Donnerstag, 31. Dezember 2020

Gedenken an Pandemie-Opfer bei Feier zum Jahresende im Petersdom

Im Vatikan ist das Jahr mit einer feierlichen Dankvesper verabschiedet worden. Dem Abendgebet im Petersdom wohnten coronabedingt nur etwa 200 Geistliche und Gläubige bei. Papst Franziskus musste seine Teilnahme kurzfristig absagen. Grund war laut Vatikan eine Ischiasneuralgie.

Kardinal Giovanni Battista Re spendet den eucharistischen Segen.
Kardinal Giovanni Battista Re spendet den eucharistischen Segen. - Foto: © APA/afp / FABIO FRUSTACI
In seiner Predigt, die Kardinal Giovanni Battista Re vortrug, erinnerte das Kirchenoberhaupt an die Toten und Betroffenen der Pandemie, wie Kathpress meldet.

Auf die Frage nach dem „Warum“ des Leidens gebe nicht einmal Gott eine Antwort, die auf höhere Gründe verweise, so der Papst. Gott wäre „zynisch und erbarmungslos“, wenn er auch nur einen einzigen Menschen opferte. „Die Antwort Gottes geht den Weg der Menschwerdung“ in Jesus Christus, erklärte Franziskus. In dem Drama der Pandemie lasse sich kein anderer Sinn finden als der, Mitleid zu wecken und Solidarität zu erzeugen.

Es gelte Dank zu sagen für das Gute, das während des Lockdowns und auch sonst während der Pandemie geschehen sei, betonte Franziskus. Er würdigte Ärzte und Pflegekräfte, Seelsorger, Beschäftigte an Schulen und im öffentlichen Dienst, aber auch alle, die sich um ihre Familien und das Gemeinwohl bemühten. „Das Lob, das Gott am meisten gefällt, ist geschwisterliche Liebe“, unterstrich der Papst.

Selbstloser Einsatz für andere und Verzicht seien eine Gnade. „Auch wer sich dessen nicht bewusst ist, wird von der Kraft Gottes getrieben, die stärker ist als unser Egoismus“, so Franziskus in der vorbereiteten Predigt.

Das Abendgebet mit dem feierlichen „Te Deum“, dem traditionellen Lobgesang auf die Größe Gottes, leitete Kardinal Re. Der fast 87-Jährige nimmt als Dekan des Kardinalskollegiums protokollarisch die zweite Stelle hinter dem Papst ein. Der Neujahrsmesse am Freitagvormittag steht in Vertretung von Franziskus der vatikanische Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin vor, der erst Mitte Dezember nach einer Operation aus dem Spital entlassen worden war.

Es ist das erste Mal, dass Papst Franziskus eine bedeutende Feier aus Krankheitsgründen ausfallen ließ. Am Neujahrstag will der Papst jedoch das Mittagsgebet leiten. Das Gebet und die Ansprache würden wie vorgesehen aus der Bibliothek des Apostolischen Palastes übertragen, teilte der Vatikan mit.

Der 1. Jänner wird von der katholischen Kirche als Hochfest der Gottesmutter Maria und zugleich als Weltfriedenstag begangen. In seiner bereits am 17. Dezember veröffentlichten Botschaft zu diesem Tag ruft das Kirchenoberhaupt zu einer „Kultur der Achtsamkeit als Weg zum Frieden“ auf.

apa