Mittwoch, 24. Februar 2021

Gedenkfeier für Josef Mayr-Nusser: „Frieden jeden Tag aufs Neue schätzen“

Am heutigen Todestag von Josef Mayr-Nusser fand eine Gedenkfeier für Josef Mayr-Nusser statt, an der der Bürgermeister von Bozen, Renzo Caramaschi, Vizebürgermeister Luis Walcher, Regierungskommissar Vito Cusumano und der Präsident der Bozner Sektion des italienischen Partisanenvereins, Guido Margheri teilgenommen haben.

Die Gedenkfeier fand beim Geburtshaus von Josef Mayr-Nusser, dem Nusserhof nahe der Kampiller Brücke statt.
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Die Gedenkfeier fand beim Geburtshaus von Josef Mayr-Nusser, dem Nusserhof nahe der Kampiller Brücke statt. - Foto: © Stadt Bozen
Die Gedenkfeier fand beim Geburtshaus von Josef Mayr-Nusser, dem Nusserhof nahe der Kampiller Brücke statt. Josef Mayr-Nusser war Mitglied von Bozens Katholischer Aktion und sowie des Andreas-Hofer-Bundes und leistete aktiv Widerstand gegen Faschismus und Nationalsozialismus. Nachdem er am 4. Oktober 1944 in Konitz (Pommern) aus Gewissensgründen den SS-Eid verweigert hatte, wurde er zum Tode verurteilt.

Auf dem Weg ins Konzentrationslager Dachau starb er am 24. Februar 1945 in einem Viehwaggon bei Erlangen an den Folgen der Haft. Josef Mayr-Nusser wurde posthum zum Ehrenbürger der Stadt Bozen ernannt, und Bozen und Erlangen sind seit einigen Jahren in einer Städtepartnerschaft verbunden. Heute fand auch in Erlangen eine Gedenkfeier für Josef Mayr-Nusser statt.

„Josef Mayr-Nusser hat sein Leben gegeben, damit wir heute in einer Demokratie leben können“

Bürgermeister Caramaschi grüßte zu Beginn seiner Ansprache den Oberbürgermeister von Erlangen, Florian Janik. Josef Mayr-Nusser war eine Persönlichkeit von moralischer und ethischer Größe. „Wir erinnern uns seiner nicht nur wegen seines tiefen Glaubens, sondern auch wegen seines Mutes, seines Kampfes für das Leben und für die hohen moralischen und ethischen Werte, für die er eingetreten ist,“ sagte Caramaschi.

„Josef Mayr-Nusser hat sein Leben gegeben, damit wir heute in einer Demokratie leben können. Sein Beispiel und seine Werte sollen uns Inspiration sein. Demokratie, gegenseitiger Respekt, Gewaltlosigkeit, Toleranz, Zusammenarbeit, Brüderlichkeit zwischen den Menschen: Alle diese Werte sind eng mit dem Leben und Handeln von Josef Mayr-Nusser verbunden. Und diese Werte sollen für uns richtungweisend sein und nach diesen Werten sollen wir alle streben.“

Auch Vizebürgermeister Luis Walcher erinnerte in seiner Rede an die Persönlichkeit von Josef Mayr-Nusser: „Josef Mayr-Nusser hat sein Leben verloren, aber er hat viele Jahre nach seinem Tod durch die Partnerschaft Erlangen-Bozen zu neuem Leben gefunden. Er ist das Bindeglied einer Städtepartnerschaft, wo Menschen heute zusammenarbeiten, obwohl sie mitunter 2 verschiedene Sprachen sprechen, obwohl sie in verschiedenen Staaten wohnen, obwohl sie verschiedene Anschauungen zum einen oder anderen Thema haben - Josef Mayr-Nusser war die Initialzündung für diese Partnerschaft, die sehr intensiv gelebt wird und daher möchte ich an diesem Tag der Stadt Erlangen für diese Partnerschaft danken.“

„Partnerschaft heißt nicht nur, einen Vertrag zu unterschreiben, sondern auch diese Initiative mit Leben zu füllen - dazu waren wir imstande. Wir standen in der Zeit der Pandemie in regem Austausch und so haben wir uns auch gegenseitig helfen können mit den Erfahrungen, die der eine oder andere zuerst gemacht hat. Wir sehen diese Partnerschaft als große Chance, noch intensiver zusammenzuarbeiten, von einander zu lernen und ein Beispiel zu vorzuleben, dass man in einer Demokratie miteinander etwas gestaltet und nicht jeder einzeln für sich“, lobte Walcher die Partnerschaft mit der Stadt Erlangen.

„Frieden erlebt man nur mit Zusammenarbeit“

Zum Schluss seiner Rede kam Walcher wieder zurück zu Josef Mayr-Nusser: „Er war gegen einen starken Mann, aber für ein Miteinander. Er hat – obwohl er eine junge Familie hatte, obwohl er mit 35 Jahren in den besten Jahren seines Lebens war - sein Leben lassen müssen, 3 Monate vor Kriegsende. Mit seinem Beispiel aber hat er Menschen eine Gelegenheit gegeben, eingehender nachzudenken, sein kurzes Leben als großes Geschenk und als Vorbild zu empfinden. Wenn wir heute Josef Mayr-Nusser als Ehrenbürger der Stadt haben, dann haben wir ein Vorbild, das wir in unserer Generation, aber auch in den nächsten Generationen als ganz großes Vorbild leben und erleben sollen.“

„In diesem Sinne empfinde ich diesen Gedenktag für Josef Mayr-Nusser immer als eine Gelegenheit, über den Wert der Demokratie nachzudenken und den Frieden jeden Tag aufs Neue zu schätzen. Unsere Eltern und Großeltern haben Krieg erlebt, sie haben uns immer wieder gesagt, was der Friede für einen Wert hat. Wir müssen ihn aber jeden Tag mit Leben füllen, denn Frieden erlebt man nur mit Zusammenarbeit, mit Zusammenstehen und ich wünsche uns diese Kraft jeden Tag, um das Beispiel Mayr-Nusser als großes Geschenk für unsere Stadt Bozen zu entdecken“, erklärte Walcher abschließend.

stol