<BR />„Ich war in meiner Kindheit und Jugend selbst stark vom Stottern betroffen und erst während meines Studiums in Wien gelang es mir, mein Stottern zu bewältigen. In der Selbsthilfegruppe in Wien habe ich erfahren, wie hilfreich der Austausch unter Gleichgesinnten in einem geschützten Raum sein kann.“ Heute hält die Umweltingenieurin Gudrun Reden Vorträge an Schulen zum Thema Umweltbildung, leitet Naturerlebniswanderungen – und spricht mit Freude vor Gruppen. „Und heute bin ich dankbar, dieses Gespräch mit Ihnen/dir flüssig und ohne Hänger führen zu können“, scherzt die Gründerin der Südtiroler Initiative Stottern (SIS).<h3> „Selbsthilfegruppe keine Alternative, sondern Ergänzung zu Therapie“ </h3>Geprägt von ihrer Erfahrung in Wien fühlte sie sich nach ihrem Studium berufen, die erste Selbsthilfegruppe “Stottern für Betroffene“ in Südtirol ins Leben zu rufen und leitet diese seit über 20 Jahren. Bis dahin gab es lediglich eine Gruppe für Angehörige.<BR /><BR />„Die Selbsthilfegruppe ist keine Alternative, sondern eine wertvolle Ergänzung zur Therapie“, betont Reden. „Der Austausch unter Gleichgesinnten, das gemeinsame Ausprobieren von Sprechtechniken und das Einbauen von Entspannungsübungen sind enorm hilfreich.“<h3>„Meine Schwäche ist noch da“</h3>„Meine Schwäche ist noch da“, sagt Reden heute. Bedeutet das: Einmal Stotterer, immer Stotterer? „Ich habe gelernt, mit dieser Schwäche umzugehen. Bei Vorträgen, Wanderleitungen oder im Alltag spreche ich flüssig – aber hin und wieder kann ein kleiner Hänger schon mal vorkommen“, sagt sie lächelnd.<BR /><BR />Die positive Wirkung von Selbsthilfegruppen habe sie nicht nur selbst erlebt, sondern bei vielen anderen Betroffenen beobachtet. „Durch Übungen in der Gruppe, in einem geschützten Umfeld, fällt es leichter, den Mut zu finden, das Wort zu ergreifen. Ich habe dort beeindruckende persönliche Entwicklungen miterlebt – viele sind wie eine Blüte aufgegangen.“<h3> Stottern als Teil der Persönlichkeit annehmen</h3>Die Begegnung mit anderen sei auch deshalb wichtig, weil „Stotternde oft dazu neigen, sich in ihr Schneckenhaus zurückzuziehen und sogar ihre Berufswahl daran auszurichten“, weiß Reden. „Ich selbst entschied mich damals für eine technische Oberschule – dort war Sprechen weniger wichtig.“ Erst Jahre später, nach der Bewältigung ihres Stotterns, fand sie den Mut, regelmäßig vor Menschen zu sprechen und Vorträge zu halten.<BR /><BR />„Ein wesentlicher Aspekt der Selbsthilfegruppen ist, dass man gemeinsam lernt, das Stottern als Teil der eigenen Persönlichkeit anzunehmen“, erklärt Reden. „Alle Menschen haben Schwächen – wer sie akzeptiert, geht lockerer damit um und steht weniger unter Druck. Ich hätte mich als Persönlichkeit nie so weiterentwickeln können, wenn ich das Stottern nicht gehabt hätte. Dafür bin ich heute dankbar.“<h3> Selbsthilfeabende in Brixen </h3>Die Selbsthilfeabende finden einmal im Monat, jeweils am ersten Freitag, in Brixen statt. Für weitere Informationen zur Selbsthilfegruppe können sich Interessierte gerne unter <a href="mailto:gudrun.reden@naturgspiarn.it" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">gudrun.reden@naturgspiarn.it </a>melden.