Sonntag, 26. Juni 2016

Freigang für Verurteilten in Mordfall Kercher

Im nie aufgeklärten Mordfall der britischen Austauschstudentin Meredith Kercher in Italien ist Rudy Guede, der einzig rechtskräftig Verurteilte, am Wochenende vorübergehend aus dem Gefängnis gekommen.

Foto: © APA/EPA

Der Freigang des inzwischen 29-Jährigen, der stets seine Unschuld beteuert hatte, sollte 36 Stunden dauern und am Sonntagabend enden, wie die Nachrichtenagentur Ansa berichtete.

Rudy Guede verbüßt in Viterbo nördlich von Rom eine Haftstrafe von 16 Jahren. Seinerzeit war er auf der Flucht in Deutschland gefasst und später in Italien in einem Schnellverfahren wegen Beihilfe zum Mord an der damals 21-jährigen Britin verurteilt worden.

Die Austauschstudentin wurde im November 2007 in Perugia ermordet. Die Suche nach Täter und Motiv entwickelte sich zu einer jahrelangen Justiz-Saga, blieb aber am Ende erfolglos. Kerchers damalige Mitbewohnerin, die US-Amerikanerin Amanda Knox, und ihr Ex-Freund Raffaele Sollecito waren von Beginn an unter Verdacht geraten und festgenommen worden, hatten ihre Schuld aber stets bestritten.

Beide wurden 2009 zu langen Haftstrafen verurteilt, 2011 jedoch freigesprochen. Knox – wegen ihres Aussehens „Engel mit den Eisaugen“ genannt – kehrte in die USA zurück. Der Fall ging durch weitere Instanzen, Knox und Sollecito wurden erneut verurteilt, das oberste Gericht Italiens sprach sie dann im März 2015 aber endgültig frei.

In Guedes Fall, der am Samstag auf freien Fuß kam und sich laut Ansa nicht völlig frei bewegen durfte, waren sich die Ermittler einig, dass er nicht alleine gehandelt haben konnte. Nach dem Freispruch von Knox und Sollecito hatte auch er angekündigt, einen neuen Prozess anstreben zu wollen.

Das ist aber schwierig. Denn er war im Schnellverfahren verurteilt worden, das keine weitere Berufung mehr zulässt. Während seines Freigangs wurde er von Unterstützern betreut. Sein Anwalt sieht nun „einen wichtigen Moment der Anerkennung“, wie Ansa weiter berichtete.

apa

stol