Seit 2004 ist Burgi Volgger die Volksanwältin im Land. Jährlich berichtet sie über ihre Tätigkeiten, darüber, mit welchen Beschwerden sich das Land in den vergangenen 365 Tagen an sie gewandt hat.Am Donnerstag hat sie ihren Tätigkeitsbericht für 2012 in Bozen vorgestellt.Eines der großen Sorgenkinder Volggers des vergangenen Jahres: die Armut im Land.„Dass sich die Menschen – aus finanziellen Gründen – die Zähne nicht mehr richten lassen können, das habe ich zuletzt in den 1960ern-70ern erlebt“, meint sie auf der Pressekonferenz.Die Zunahme der Beschwerden im Bereich der Sozialleistungen belaufe sich auf 36 Prozent, so Volgger. Waren 2011 noch 319 Beschwerden eingegangen, waren es im Vorjahr 433.„Verzweiflung ins Gesicht geschrieben“Volgger sieht die Armut wachsen, das Landesstatistikinstitut ASTAT gibt ihr Recht: In einer Studie aus dem Jahre 2010 hätten die Statistikexperten festgestellt, dass – ohne Sozialleistungen des Landes –jeder vierte Südtiroler Haushalt armutsgefährdet sei, heißt es im Tätigkeitsbericht der Volkanwältin.„Oft ist eine Familie finanziell grundlegend von einer Sozialleistung abhängig“, berichtet Volgger. „Wenn die Gelder dann gekürzt werden, kommen die Leute zu uns und erbitten die rechtliche Überprüfung. Die Verzweiflung steht ihnen ins Gesicht geschrieben.“„Erfahrung zählt dann gar nichts mehr“Die Hauptgruppe, die dann, nach der Kürzung einer Leistung, vor Volgger sitzt, sind die älteren Arbeitslosen.„Älter heißt dabei über 50“, präzisiert die Volksanwältin. Würden diese Menschen plötzlich arbeitslos werden, stünden sie komplett hilflos und ohne Aussicht auf Besserung da: „Sie finden einfach keine Arbeit mehr.“Denn junge Arbeitskräfte seien für den Markt bei weitem attraktiver: „Sie sind flexibler, kosten weniger und können besser Englisch“, umreißt Volgger die Lage. „Die mehrjährige Erfahrung zählt dann auf dem Arbeitsmarkt gar nichts mehr.“IMU: „Leute außer Rand und Band“Der dickste Beschwerde-Stapel des Jahres 2012 geht allerdings auf ein anderes Konto: Es ist jenes des Bereichs „Steuern und Abgaben“.„Dieser Bereich hat den meisten Zuwachs an Beschwerden erlebt“, so Volgger. Explizit sind es 41 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.Kennzeichnend dafür: „Das IMU-Problem“, meint Volgger.Die neue Immobiliensteuer habe eine regelrechte Revolution ausgelöst, so die Volksanwältin. „Die Leute waren außer Rand und Band. Zum Glück habe ich psychologisch geschulte Mitarbeiter.“Gar einige der 375 „Steuer und Abgaben“-Beschwerden seien auf das Thema IMU zurückzuführen, andere auch auf Müllgebühren und ähnliches.„Das Wipptal war am zufriedensten“Von rund 3000 Beschwerden im Jahr 2011 auf rund 3.400 in 2012.Auch in ihrer Gesamtzahl haben die Beschwerden an die Volksanwältin im vergangenen Jahr einen Zuwachs erlebt: „Wir haben ein Plus von 14 Prozent.“Am meisten hatten dabei die Bürger der Bezirke Bozen und Eisacktal zu beanstanden: Neun von 1000 Bürgern haben sich mit einem Problem an die Volksanwältin gewandt.„Am zufriedensten war das Wipptal“, berichtet Volgger. Hier haben drei Bürger auf 1000 den Rat der Volksanwältin gesucht.78 Prozent der Beschwerden enden „positiv“Und die Bilanz der Beratungen 2012? Recht positiv, meint Volgger.78 Prozent der Beschwerden habe man dann als „erfolgreich abgeschlossen“ ablegen können.„Das heißt keineswegs, dass die Verwaltung in diesen Fällen ungerecht gehandelt hat“, unterstreicht die Volksanwältin.„Es bedeutet aber, dass die Bürger unser Büro zufriedener verlassen haben. Dass sie verstanden haben, dass sie gerecht behandelt werden. Auch die Volksanwaltschaft kann die Gesetze nicht abändern.“pg