Mittwoch, 08. August 2018

Gefahrguttransporte: Auch in Südtirol nicht alles im Griff

2,3 Millionen Fernlaster donnern pro Jahr über die Brennerautobahn. 1,3 Prozent davon – sprich 29.900 Lkw – haben Gefahrgut geladen. „Aber auch wenn wir wissen, wer wo was transportiert, heißt das nicht, dass ein Unfall wie in Bologna vermieden werden kann. So etwas könnte auch bei uns passieren“, sagt Walter Pardatscher, Geschäftsführer der Brennerautobahn AG.

Die Explosion bei Bologna war verheerend. Ein derartiger Unfall ist auch in Südtirol möglich, passieren doch jährlich rund 29.900 Lkw mit Gefahrgut unser Land. - Foto: Ansa
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Die Explosion bei Bologna war verheerend. Ein derartiger Unfall ist auch in Südtirol möglich, passieren doch jährlich rund 29.900 Lkw mit Gefahrgut unser Land. - Foto: Ansa

Eines vorweg: Gefahrguttransporte müssen der Brennerautobahn-Gesellschaft nicht gemeldet werden. „Aber anhand der am Lkw angebrachten orangen ADR-Tafeln können wir automatisch ablesen, wie viele solcher Transporte auf der Autobahn unterwegs sind. Der größte Teil dieser Fernlaster haben Benzin und Dieselöl geladen, mit knapp 7 Prozent folgt das Flüssiggas“, sagt Pardatscher.

Aber trotz aller Information verhindere dies einen Unfall wie auf der Bologneser Umfahrungsstraße nicht. „So ein Unfall könnte auch bei uns passieren. Gegen Unwohlsein oder Unachtsamkeit eines Fahrers sind wir machtlos. Solche Unfälle führen uns vor Augen, wie delikat so eine Infrastruktur wie eine Autobahn ist. Ich spüre Tag für Tag die Verantwortung“, sagt der A22-Geschäftsführer.

Gravierende Auswirkungen auf Bauwerk

Die Explosion eines Gefahrgut-Transports, der Brand und die entsprechend hohen Temperaturen hätten „gravierende Auswirkungen“ auf das Bauwerk Brennerautobahn mit ihren Viadukten. „Die Folgen wären nicht auszudenken“, sagt Pardatscher. Bei den teils 100 Meter hohen Viadukten wäre es ein immenser planerischer und baulicher Aufwand, diese wieder in Schuss zu bringen. Eigentlich ein Horrorszenario, so Pardatscher. Trotz Super-Asphalt und erstklassiger Leitplanken steigen italienweit die Unfälle wegen Unachtsamkeit, „und hier hat das Handy einen wesentlichen Anteil“, erklärt Pardatscher.

Landeshauptmann Arno Kompatscher verwies darauf, dass „die Brennerautobahn zu den besten und sichersten in ganz Italien zählt. Umso wichtiger ist es, dass wir bald die Konzessionsverlängerung bekommen, um weiter in die Sicherheit investieren zu können“.

Auch Bürgermeister Kompatscher meldet sich zu Wort

Nach den vielen Chemieunfällen und - einsätzen am Brenner fehlen nach wie vor die notwendigen technischen Einrichtungen, wie sie schon vor Jahren von der Gemeinde gefordert wurden, so z.B. eine Remise mit entsprechenden Schutzmaßnahmen für lecke Waggons, so der Bürgermeister von Brenner, Franz Kompatscher. Auch die Sicherheitsstandards in den Tunnels (z.B. autonome Löschwasserzufuhr) seien nach wie vor unzureichend.

Auch die Tatsache, dass die Parkplätze im Wipptal nach Feiertagen und an den Wochenenden mit Lkws geradezu vollgestopft werden und somit die eigentlich zugelassene Kapazität weit überschritten wird, dies gilt auch für die Zufahrtswege zu den Parkplätzen und zu den Raststätten, stellt in diesem Zusammenhang eine Gefahr dar, so Kompatscher.

Häufigere Kontrollen

Auf jeden Fall müssten laut Kompatscher in Hinkunft diese Transporte häufiger kontrolliert werden und für die Gemeinden entlang der Autobahn  Einsatz- und Sicherheitspläne erstellt werden, die nicht nur die Arbeiten der Einsatzkräfte koordinieren und planen, sondern auch verschiedene Behörden und Ämter (Umwelt und Sanität) miteinbeziehen. Die Erstellung dieser Pläne muss von der Autobahnverwaltung vorangetrieben werden.

„Ich bin aus Erfahrung überzeugt, dass hier Handlungsbedarf besteht und die Problematik ehestens angegangen werden sollte“, so Kompatscher abschließend. 

stol

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