Samstag, 12. September 2020

Für kleinen Abstrich zum Hausarzt

Der Sanitätsbetrieb wappnet sich gegen den Grippe-Herbst bzw. eine mögliche 2. Corona-Infektionswelle und sucht dafür den Schulterschluss mit den 300 Hausärzten.

Auch beim Hausarzt sollen künftig Corona-Abstriche gemacht werden können.
Badge Local
Auch beim Hausarzt sollen künftig Corona-Abstriche gemacht werden können. - Foto: © dpa-tmn / Karl-Josef Hildenbrand
Geplant ist, dass Hausärzte mit Anfang Oktober Antigen-Schnelltests vornehmen. Das Protokoll soll Mitte nächster Woche vorliegen. „Wir brauchen Verbündete, wenn schnell flächendeckend viele Menschen getestet werden müssen“, sagt Florian Zerzer, Generaldirektor des Sanitätsbetriebes.

Am Lehrer- und Kindergärtnerinnen-Screening hatten sich nur 28 der rund 300 Hausärzte beteiligt. „Wir möchten nun ein Paket für die Hausärzte schnüren, damit so viele wie möglich mitmachen“, sagt Günther Burger, Ressortchef von Gesundheitslandesrat Thomas Widmann. Die Teilnahme ist freiwillig und wird pro durchgeführtem Test eigens entlohnt und zwar – laut ersten Informationen – mit 35 bis 40 Euro je Test.

„Es gibt keine Aufwertung der Patientenbetreuung vor Ort ohne kleine Spitäler, Haus- und Kinderärzte sowie die Apotheker. In diesem Fall ist es sehr wichtig, dass wir die Hausärzte einbinden“, meint Gesundheitslandesrat Widmann.

Das Protokoll dazu soll Mitte nächster Woche den Hausärzte-Gewerkschaften vorgelegt werden. Diese Leitlinien sehen u.a. vor, dass Patienten, die beispielsweise leichtes Fieber haben oder gar asymptomatisch sind, zum Hausarzt zum kleinen Abstrich-Test kommen.



„Mit diesem kleinen Abstrich kann eine akute Infektion nachgewiesen werden. Das Ergebnis liegt dann innerhalb von 20 Minuten vor. Ist es negativ, könnte nach 2, 3 Tagen ein weiterer Test vorgenommen werden“, sagt der Tiroler Hausarzt Dr. Eugen Sleiter. „Ist der kleine Abstrich allerdings positiv, wird vom Hygienedienst ein normaler PCR-Test gemacht.“ Damit bekämen Patienten schneller Gewissheit und „bleiben daheim. Derzeit werden unsere Tests aus dem Burggrafenamt noch nach Zams geschickt, und bis das Ergebnis da ist, kann bis zu einer Woche vergehen“, so Dr. Sleiter.

Er hat u.a. mit Sanitätsdirektor Dr. Pierpaolo Bertoli, Dr. Isabella Mastrobuono, Dr. Paolo Conci, Dr. Elisabetta Pagani (alle 3 vom Sanitätsbetrieb) sowie von den Hausärzten mit Dr. Pietro Murali, Dr. Doris Gatterer, Dr. Simon Krapf und der Kinderbasisärztin Dr. Emanuela Pedevilla die Leitlinien ausgearbeitet. „Nach einem positiven Antigen-Schnelltest muss ein normaler Abstrich gemacht werden, weil mittels Schnelltest, der eine 90-prozentige Treffsicherheit hat, noch keine definitive Diagnose gestellt werden darf“, erklärt Dr. Pierpaolo Bertoli.

Durchtesten des Umfeldes eines Covid-19-Infizierten

Denkbar sei aber auch, dass künftig die Hausärzte das Durchtesten des Umfeldes eines Covid-19-Infizierten übernehmen. „Die Familie – ohne Symptome – kommt zu uns, wir testen sie durch und wissen dann, ob ein Kind zur Schule kann“, so Dr. Sleiter. Oder aber in den Altersheimen könnten so von den Heimärzten oder geschulten Krankenpflegern Screenings mit den Antigen-Schnelltest durchgeführt werden. „Denkbar ist auch ein Screening aller ,Badanti‘“, sagt Dr. Bertoli.

Die Leitlinien sehen weiters vor, dass sich ein Hausarzt die vom Sanitätsbetrieb empfohlenen Tests selbst besorgen kann oder aber vom Sanitätsbetrieb beliefert wird. „Es braucht die erste Schiene, weil wir uns die Tests schneller besorgen können und somit auch schneller mit dem Testen beginnen können“, sagt Dr. Sleiter. Wenn dann die vom Sanitätsbetrieb georderten 300.000 Antigen-Schnelltests da sind, könnten die Hausärzte über den Betrieb mit Tests versorgt werden.

Und wo soll getestet werden? „Da sehen die Leitlinien 4 Optionen vor. Erstens im praxiseigenen Wartesaal und außerhalb der Praxiszeiten, sofern die Praxis groß genug ist, zweitens durch ein Praxisfenster, sofern das Ambulatorium ebenerdig liegt. Drittens auf einem Parkplatz nahe der Praxis wie eine Drive-in-Station und viertens in Sprengelräumlichkeiten“, so Dr. Sleiter.

lu

Schlagwörter: