Dienstag, 26. Januar 2016

Freiwilligenarbeit für Flüchtlinge: Was wirklich Sache ist

Die Idee ist wahrlich nicht schlecht. Flüchtlinge, die auf ihr Asylverfahren warten, sollen bereits während der Wartezeit arbeiten (dürfen). Dazu hat das Innenministerium die "Freiwilligenarbeit" initiiert. In Südtirol findet das Programm allerdings nur in Bozen und Wiesen-Pfitsch Anwendung, denn es scheitert "am Kleingedruckten".

Nicht nur herumsitzen und warten: Viele Asylbewerber möchten etwas tun. Rein rechtlich wäre das möglich, die Umsetzung aber ist schwierig.
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Nicht nur herumsitzen und warten: Viele Asylbewerber möchten etwas tun. Rein rechtlich wäre das möglich, die Umsetzung aber ist schwierig.

Derzeit gibt es in Südtirol 14 Strukturen für die Unterbringung der rund 900 Asylantragsteller. Dort harren sie der Tage, bis eine Kommission über "Gehen müssen" oder "Bleiben dürfen" entscheidet. 

Damit die Zeit des Wartens zumindest einigermaßen sinnvoll genutzt wird, kam im Innenministerium 2014 die Idee zur "Freiwilligenarbeit" auf - sprich, dass Flüchtlinge einer freiwilligen und unentgeltlichen Arbeit nachgehen dürfen - und auch sollen. 

Umgesetzt nur in Bozen und Wiesen-Pfitsch 

"Das ist derzeit nur in Wiesen-Pfitsch und Bozen der Fall", sagt Caritas-Mitarbeiter Luigi Gallo auf Nachfrage von STOL. In der Wipptaler Gemeinde würden mit Hilfe der Flüchtlinge kleine Instandhaltungsarbeiten vorgenommen, in Bozen besteht die Möglichkeit, sich bei der Stadtgärtnerei an Arbeiten zu beteiligen. 

Doch damit hat sich die freiwillige Arbeit im Land auch schon. Der Caritas-Mitarbeite weiß, warum man sich in der Sache überaus schwer tut. 

Versicherung für die Flüchtlinge ist der Haken

"Die Richtlinie des Ministeriums ist nur eine Art Leitfaden, sie wurde vom Regierungskommissariat und dem Land auch bei uns übernommen und unterzeichnet", so Gallo. Der Teufel stecke aber im Detail. 

Denn der so genannte Arbeitgeber, sprich Gemeinde oder eine Gesellschaft, müsse laut Gesetz einerseits eine Versicherung für die Flüchtlinge abschließen und andererseits die notwendigen Ausbildungsmaßnahmen - etwa in Bezug auf Arbeitssicherheit - gewährleisten. 

"Bei den meisten scheitert es an der Versicherung. Das hat das Projekt ziemlich gebremst", so Gallo.

Interesse wär da - Umsetzung ist schwierig 

So ist das Protokoll zur Freiwilligenarbeit etwa in Meran bereits vor Längerem von Gemeinde und Bezirksgemeinschaft unterschrieben worden (STOL hat berichtet), man sucht aber weiter nach einer geeigneten Umsetzung. Auch die Bezirksgemeinschaften Pustertal und Vinschgau sowie die Gemeinde Brixen hätten Interesse angemeldet. Doch jeder müsse selber sehen, wie die Auflagen erfüllt werden können.

Quelle: Asyl und Flüchtlinge in Südtirol - Provinz Bozen

"Manche Gemeinden haben bereits freiwillige Helfer und dementsprechend auch die Möglichkeit einer Versicherung, die sie nutzen können - wie etwa in Wiesen-Pfitsch. In Bozen wurden die Flüchtlinge über die Betreibergesellschaft der Stadtgärtnerei versichert", so Gallo. 

Bleiben noch Meran, Mals, Tisens, Eppan, Kastelruth, Vintl, Brixen, Bruneck und St. Ulrich.

Dürfen nach zwei Monaten Aufenthalt schon arbeiten

Was eine Beschäftigung der Asylantragsteller - in der Theorie - noch einfacher machen sollte, ist das Gesetz von Oktober 2015. Es erlaubt Flüchtlingen, im dritten Monat nach Antragstellung offiziell einer Arbeit nachzugehen. 

"Das heißt: Es ist nicht wie früher, dass sie nicht arbeiten dürfen. Gesetzlich ist das schon erlaubt, aber in der Realität schwer umzusetzen", weiß Gallo. Auch für potentielle Arbeitgeber sei es ein Wagnis, da man zu der Zeit nicht wisse, ob der Arbeitnehmer überhaupt im Land bleiben dürfe. 

"Daher legen wir unser Augenmerk auf deren Ausbildung, etwa in Form von Sprachkursen", so Gallo. Damit soll dann zumindest jenen der Einstieg in die Arbeitswelt erleichtert werden, die im Land bleiben dürfen. 

stol/ker

stol