Mittwoch, 21. April 2021

Geburten in Zeiten von Corona: Bald wieder Folgebesuche für Väter möglich

Die Corona-Pandemie hat vieles verändert. Gewohnte Abläufe waren plötzlich nicht mehr möglich, nicht nur im sozialen und beruflichen Bereich, sondern vor allem auch im Gesundheitswesen. Auch die Geburtenstationen und die Neonatologie mussten sich auf einen Schlag reorganisieren, um die Geburt auch in Zeiten von Corona so familiär und menschlich als möglich zu gestalten – mit Erfolg. Ab Montag sollen auch Folgebesuche für Väter wieder möglich werden.

Auch in Zeiten der Corona-Pandemie lag der Fokus neben der Sicherheit für alle Beteiligten auch darauf, die Geburt weiterhin so familiär und menschlich wie möglich abzuwickeln.
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Auch in Zeiten der Corona-Pandemie lag der Fokus neben der Sicherheit für alle Beteiligten auch darauf, die Geburt weiterhin so familiär und menschlich wie möglich abzuwickeln. - Foto: © shutterstock
„Die Pandemie hat uns erwischt wie ein Tsunami: Alles ist gleichzeitig passiert, alles musste neu strukturiert und organisiert werden, recherchiert werden – und das in einer Zeit, in der es noch keine nennenswerten Fakten und Forschungen zu Covid-19 und Geburten gab“, erklärte Dr. Alexander Staffler, Leiter der Neugeborenen-Intensivstation des Krankenhauses Bozen am Mittwochmorgen.

Gemeinsam mit Dr. Martin Steinkasserer, dem Leiter der Abteilung für Geburtshilfe und Gynäkologie des Krankenhauses Bozen und Dr. Michaela Veneziano, Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe, sprach er in einem Pressefrühstück am Mittwochvormittag darüber, wie sich der Bereich im vergangenen Jahr verändert hatte und welche Erfahrungen gesammelt wurden.

„Eine Geburt kann man nicht verschieben“

„Die Geburtshilfe ist ein sensibles Gebiet“, betonte Dr. Steinkasserer. „Sie spielt eine übergroße Rolle im Leben des Menschen, wo absolute Sicherheit gewährleistet sein muss, nicht nur für die Patientinnen, sondern auch für das Personal.“

Der Ausbruch der Covid-Pandemie war für alle Geburtenstationen im Land eine große Herausforderung, vor allem aber in Bozen, da dort auch die komplizierten Fälle und schweren Krankheitsfälle während der Schwangerschaft behandelt werden.

Während sich auch alle andere Abteilungen an die neue Situation gewöhnen mussten, waren die Umstände auf der Gynäkologie und Geburtenstation noch komplexer, denn: „Eine Geburt und alle Dienste, die damit zusammenhängen, kann man nicht verschieben“, so Dr. Veneziano.

Das Personal rund um Geburt und Frühchen leistete in dieser Zeit Pionierarbeit, denn – Hilfe in Nachschlagewerken gab es keine.

Und auch die spärlichen Informationen, die man zu Beginn aus Wuhan, China erhielt, waren wenig hilfreich: „Wir wussten nicht, ob das ungeborene Kind den Virus schon während der Schwangerschaft bekommen kann, ob er über das Stillen übertragbar ist, ob es ratsamer wäre, Kaiserschnitte durchzuführen“, erklärte Dr. Staffler. Erst nach und nach gab es Erkenntnisse und Publikationen, die konsultiert werden konnten.

Auch weiterhin galt die Aufmerksamkeit natürlich hauptsächlich den jüngsten Patientinnen und Patienten in der Säuglingsstation und noch mehr denjenigen, die auf der Neugeborenen-Intensivstation des Krankenhauses Bozen aufgenommen werden: „Unser gesamtes Team hat an einer speziellen Schulung teilgenommen, um die neonatalen Wiederbelebungsmaßnahmen trotz persönlicher Schutzausrüstung, die bekanntlich das Sehvermögen, die Bewegung und die Kommunikation einschränkt, besser durchführen zu können. Außerdem gelang es uns in kürzester Zeit während der ersten Welle ein multidisziplinäres Ablaufprotokoll zwischen den Abteilungen für Geburtshilfe, Neonatologie, Anästhesie, Notaufnahme und Labor zu erstellen. Dieses Ablaufprotokoll wurde später aktualisiert, als neue wissenschaftliche Erkenntnisse veröffentlicht wurden“, erklärte Alex Staffler, Primar der Neonatologie.

Räumliche Trennung und strikte Maßnahmen

Nichts desto trotz schaffte man es mit vereinten Kräften in Bozen, nicht nur die Sicherheit der Patientinnen und ihrer Neugeborenen zu gewährleisten, sondern auch, das Geburtserlebnis so familiär wie möglich beizubehalten.

Während die Räumlichkeiten umgehend in Covid- und Covid-freie Zonen unterteilt und alle Vorsichtsmaßnahmen eingeführt wurden, wurde auch darauf geachtet, den Haut-zu-Haut-Kontakt zwischen Mutter und Kind stets gewährleisten zu können. In fast täglichen Besprechungen wurden die geltenden Maßnahmen aktualisiert und angepasst – mit Erfolg.

Schon bald konnten Maßnahmen gesetzt werden, die es den Partnern der covid-freien Fälle ermöglichten, im Kreißsaal wieder anwesend zu sein. Auf Folgebesuche hingegen musste verzichtet werden.

Ab 26. April sollen auch Folgebesuche wieder möglich sein

Dies soll sich nun jedoch ändern: „Ab kommenden Montag, 26. April soll es Vätern wieder ermöglicht werden, Mutter und Kind auch in den Folgetagen nach der Geburt zu besuchen“, erklärte Dr. Veneziano. Dabei sollen strenge Sicherheitsmaßnahmen gelten, auch werden die Väter abwechselnd zu definierten Zeiten zu Besuch kommen, spezifizierte Dr. Steinkasserer.

Unter der Telefonnummer 3336180551 können sämtliche Informationen zur Schwangerschaft in Zeiten von Corona eingeholt werden.

liz