Samstag, 09. Oktober 2021

Fuchs vermutet – Kuh getroffen

Vor gut 40 Jahren wurde am Penser Joch ein Pferd geschossen, ein Jäger hatte es im Dämmerlicht für einen Hirsch gehalten. Jetzt musste eine Kuh dran glauben. Sie wurde angeblich mit einem Fuchs verwechselt. Ein Jäger aus Auen hatte am Sonntag den Schuss abgegeben und ein falsches Ziel getroffen.

Das Wild „ansprechen“ heißt, es genau erkennen: Dies ist oberstes Gebot, bevor der Jäger schießt.
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Das Wild „ansprechen“ heißt, es genau erkennen: Dies ist oberstes Gebot, bevor der Jäger schießt. - Foto: © Toni Ebner
Im Sarntal ist die Jagd auf Füchse bis 15. Dezember erlaubt. Die Population ist sehr stark und richtet viele Schäden in den Hühnerställen an. Betroffen sind auch Wildtiere wie Junghasen und Bodenbrüter. Im Durchschnitt werden im Sarntal jährlich 100 Füchse entnommen. Erlaubt ist die Jagd auf den Fuchs – wie auf alle Wildtiere – von einer Stunde vor Sonnenaufgang bis eine Stunde nach Sonnenuntergang.

Ein höchst unangenehmes Ende nahm die Fuchsjagd am vergangenen Sonntag für einen Auener Jäger. Der vermeintliche Fuchs war eine trächtige Kalbin, die auf der Wiese des Nachbarhofs weidete. Es war schon Abend; der Jäger lag auf der Lauer, erspähte das Tier und drückte ab. Der Schuss traf ins Schwarze. Allerdings war der Schreck groß, als der Schütze sah, was er erlegt hatte.

„Das hat natürlich Konsequenzen“, sagt Paul Steiner, der kommissarische Verwalter des Jagdreviers Sarntal. Die anfallenden Schadensersatzzahlungen an den Eigentümer der Kuh dürften da wohl das kleinste Problem sein. Es sei bereits Anzeige erstattet worden und das Landesamt für Jagd und Fischerei befasse sich mit dem Fall.

Laut Mondkalender war der Sonnenuntergang am Sonntag um 18.44 Uhr. So war die Jagd – offiziell – bis 19.44 Uhr erlaubt. „Da ist es aber schon ziemlich dunkel“, sagt Benedikt Terzer, der Geschäftsführer im Südtiroler Jagdverband. Zu Verwechslungen sei es bei Rotwild in Nachbarländern ab und zu gekommen; dieses trete oft spät aus. Aber die Verwechslung eines Rindes mit einem Fuchs sei schon sehr problematisch.

„So etwas ist gravierend und darf einfach nicht passieren“, betont Terzer. Dieser Vorfall werfe nicht nur ein fragwürdiges Bild auf den Jäger, sondern auf die Jagd ganz allgemein. Es stelle sich die Frage der Sicherheit und der Prinzipien der Weidgerechtigkeit. Der Jäger müsse wissen, auf was er schießt.

„Wenn er nicht erkennt, was er vor dem Gewehr hat, dann muss der Finger gerade bleiben“, sagt Terzer. Jetzt liege der Fall bei den Behörden; es seien strafrechtliche Ermittlungen in Gange.

„Wer im Besitz eines Jagdgewehrscheins ist, darf sich nichts zu Schulden kommen lassen“, sagt Benedikt Terzer. Diesen Schein werde der Jäger wohl abgeben müssen – wie auch den Jagdschein.

br

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