zwei Phänomenen unterscheiden. Das eine ist der Frauenhass. Auf einschlägigen Seiten wird von „Tastaturkriegern“ regelrecht gegen Frauen gehetzt. Und das ist derzeit nicht strafbar, jedenfalls nicht, wenn es nicht gegen eine einzelne Frau gerichtet ist, wie jüngst etwa gegen die Meraner Bürgermeisterin Katharina Zeller oder die Grüne Abgeordnete Brigitte Foppa. <BR /><BR /><b>Sie wollen das ändern?</b><BR />Unterberger: Ich habe einen Gesetzentwurf eingebracht, übrigens mitunterzeichnet von 76 Senatorinnen, der das Propagieren von Ideen unter Strafe stellt, die auf der Überlegenheit oder dem Hass gegenüber einem Geschlecht beruhen, zu Diskriminierung aus Gründen des Geschlechts oder zu geschlechtsspezifischer Gewalt auffordern oder Sexual- und geschlechtsspezifische Straftaten verharmlosen. Und das mit einer höheren Strafe, wenn dies digital erfolgt.<BR /><BR /><b>Und das zweite Phänomen?</b><BR />Unterberger: Gerade in jüngster Zeit sind extrem sexistische Internetseiten aufgetaucht, auf denen beispielsweise mittels KI von jeder echten Frau pornografisches Fake-Material produziert werden konnte. Seit diesem September sind auch solche Deep-fakes ein eigener Straftatbestand. Doch nun müsste der Gesetzgeber aus meiner Sicht den Weg auch zu Ende gehen.<BR /><BR /><b>Inwiefern?</b><BR />Unterberger: Wir brauchen vor allem ein Gesetz zur digitalen Identität, das in bestimmten Fällen die Anonymität im Internet einschränkt und es ermöglicht, die Täter solcher Straftaten sofort zu identifizieren und zu bestrafen.<BR /><BR /><b>Wie sollte das konkret aussehen?</b><BR />Unterberger: Etwa über dritte Unternehmen, sogenannte. „Identity Provider“. Die italienische Kommunikations- und Medienaufsichtsbehörde AGCOM hat dies aktuell für eine effektive Alterskontrolle für den Zugang zu 48 pornografischen Websites eingeführt. Solche „Provider“ könnten die Identität eines Nutzers prüfen und speichern, auf der Plattform wäre der Nutzer weiter anonym.