Sonntag, 01. Oktober 2017

Friedensnobelpreis an Mogherini?

Am Montag beginnt die diesjährige Nobelpreissaison, deren Höhepunkt die Verkündung des Friedensnobelpreisträgers am Freitag ist. Sie steht in diesem Jahr ganz im Zeichen der Sorge um die Atomprogramme in Nordkorea und dem Iran und der damit verbundenen wachsenden internationalen Spannungen.

Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini und der iranische Außenminister Mohammed Jawad Zarif zählen zu den Favoriten auf den diesjährigen Friedensnobelpreis
Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini und der iranische Außenminister Mohammed Jawad Zarif zählen zu den Favoriten auf den diesjährigen Friedensnobelpreis - Foto: © LaPresse

Der Schwede Alfred Nobel (1833-1896), der unter anderem das Dynamit erfand, hatte sein Vermögen einer Stiftung vermacht – mit dem Auftrag, Menschen auszuzeichnen, „die im vergangenen Jahr der Menschheit die größten Dienste erwiesen haben“. Erstmals verliehen wurden die Preise im Jahr 1901.

Die Kandidatenlisten sind streng geheim, umso mehr blühen jedes Jahr die Spekulationen über die Entscheidung des Nobelkomitees. Für den Friedensnobelpreis – im vergangenen Jahr erhielt ihn der kolumbianische Präsident Juan Manuel Santos für seine Friedensbemühungen im Konflikt mit der FARC-Guerilla – gab es 2017 insgesamt 318 Nominierungen.

Klare Favoriten gibt es nicht. In Betracht kämen allerdings die beiden Architekten des Atomabkommens mit dem Iran, die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini und der iranische Außenminister Mohammed Jawad Zarif. Angesichts der aktuellen Spannungen mit Nordkorea sei es „sehr wichtig, Initiativen zu unterstützen, die sich gegen die Entwicklung und Weiterverbreitung von Atomwaffen einsetzen“, glaubt Henrik Urdal vom Friedensforschungsinstitut in Oslo.

Das Abkommen mit dem Iran war Anfang 2016 nach jahrelangen Verhandlungen in Kraft getreten. Es verpflichtet Teheran, seine Urananreicherung drastisch zurückzufahren und verschärfte internationale Kontrollen zuzulassen. Im Gegenzug sollen die gegen das Land verhängten Strafmaßnahmen schrittweise aufgehoben werden. Aktuell ist das Schicksal des Abkommens ungewiss – US-Präsident Donald Trump hat mit seiner Aufkündigung gedroht.

Als weitere Anwärter für den Friedenspreis gelten die syrischen Weißhelme, der kongolesische Arzt Denis Mukwege, der inhaftierte saudi-arabische Blogger und Menschenrechtler Raif Badawi und Edward Snowden, der geheime Überwachungsprogramme des US-Geheimdienstes NSA an Medien weitergab. Vorgeschlagen wurden auch der in Deutschland im Exil lebende türkische Journalist Can Dündar und die einst von ihm geleitete Zeitung „Cumhuriyet“.

apa/afp

stol