Sie sind klein und unauffällig, aber keineswegs ungefährlich: Die Raupen des Prozessionsspinners stellen nicht nur für Vierbeiner, sondern auch für Menschen ein gesundheitliches Risiko dar. Mit ihren feinen Brennhaaren können sie Hautreizungen, allergische Reaktionen oder sogar Atemnot auslösen.<BR /><BR />„Gerade jetzt ist die Zeit, in der sich die reifen Raupen zu sogenannten Prozessionen zusammenschließen, um sich im Bodenstreu zu verpuppen“, erklärt Alessandro Andriolo vom Amt für Forstplanung. Dort vollenden die Tiere im Sommer ihre Metamorphose und entwickeln sich zu Faltern. Die Entwicklung der Prozessionsspinner verläuft über fünf Larvenstadien. „Ab dem dritten Stadium sind sie mit den bekannten Brennhaaren versehen“, so Andriolo. <h3> Vor allem Vinschgau betroffen</h3> Um die Verbreitung der lästigen Plagegeister einzudämmen und sie somit auch von Wanderwegen fernzuhalten, kommt im Vinschgau beispielsweise das biologische Mittel „Bacillus thuringiensis“ zum Einsatz, das per Hubschrauber aus der Luft ausgebracht wird. „Zuletzt war dies im Jahr 2023 der Fall. Das Sondergenehmigungsverfahren für eine Wiederholung der Behandlung wurde heuer bereits in die Wege geleitet“, so Andriolo. „Bacillus thuringiensis“ sei für Menschen und andere Säugetiere unbedenklich. Auch die Auswirkungen auf andere Insekten seien aufgrund des gezielten Einsatzzeitpunkts sehr gering. <BR /><BR />Langfristig setzt man im Vinschgau zudem auf einen ökologischen Umbau: Die aufgeforsteten Schwarzkiefern sollen schrittweise durch naturnahe Laubbaumarten ersetzt werden. Da dieser Prozess Zeit benötigt, bleiben ergänzende Maßnahmen notwendig. „So können etwa an Einzelbäumen Fallen eingesetzt werden, die die Prozessionen am Stamm abfangen und in Behälter leiten“, sagt der Experte.<h3> Ausbreitung schreitet Voran</h3>Der Pinienprozessionsspinner, hierzulande oft fälschlicherweise als Kiefernprozessionsspinner bezeichnet, hat sich längst über den Vinschgau hinaus auch in anderen Teilen Südtirols verbreitet. Der wärmeliebende Schädling befällt vor allem Bäume der Gattung „Pinus“, also Schwarz- und Weißkiefern, kann sich aber auch an Zedern einnisten. Neben der Verfügbarkeit seiner Wirtsbäume spielt auch das Klima eine entscheidende Rolle für seine Ausbreitung: Je milder die Temperaturen, desto weiter kann sich der Prozessionsspinner nach Norden ausbreiten. Aktuell gilt der Raum um Brixen als nördliche Verbreitungsgrenze. Ideale Bedingungen findet der Prozessionsspinner vor allem im Vinschgau, da dort eine hohe Anzahl des Wirtsbaumes verfügbar ist. Darin bilden die Raupen auch ihre typischen Seidennester.<BR /><h3> Drei Fragen an Dr. Franz Hintner, Präsident der Tierärztekammer</h3><b>Wie gefährlich sind Prozessionsspinner für Hunde wirklich?</b><BR />Dr. Franz Hintner: Solange sich die Prozessionsspinner in den Bäumen der Föhrenwälder befinden und der Hund nicht direkt daran schnüffelt, besteht in der Regel keine größere Gefahr. Kommt es dennoch zum Kontakt, können Hautläsionen auftreten. Durch ihr Fell sind Hunde aber teilweise geschützt. <BR /><BR />Wie immer in öffentlichen Gebieten gilt: den Hund stets an der Leine führen. Es ist ein Trugschluss zu glauben, dass der Hund, nur weil man im Freien ist, automatisch frei herumlaufen darf.<BR /><BR /> In diesem Fall sollte der Hund gründlich gebürstet und gewaschen werden. Anschließend ist es wichtig, ihn zwei bis drei Tage zu beobachten. Verschlimmern sich die Hautreaktionen, sollte ein Tierarzt aufgesucht werden. Zunächst gilt jedoch, nicht in Panik zu verfallen.