Mittwoch, 20. Januar 2021

Freie Zufahrt auf die Seiser Alm – Colli: „Uns sind die Hände gebunden“

Eigentlich hätte am 18. Januar gemeinsam mit allen anderen Aufstiegsanlagen auch die Umlaufbahn auf die Seiser Alm wieder ihren Betrieb aufnehmen sollen. Eigentlich. Denn ein Dekret am Freitag schob der Öffnung der Seilbahnen und Skigebiete – und damit auch der Umlaufbahn – erneut einen Riegel vor. Jetzt soll ein Notfallplan zur Erreichbarkeit der Seiser Alm erstellt werden.

Herrlich verschneit und fast menschenleer: Die Seiser Alm erlebt einen ruhigen Winter.
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Herrlich verschneit und fast menschenleer: Die Seiser Alm erlebt einen ruhigen Winter. - Foto: © vs
Europas größte Hochalm ist nicht nur bei Touristen beliebt: Auch Herr und Frau Südtirol flanieren in diesen Tagen gerne durch die Winterlandschaft der Seiser Alm, um dem Corona-Alltag zu entfliehen und frische Luft zu schnappen.

Jedoch: Leichter gesagt als getan. Denn obwohl die Umlaufbahn stillsteht, ist auch die Straße auf die Seiser Alm nach kurzer Öffnung im Dezember wieder zwischen 9 und 17 Uhr für den Verkehr gesperrt.

Ein Fakt, der unter anderem bei der Freien Liste Kastelruth für Unmut sorgt. Sie hatte in einer Petition 520 Unterschriften gesammelt, um die Straße auf die Alm länger geöffnet zu lassen.

„Grundsätzlich ist festzuhalten, dass es uns nicht darum geht, die Straße für den uneingeschränkten Individualverkehr freizugeben“, schrieb die Liste in einem offenen Brief, der unter anderem an den Kastelruther Bürgermeister Andreas Colli adressiert war. „Es geht darum, eine vorübergehende Regelung des Zugangs zur Seiser Alm für die kommenden 3 Monate zu treffen, die dem Anliegen der Bürger, die Seiser Alm zu Freizeit- und Sportzwecken zu besuchen, gerecht wird.“

Ein Anliegen, das auch Colli nachvollziehen kann. Aber: „Uns sind derzeit leider die Hände gebunden“, erklärt Kastelruths Bürgermeister im Gespräch mit STOL.


Bereits vor 3 Wochen habe man gemeinsam mit den zuständigen Landesämtern im Rahmen einer Videokonferenz nach Möglichkeiten gesucht.

Am Freitag vergangener Woche dann erneut die Enttäuschung: Keine Öffnung der Aufstiegsanlagen am Montag, 18. Jänner, auch nicht auf die Seiser Alm.

„Wir haben versucht, kurzfristig zu reagieren“, so Colli. So habe man die Busfahrten vom Parkplatz der Talstation der Umlaufbahn auf die Alm erhöht, „was auch ganz gut funktioniert hat“, obwohl die Busse nur zu 50 Prozent belegt werden dürfen.

Lediglich die letzte Talfahrt entpuppte sich wieder als problematisch: „Es ist vorgekommen, dass viele Leute den letzten Bus zur Talstation abgewartet hatten. Und die konnte man halt auch nicht auf der Alm lassen.“

Besprechung am Freitag

Eine langfristige Lösung sei der Busdienst nicht: „Als ich am Freitag die Nachricht erhalten habe, dass die Umlaufbahn nicht öffnen kann, habe ich umgehend Landeshauptmann Arno Kompatscher angerufen und um eine Besprechung gebeten. Uns sind nämlich gesetzlich die Hände gebunden – weil die Seiser Alm ein Landschaftsschutzgebiet ist. Wir können nicht einfach tun, was wir wollen.“

Die gewünschte Besprechung findet voraussichtlich am Freitag statt, unter anderem mit der Landesrätin für Landschaftsschutz Maria Hochgruber Kuenzer, den Förstern sowie der Gemeinde Kastelruth: „Dann werden wir gemeinsam eine Lösung suchen.“

„Unser Wunsch wäre es, trotz Conte-Dekret eine Erlaubnis zur Öffnung der Aufstiegsanlagen zu erhalten“, erklärt Colli. Und das nicht nur für die Umlaufbahn in Seis, sondern auch für jene in St. Ulrich: „Wenn wir alle Leute zwingen, über eine einzige Bahn auf die Alm zu gelangen, dann schaffen wir eher eine neue Gefahrenzone, als dass wir ein Problem lösen. Deshalb sollten beide Bahnen öffnen dürfen, damit sich die Besucher aufteilen können.“

In der Zwischenzeit teilt Colli den Vorschlag der Freien Liste, die Straße auf die Alm auch nach 9 Uhr geöffnet zu halten, bis die Parkplätze „Compatsch“ und „Spitzbühl“ auf der Alm voll belegt sind. „Hier könnten wir flexibler sein. Auf den beiden großen Parkplätzen gibt es Platz für rund 400 Pkw.“

Natürlich solle es nicht zur „Überflutung“ der Alm kommen, immerhin handle es sich um ein Landschaftsschutzgebiet. Aber es gebe durchaus die Bereitschaft, eine zwischenzeitliche Lösung zu finden.


Immerhin: „An Spitzentagen vor Corona haben wir 13.000 bis 14.000 Menschen auf der Alm gezählt. Und das war nie ein Problem. Wenn man nun von 400 Pkw mit jeweils 2 bis 3 Insassen ausgeht, dann sprechen wir von 2000 bis 2500 Menschen, die sich auf der Alm verteilten. Da kann es gut sein, dass man die anderen Spaziergänger nicht einmal sieht“, schließt Colli.

liz