Eine routinemäßige Steuerprüfung hat im nördlichen Gardaseegebiet gravierende Unregelmäßigkeiten ans Licht gebracht: Eine im Bereich der Maschinenwartung und -sanierung tätige Gesellschaft soll insgesamt 127 Arbeitnehmer unrechtmäßig beschäftigt und dabei Abgaben in Millionenhöhe hinterzogen haben.<BR /><BR />Die Ermittlungen der Finanzpolizei von Riva del Garda, die im Februar gestartet wurden, zeichnen das Bild eines systematischen Vorgehens. Im Zentrum stehen nicht abgeführte Steuerabzüge und Sozialversicherungsbeiträge in Höhe von über einer Million Euro.<h3> Scheinabrechnungen statt regulärer Löhne</h3>Den Ermittlungen zufolge sollen Teile der Löhne gezielt als steuerfreie Spesenvergütungen deklariert worden sein. Tatsächlich handelte es sich laut Finanzpolizei jedoch um reguläre Gehaltsbestandteile.<BR />Weder konnte das Unternehmen entsprechende Belege für diese angeblichen Aufwandsentschädigungen vorlegen, noch bestätigten befragte Beschäftigte, dass sie tatsächlich Auslagen im Interesse der Firma getragen hätten.<BR /><BR />In Zusammenarbeit mit dem INPS Trient stellten die Ermittler fest, dass auf diese Weise Sozialabgaben systematisch umgangen wurden.<h3> 127 Beschäftigte betroffen</h3>Eine Auswertung des sogenannten „Libro Unico del Lavoro“ – der zentralen Arbeitsdokumentation – für den Zeitraum von 2021 bis 2025 brachte das volle Ausmaß ans Licht: Insgesamt 127 Arbeitnehmer sollen höhere Löhne erhalten haben, ohne dass die entsprechenden Steuer- und Beitragsabzüge vorgenommen wurden.<h3> Weitere schwere Verstöße</h3>Neben den arbeitsrechtlichen Verstößen entdeckte die Finanzpolizei zusätzliche Unregelmäßigkeiten: So soll das Unternehmen in einer Steuererklärung Einnahmen von null Euro angegeben haben – obwohl die Ermittler tatsächlich 1,8 Millionen Euro an Erlösen rekonstruierten.<BR />Auch bei der Mehrwertsteuer wurden gravierende Abweichungen festgestellt: Die hinterzogene Summe beläuft sich hier auf über 600.000 Euro.<h3> Firmenstruktur wirft Fragen auf</h3>Auffällig ist laut den Ermittlern zudem die interne Struktur des Unternehmens. Offiziell wurde die Firma von einer ausländischen Alleingeschäftsführerin geleitet.<BR /><BR />Die tatsächliche Kontrolle soll jedoch bei ihrem Ehemann gelegen haben, der laut Finanzpolizei die wirtschaftlichen und organisatorischen Entscheidungen traf. Die formelle Geschäftsführerin soll über zentrale Aspekte der Unternehmensführung nicht informiert gewesen sein.<h3> Verbindungen zu mehreren Branchen</h3>Das Unternehmen stand nach bisherigen Erkenntnissen in Geschäftsbeziehungen mit zahlreichen Betrieben – insbesondere in den Bereichen Anlagenbau, Maschinenbau, Elektrotechnik sowie Papierproduktion.<h3> Gesamtschaden von über 3,4 Millionen Euro</h3>In Summe beziffert die Finanzpolizei die festgestellten Unregelmäßigkeiten auf mehr als 3,4 Millionen Euro. Die Ermittlungen sind abgeschlossen, nun drohen dem Unternehmen und den Verantwortlichen erhebliche rechtliche Konsequenzen.