Der 50-jährige L.S. wird verdächtigt, gefälschte Sprachzertifikate besorgt zu haben, aufgrund derer die Nutznießer dann den Zweisprachigkeitsnachweis erhalten hatten, den sie für den öffentlichen Dienst brauchen. 22 der Betroffenen arbeiteten im Südtiroler Sanitätsbetrieb. Gegen sie steht – ebenso wie für den Wachmann – der Verdacht auf Falschbeurkundung im Raum. Bei 18 weiteren Betroffenen soll es sich um Personen handeln, die in der Privatwirtschaft tätig sind oder in anderen Bereichen der öffentlichen Verwaltung. <BR /><BR />Wie jetzt durchsickerte, sollen unter ihnen auch zwei Ortspolizisten sein. In welcher Gemeinde sie ihren Dienst versehen, war vorerst unklar. <BR /><BR />„Wenn die betreffenden Beamten das wirklich getan haben, besteht nicht mehr die rechtliche Voraussetzung, sie weiterhin zu beschäftigen“, sagt der Sprecher der Ortspolizei, Christian Carli. Er geht davon aus, dass den Beamten – als erster Schritt – Disziplinarmaßnahmen drohen. Die Ermittlung sei ja noch nicht abgeschlossen. Sollten sich die Verdachtsmomente dann aber bewahrheiten, fände er es „traurig: Gerade Ordnungskräfte, die darüber wachen, dass die Bürger die gesetzlichen Bestimmungen einhalten, sollten doch die Ersten sein, die das selbst auch tun“, unterstreicht Carli.<BR /><BR />Einen anderen Aspekt hebt die Kommandantin der Abteilung Wirtschafts- und Finanzkriminalität der Finanzpolizei Bozen, Alessandra Faietti, hervor. „Es geht hier nicht nur um gesetzliche Bestimmungen, deren Einhaltung für Südtirol wichtig ist. Es geht auch um Gerechtigkeit gegenüber all jenen, die sich bemüht, gelernt und die Zweisprachigkeitsprüfung regulär abgelegt oder die Konsequenzen gezogen und auf eine Stelle im öffentlichen Dienst verzichtet haben.“<BR /><BR />Bei Oberstleutnant Faietti laufen die Fäden der aktuellen Ermittlung zusammen, die noch lange nicht abgeschlossen ist. Die 40 Zertifikate, derentwegen die Staatsanwaltschaft bereits ermittelt, sollen Fälschungen sein – die Bildungseinrichtung in Deutschland, deren Stempel sie tragen, soll sie nie ausgestellt haben. Noch geprüft werden müssen über 100 Urkunden von Sprachschulen in verschiedenen italienischen Regionen. Diese Zertifikate scheinen zwar effektiv von den jeweiligen Bildungsinstituten ausgestellt worden zu sein, doch es ist nicht klar, ob die Inhaber den Kurs überhaupt regulär absolviert oder möglicherweise nur eine „Light“-Version davon bestanden haben könnten. Die Beamten haben also noch jede Menge Arbeit vor sich.<BR /><BR />Indes soll auch ein leitender Mitarbeiter des Sanitätsbetriebes ins Visier der Staatsanwaltschaft geraten sein: Er wird verdächtigt, gewusst zu haben, dass ein Arzt ein gefälschtes Zertifikat benutzt hatte, um den Zweisprachigkeitsnachweis zu erlangen – doch er habe den Verdachtsfall nicht gemeldet.