„Gerade in diesem Wachstumsstadium reagieren die Bäume besonders empfindlich auf plötzliche Kälteeinbrüche. Eine verfrühte Blüte bringt damit eine erhöhte Gefahr für Frostschäden“, weiß Walter Guerra, Pomologe und Leiter des Instituts für Obst und Weinbau am Versuchszentrum Laimburg. Tritt nächtlicher Frost ein, können die Blüten durch die Kälte verbrennen und absterben, was zu massiven Schäden und Ernteausfällen führen kann. Abhilfe schafft hier vor allem die Frostberegnung – eine Methode, die gleichermaßen wirksam wie aufwendig für Südtirols Bauern ist. Zwar sei die Anzahl der Frostnächte grundsätzlich rückläufig, durch die verfrühte Blüte sei das Risiko für Frostschäden jedoch deutlich höher. „Somit ergibt sich wieder dieselbe Gefahr für Ernteausfälle, wenn nicht sogar eine höhere als noch vor 50 Jahren“, so Guerra.<h3> Wachstum schreitet rasch voran</h3>Ein Blick auf die aktuelle Entwicklung im ganzen Land zeigt: Besonders in der Talsohle stehen die Bäume schon in voller Blütenpracht, doch auch in Regionen, wie beispielsweise dem Vinschgau, dürfte das Wachstum aufgrund der hohen Temperaturen rasch voranschreiten. „Wann ein Obstbaum zu blühen beginnt, hängt neben den Temperaturen und Witterungsbedingungen aber auch von der Höhenlage, dem Standort und der jeweiligen Apfelsorte ab“, weiß der Pomologe.<BR />Noch bis zu den Eisheiligen, die auf den Zeitraum 11. bis 15. Mai fallen, heißt es daher für Obstbauern im ganzen Land: wachsam bleiben und Temperaturentwicklungen genau im Blick behalten. „Gerade jetzt befinden wir uns aufgrund der Vollblüte in der Talsohle in der sensibelsten Phase“, gibt Guerra zu bedenken. Zu einem späteren Stadium wirke sich Frost weniger stark auf den Ertrag aus.<h3> Vermehrter Bienenflug beeinflusst Bestäubung</h3>Die Natur reagiert auf die Temperaturumschwünge der vergangenen Woche auch mit einer erhöhten Aktivität der Bestäuber: Wer am Wochenende im Freien unterwegs war, konnte mit großer Wahrscheinlichkeit einen besonders hohen Bienenflug beobachten. „Für die Bestäubung ist dieses Wetter verbunden mit der relativen Windstille der ideale Zeitpunkt, besonders für alle, die Bienenstöcke in oder rund um ihre Obstwiesen haben“, erklärt Guerra.<BR />Dass die Blüte tendenziell früher einsetzt als noch vor 50 Jahren, ist vor allem auf den Klimawandel und die damit verbundenen steigenden Temperaturen zurückzuführen. Prinzipiell sei eine rasche Blüte jedoch keine schlechte Voraussetzung für eine gute Qualität der Ernte, betont der Experte. Dennoch sei der Schutz der Blüte in diesen Tagen essenziell.<h3> 2012 und 2017 noch frühere Blüte</h3> Seit 1975, dem Jahr, in dem das Land- und Forstwirtschaftliche Versuchszentrum Laimburg gegründet wurde, wird der Blütezeitpunkt der Apfelsorte Golden Delicious systematisch erhoben. „Noch früher blühte es nur in den Jahren 2012 und 2017. Damals standen die Apfelbäume drei Tage früher, also am 3. April, in Vollblüte“, erinnert sich Guerra zurück. Der heurige Termin zur Vollblüte zählt dennoch definitiv zu den Top fünf der frühesten seit Beginn der Aufzeichnungen.