<BR />Auf der Brennerautobahn verkehren täglich Hunderte von Lkw – und es werden immer mehr. Gleich geblieben ist in den vergangenen Jahren hingegen die Anzahl der zur Verfügung stehenden Parkplätze. Das führt vor allem zu einem Problem: Lkw blockieren nachts entlang der Brennerautobahn die für Notfälle vorgesehenen Haltebuchten, um ihre gesetzlich vorgeschriebenen Ruhezeiten einzuhalten. <BR /><BR />Das ist aber nicht nur gefährlich, sondern auch verboten. Nur bei einer Fahrzeugpanne oder bei gesundheitlichen Beschwerden von Fahrzeuginsassen darf in den Parkbuchten angehalten werden. Das Parkverbot gilt auf der gesamten A22 zwischen Brenner und Modena in beiden Fahrtrichtungen. Verstöße werden von der Verkehrspolizei geahndet. Landesrat Christian Bianchi hat sich mit dem Kommandanten der Verkehrspolizei, Andrea Straffelini, getroffen, um auf das steigende Problem aufmerksam zu machen. <h3> Lkw-Fahrer sähen keine andere Möglichkeit</h3>Zum einen räumte der Landesrat ein, dass die Lkw-Fahrer die gesetzlich vorgesehenen Ruhezeiten einhalten müssen und aufgrund der fehlenden Parkplätze wohl keine andere Möglichkeit sehen, als ihr Arbeitsgerät in den Nothaltebuchten abzustellen. Doch Bianchi erkennt ein weiteres Muster: „Die Lkw-Fahrer, die strenge Lenkzeitvorschriften einhalten müssen, versuchen, vor der vorgeschriebenen Ruhepause möglichst nahe an den Brenner heranzukommen, um ihre Fahrt unmittelbar nach Aufhebung des österreichischen Nachtfahrverbots fortsetzen zu können.“<BR /><BR />In diesem Zusammenhang zeichnen die Daten der Südtiroler Handelskammer ein deutliches Bild: Unter Einbeziehung des österreichischen Nachtfahrverbots (22 bis 6 Uhr), der Wochenendfahrverbote und weiterer Einschränkungen ist der Schwerverkehr auf der Brennerautobahn rund die Hälfte der Zeit durch verkehrsrechtliche Auflagen ausgebremst. Vor allem das Nachtfahrverbot sorge laut Bianchi dafür, dass sich die Schwerfahrzeuge in Südtirol stauen.<BR /><BR />Das Thema wurde bereits in der Landesregierung und dem Regionalrat angesprochen – bisher allerdings ohne konkretes Ergebnis. Das Problem dürfe nämlich nicht ausschließlich auf das Verhalten der Fahrer reduziert werden. Vielmehr müsse die gesamte Infrastruktur entlang des Brennerkorridors genauer betrachtet werden, so Bianchi. „Es ist notwendig, das Angebot an Rastplätzen für Schwerfahrzeuge entlang der A22 in Südtirol auszubauen“, sagt er. Im nächsten Haushalt der Brennerautobahn scheint wohl Geld für mehr Stell- oder Rastplätze vorgesehen zu sein.<h3> Drei Fragen an Alexander Öhler, Obmann der Frächter im lvh </h3><div class="img-embed"><embed id="1329888_image" /></div> <BR /><BR />Warum verbringen immer mehr Lkw-Fahrer ihre Nachtruhe in Pannenbuchten?<BR />Alexander Öhler: Es gibt einfach zu wenige Parkplätze entlang der Brennerroute. Das Problem besteht sowohl auf der Tiroler Seite der Brennerautobahn als auch in Südtirol. Die Fahrer müssen ihre gesetzlich vorgeschriebenen Ruhezeiten einhalten. In der Situation sehen sie dann häufig keine andere Lösung. Kein Lkw-Fahrer würde freiwillig in den Nothaltebuchten übernachten. Außerdem drohen ihnen dafür ja auch Strafen.<BR /><BR />Was tut die Politik dagegen?<BR />Öhler: Zu wenig. Das Problem wird zwischen den Verantwortlichen in der Politik und jenen der Brennerautobahn AG hin- und hergeschoben, aber konkrete Lösungen gab und gibt es bisher noch keine. Es war bereits die Rede von Parkplätzen in Richtung Sterzing und vor Neumarkt, doch auch das hat sich im Sande verlaufen.<BR /><BR />Warum gibt es dieses Problem überhaupt?<BR />Öhler: Letztlich ist das ein Versäumnis der Politik. Die Infrastruktur wurde nicht im gleichen Ausmaß ausgebaut, wie der zunehmende Schwerverkehr. Die Verantwortung liegt damit nicht bei den Fahrern, sondern bei den zuständigen politischen und infrastrukturellen Entscheidungsträgern.