Mittwoch, 13. Januar 2016

Für mehr Impfungen: Prämie für Ärzte bleibt

Sollen Ärzte eine Prämie dafür erhalten, wenn sie sich für die Erhöhung der Impfquote einsetzen - sprich mehr informieren und mehr impfen? Im Landtag gab es am Mittwoch einen Vorstoß, die Prämie zu kippen, auch weil durch Geldanreize die Neutralität der Ärzte gefährde. Dennoch: Alles bleibt beim Alten.

Wenn eine Durchimpfungsrate von 75 Prozent erreicht wird, erhalten die Basisärzte eine Prämie.
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Wenn eine Durchimpfungsrate von 75 Prozent erreicht wird, erhalten die Basisärzte eine Prämie. - Foto: © shutterstock

"Die Landesverwaltung will die Impfquote bei der Grippeimpfung anheben. Um dieses Ziel zu erreichen, stellt sie den Basisärzten eine Prämie im Gesamtumfang von 289.000 Euro zur Verfügung", poltert  Andreas Pöder (BürgerUnion). Er hatte den Antrag zur Abschaffung der Prämie gestellt. 

Die folgende Diskussion zeigte, dass das Thema der Impfungen prinzipiell nicht unumstritten ist. 

Laut Pöder bedürfe es der Aufklärungs- und Sensibilisierungsarbeit über Vorteile und Risiken von Impfungen, jedoch keine Prämien für Hausärzte, damit diese die Patienten zum Impfen überreden. Selbst Mediziner seien sich bei Impfungen nicht einig.

Befangenheit des Arztes - Familie soll entscheiden

Die Prämie sei ein gravierender Eingriff in die Entscheidungsfreiheit des Arztes, meinte Brigitte Foppa (Grüne). Die Entscheidung müsse den Familien überlassen werden.

Auch für sie sei eine Prämie nicht nachvollziehbar, erklärte Maria Hochgruber Kuenzer (SVP). Basisärzte seien Vertrauensärzte, und wenn deren Entscheidung von einer Prämie abhänge, werde das Vertrauen beschädigt. Die Gesundheitspolitik sollte einen anderen Weg gehen, um ihre Ziele zu erreichen.

Auch Elena Artioli (Team Autonomie) kritisierte die Prämie. Die Impfung müsse unter die Entscheidungsfreiheit der Familie fallen.

Wenn es stimme, dass es eine solche Prämie gebe, sei das bedenklich, befand auch Myriam Atz Tammerle (Süd-Tiroler Freiheit). Eine Prämie nehme dem Arzt die Unbefangenheit.
Auch Walter Blaas (Freiheitliche) unterstützte den Antrag. Er kritisierte generell das Prämiensystem für Ärzte, es gefährde ihre Neutralität.

Teil der Prävention

Man sei sich einig, dass grundsätzlich mehr für die Prävention zu tun sei, erklärte Landesrätin Martha Stocker, und die WHO stufe die Impfung als Prävention ein. Angestrebt werde eine Durchimpfungsrate von 75 Prozent, wenngleich 95 Prozent wünschenswert seien.

Das Prämiensystem gebe es in vielen Bereichen. Allein an Grippe würden 40.000 Menschen jährlich frühzeitig sterben. Die Ärzte würden durch die Prämie nicht in Gewissenkonflikt kommen, es sei eine Abgeltung für eine Zusatzleistung, vor allem für die Information.

Prämie bei Impfrate von 75 Prozent

Der genannte Betrag werde nur ausgeschöpft, wenn eine Impfrate von 75 Prozent erreicht werde. In Südtirol sei die Durchimpfungsrate bei Grippe bei 36 Prozent, in Italien bei 48 Prozent.

Die Impfungsfrage sei zur Glaubensfrage geraten, bemerkte Andreas Pöder, wobei er sich nicht eindeutig dafür oder dagegen aussprechen wolle. Aber eine Prämie stelle die Neutralität des Arztes in Frage. Man müsse seinem Arzt vertrauen können.

Der Antrag "Keine Prämie für Basisärzte für die Erhöhung der Impfquotewurde - nach einer Beratung innerhalb der SVP-Fraktion - mit 13 Ja und 17 Nein abgelehnt.

stol/lpa/ker

stol