Physisch sind die vier Bandmitglieder nicht präsent, genannt werden sie trotzdem, seither wird im Netz heftig diskutiert, die Band selbst nimmt nur einen Tag später auf ihrer Homepage zur Kritik offiziell Stellung.Bei Günther Jauch geht es in seiner gleichnamigen Sendung um das Zwickauer Neonazi-Trio und die Frage, wie dieses jahrelang unentdeckt mordend durch Deutschland ziehen konnte.Es geht aber auch darum, wie groß die Neonazi-Gefahr in Deutschland heute noch ist und ob die braune Gefahr von rechts unterschätzt wird.Die prominenten Gäste: Hans-Peter Friedrich, deutscher Innenminister, Cem Özdemir, Parteivorsitzender der deutschen Grünen, Mely Kiyak, deutsche Schriftstellerin und Journalistin, die unter anderem für die Frankfurter Rundschau schreibt und Thomas Kuban, ein verdeckt in der rechtsradikalen Szene ermittelnder Journalist, der nur maskiert zu öffentlichen Auftritten geht, um nicht erkannt zu werden.Kuban behauptet: „Frei.Wild“ spielt „Neonazi-Musik“Kuban warnt vor der Gefahr, die von (klassischen) Rechtsrock-Bands ausgeht, da sie Verbreiter rechtsradikalen Gedankengutes seien, und nennt dabei explizit die Südtiroler Band „Frei.Wild“.Sie stellt für ihn ein „neues Phänomen“ dar, die „Neonazi-Musik“ spielt.Kuban wörtlich: „Es gibt noch ein ganz neues Phänomen: Das ist die Band ‚Frei.Wild‘. Das ist eine Deutsch-Rockband aus Norditalien, die schon seit Jahren nationalistische, völkische Texte macht (…), jetzt hat sie eine neue CD herausgebracht und bewegt sich damit klar in klassischen Rechts-Rock-Gefilden. Sie arbeitet mit Anspielungen, wie sie in der klassischen Nazi-Szene auch verwendet werden: antisemitischer Natur, geschichtsrevisionistischer Natur. Sie haben beispielsweise ein Lied gegen Gutmenschen und Moralapostel, in dem sie ausdrücklich sagen, sie hassen die wie die Pest. Und jetzt muss man fragen: Was macht Neonazi-Musik aus? Ganz wesentlich ist der Nationalismus, ganz wesentlich ist der Hass gegen Andersdenkende. ‚Frei.Wild‘ hat das beides im Programm und tritt ab nächster Woche in Großstadthallen auf.“Heftige Kritik und Stellungnahmen im NetzBereits während der Sendung wird im Netz heftig diskutiert. Auf dem Facebook-Profil von Günther Jauch werden er und seine Gäste hart angegriffen – teilweise mit Äußerungen unter der verbalen Gürtellinie.Auf der Facebook-Seite von „Frei.Wild“ wird die Band von ihren Fans verteidigt, der Vorwurf der Rechts-Rockband lautstark zurückgewiesen. Außerdem wird die Band aufgefordert, sich öffentlich zu der Kritik in der Jauch-Sendung zu äußern.„Frei.Wild“ nimmt StellungSie tut es: Einen Tag später stellt „Frei.Wild“ eine Stellungnahme auf ihrer Homepage online.STOL veröffentlicht Auszüge davon.Unter anderem schreibt die Südtiroler Band: „Es geht Kuban im Kern seines Anliegens darum zu beweisen, dass die rechte Szene im Musikbereich in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist und eine massive Bedrohung für die Demokratie darstellt“.Zum Beleg seiner Thesen ziehe Kuban auch Textfragmente des neuen „Frei.Wild“-Albums „Feinde deiner Feinde“ heran, „die belegen sollen, die Band sei Botschafter eines neuen ‚völkischen Nationalismus‘. ‚Frei.Wild‘ ist ein dankbares Ziel für Kuban, da die Band erfolgreich und bekannt ist“, heißt es weiter.Und: „Kubans Vorwürfe und Behauptungen treffen jedoch nicht zu. (…) Die Band, und insbesondere auch der Texter und Sänger der Band ‚Frei.Wild‘, Philipp Burger, haben sich eindeutig von rechten und vor allem von Nazi-Umfeldern distanziert. Insbesondere kann die Band ‚Frei.Wild‘ seit ihrer Gründung auf viele Aktionen, Statements, Texte in Songs oder beispielsweise Ansagen gegen rechts auf Konzerten verweisen, die von Kuban völlig außer Acht gelassen wurden“.„Frei.Wild“ spricht von einem „Skandal“Bei dem von Kuban zitierten Liedtext „Gutmenschen und Moralapostel“ gehe es um „scheinheilige Menschen, die anders handeln als sie öffentlich sprechen. Hierzu gehören nicht nur ‚schwarze Schafe‘ in Institutionen wie Kirche und Politik, sondern auch Menschen wie Kuban“, verteidigt sich die Band.Kuban wolle sich seine Geschichte schlicht und einfach mit Unwahrheiten zurechtbiegen. „Ein Skandal, dass dies in einer Sendung in einem öffentlich-rechtlichen Sender wie der ARD geschehen darf“, kritisieren die Band-Mitglieder, die am Ende der Stellungnahmenamentlich zeichnen.Konzert am 1. November in Dortmund: Die Polizei ist dabei„Wir sind weder rechts, noch sind wir Nazis“, sagt „Frei.Wild“. Bandleader Philipp Burger distanziert sich schon seit Jahren von seiner politischen Vergangenheit.Kritiker sehen in „Frei.Wild“ eine Gefahr, die politische Distanzierung sei nicht (ausreichend) gegeben, die renommierte Wochenzeitung „Die Zeit“ bezeichnete die Band als „neue Reichskapelle“.Die Diskussion über „Frei.Wild“ ist und bleibt kontrovers, ihre Texte bleiben umstritten. Fakt ist: Die vier Band-Mitglieder stürmen derzeit Deutschlands Hallen und klettern in den deutschen Charts mit ihrem neuen Album wieder ganz nach oben.Am 1. November treten sie in Dortmund auf. Die Polizei hat bereits angekündigt, die Band und ihre Fans „im Blick“ zu behalten.Johanna Gasser