Samstag, 19. September 2020

Gefangen im Aufzug – und die Angst steigt

Angst, Panik, Atemnot: Wenn der Aufzug stecken bleibt und sich die Tür nicht mehr öffnen lässt, dann ist bei vielen Bürgern die Ruhe weg.

Wer nicht mehr aus dem Aufzug herauskann, bekommt es oft schnell mit der Angst zu tun.
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Wer nicht mehr aus dem Aufzug herauskann, bekommt es oft schnell mit der Angst zu tun. - Foto: © shutterstock
Über 500 Mal im Jahr müssen Südtirols Feuerwehren ausrücken, um Menschen aus Aufzügen zu befreien. Dabei handelt es sich um Noteinsätze. Eigentlich wären die Aufzugs- und Wartungsfirmen dafür zuständig, um die Eingeschlossenen zu befreien – doch sehr oft werden die Wehrmänner gerufen, weil die Zeit drängt und kein Techniker dieser Firmen gerade in der Nähe ist.

Besonders häufig muss die Berufsfeuerwehr Bozen eingeschlossenen Bürgern helfen – allein 2019 immerhin 332 Mal, berichtet Hansjörg Elsler, Hauptbrandinspektor. Bei einem Stromausfall in der Landeshauptstadt kommt es vor, dass die Berufsfeuerwehr 20 bis 30 Einsätze wegen stecken gebliebener Aufzüge abarbeiten muss. „Dann sollten wir plötzlich gleichzeitig überall sein“, erzählt Elsler. „In diesem Fall rufen wir die Freiwilligen Feuerwehren zur Unterstützung.“

Freiwillige Feuerwehren rückten 200 Mal aus

Südtirols Freiwillige Feuerwehren rücken etwa 200 Mal im Jahr zu solchen Aufzug-Einsätzen aus, sagt Christoph Oberhollenzer, Direktor des Landesverbandes der Freiwilligen Feuerwehren und Leiter der Landesfeuerwehrschule in Vilpian. Bei jedem Aufzug, der nach 1999 eingebaut wurde, müsse es in der Kabine einen gelben Knopf geben, erklärt Oberhollenzer.

Wenn man diesen Knopf drücke, dann werde eine Telefonverbindung mit dem Bereitschaftsdienst der Wartungsfirma hergestellt. Sehr oft spricht man als Eingeschlossener dann mit einem Call-Center, das sich außerhalb von Südtirol befindet. Da werden Fragen gestellt über das gesundheitliche Befinden – ebenso nach einer möglichen Covid-Erkrankung. Abgefragt wird auch die genaue Adresse, wo sich der Aufzug-Notfall gerade ereignet hat. Dann wäre es Aufgabe des kontaktierten Aufzugnotdienstes, für die Befreiung des oder der Eingeschlossenen zu sorgen. Oft ist aber kein Techniker in der Nähe, deshalb verständigt die Firma die Feuerwehr. Sehr oft wählen eingeschlossene Bürger aber auch selbst die Nummer der Landesnotrufzentrale 112, um rasch befreit zu werden.

Nicht immer wird Gegensprechanlage aktiviert

Nicht immer wird durch das Drücken des Alarmknopfes beim Aufzug eine Gegensprechanlage aktiviert. Bei älteren Aufzügen kommt es vor, dass damit „nur“ ein Alarm im Gebäude ausgelöst wird und eine Sirene startet oder Klingel ertönt. „Man geht davon aus, dass andere Leute im Haus das Signal hören und dann Hilfe holen“, erklärt Oberhollenzer.

Bei der Berufsfeuerwehr in Bozen steigt die Zahl der Aufzug-Einsätze: 2019, in den ersten 8 Monaten, mussten die Wehrmänner 198 Mal in Bozen ausrücken, heuer waren es bereits 215 Einsätze, berichtet Elsler. „In der Landeshauptstadt gibt es sehr viele Mehrfamilienhäuser – und damit viele Aufzüge.“

Manchmal geraten Eingesperrte völlig in Panik. „Wir hatten in meiner 35-jährigen Karriere bereits Einsätze, bei denen wir mit Schere und Spreizer die Tür gewaltsam öffnen mussten, weil die eingesperrte Person getobt und geschrien hat – ich will heraus, ich will heraus“, berichtet Elsler.

3 Feuerwehr-Leute mit VW-Bus

Ansonsten läuft so ein Aufzugeinsatz standardmäßig ab. In der Regel rücken 3 Feuerwehr-Leute mit einem kleinen VW-Bus aus. Der Mannschaftsführer kümmert sich um die eingesperrte Person. Es gilt festzustellen, auf welchem Stock der Aufzug stecken geblieben ist. Schließlich wird der Maschinenraum gesucht – falls es einen solchen gibt. Ziel ist es dann, die Aufzugkabine wieder auf Stockhöhe zu bringen und mit einem besonderen Schlüssel von außen die Tür zu öffnen und die Person zu befreien. Läuft alles problemlos ab, so ist so ein Einsatz in 10 Minuten erledigt, sagt Elsler. Aber es könne auch länger dauern – etwa, wenn ein Maschinenraum zwar gefunden wurde, dieser aber abgesperrt sei. Es gibt inzwischen sehr viele unterschiedliche Aufzugtypen, deshalb müssen die Wehrmänner immer wieder von Technikern der Aufzugfirmen geschult werden.

Mit manchen Aufzügen haben die Feuerwehren öfter Probleme – das hängt mitunter vom Alter eines Aufzugs ab und davon, wie oft und wie gut diese Aufzuganlage gewartet wurde, sagt Elsler. Aufzüge bleiben manchmal auch deshalb stecken, weil viel mehr Personen sich in der Kabine befinden als erlaubt wäre: Manchmal sind es sogar doppelt so viele, berichtet Elsler. Wenn diese dann auch noch herumspringen, dann entstehe eine Überlast, und der Aufzug werde blockiert, erzählt Elsler.




hof

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