„Nimm dein Kind, pack deine paar Sachen zusammen und lasse dieses Inferno endlich hinter dir.“ Diesen Ratschlag aus dem Mund eines Polizisten hat Betania noch genau im Ohr, sie hat ihn beherzigt und damit einen langen Albtraum beendet. Einen Albtraum bestehend aus einem gewalttätigen Partner mit massiven Drogenproblemen und damit verbundenen Ängsten. <BR /><BR />„Ich habe es vielen tollen Frauen und Gott zu verdanken, dass sich letztlich alles zum Guten gewandt hat“, sagt Betania. Man würde es nicht für möglich halten, was für eine Odyssee die heute 44-Jährige durchgemacht hat, denn bei unserem Treffen im Büro der Beratungsstelle „Frauen helfen Frauen“ vermittelt sie einen selbstsicheren und optimistischen Eindruck. Offen und ohne jegliche Scheu erzählt sie von den schlimmsten Jahren ihres Lebens, um „anderen Frauen, die heute mit ähnlichen Problemen konfrontiert sind, auch den Mut für ein neues Leben finden mögen“. Aus diesem Grund und weil die betrüblichen Dinge schon einige Jahre zurückliegen „gerne auch mit Foto in der Zeitung“. <BR /><BR /><b>Mit dem Kind verschärfte sich die Situation</b><BR /><BR />Kennengelernt hat Betania, die in der brasilianischen Metropole Sao Paulo aufgewachsen ist, ihren einstigen Partner vor vielen Jahren am Gardasee. Es ging dann alles recht schnell: Er wohnte in Sterzing, sie zog zu ihm, die beiden heirateten. Noch bevor sie mit 29 Jahren schwanger wurde, offenbarte er mehrfach seine dunklen Seiten: „Er schlug mich, nahm alle möglichen Drogen und zirkulierte in dubiosen Kreisen.“ Sie habe ihn auch verlassen wollen, allerdings habe er beteuert, sich ändern zu wollen. Als sie ihr gemeinsames Kind erwartete, verschärfte sich zusehends die Situation, da auch die Schwiegermutter immer stärker Partei für ihren Sohn ergriff. <BR /><BR />Betania hielt es nicht mehr aus und wollte zurück nach Brasilien. „Die Sache landete vor Gericht, der Richter gewährte mir die Rückkehr mit dem Kleinkind nach Brasilien, allerdings mit der Auflage, dass auch der Vater mitkomme“, erzählt sie. <BR /><BR /><b>Odyssee zwischen Brasilien und Südtirol</b><BR /><BR />Somit entschieden sie sich für einen Neustart in Brasilien. Betanias Mutter war in der Gastronomie tätig, sie vermittelte der jungen Familie umgehend eine Bar, damit sie eine eigene Lebensgrundlage hatten. Allerdings war das Vorhaben von kurzer Dauer, da Betanias Mann wieder seine alten Gewohnheiten annahm. „Er konsumierte wieder Drogen, aus der Kassa verschwanden die Einnahmen, irgendwann wurde mir sogar von den Drogenhändlern klipp und klar gesagt, dass wir ernsthafte Probleme bekommen würden, wenn sich die Sache weiter so zuspitzt“, erinnert sich Betania an die Vorkommnisse in Brasilien zurück. Schließlich trennten sich ihre Wege, er kehrte nach Südtirol zurück, Betania folgte ihm später nach, als sie ihm noch einmal abnahm „ganz von vorne anfangen zu wollen“. Allerdings blieb nicht nur alles beim Alten, es wurde sogar schlimmer und bedrohlicher als je zuvor. <BR /><BR /><b>Tatsächlicher Neustart im Haus der geschützten Wohnungen</b><BR /><BR />Mit fester Stimme schildert Betania, wie die Gewaltexzesse zunahmen, wie man sie selbst zum Drogenkonsum verleiten wollte, wie ihr die Schwiegermutter versucht habe, das Kind zu entreißen und wie sie sich selbst die Schuld für all das gegeben habe. Sie war in einem Inferno gefangen, ehe sie eines Tages den eingangs erwähnten Ratschlag eines Polizisten beherzigte, ihre paar Sachen zusammenpackte, die Flucht ergriff und durch die Vermittlung der Beratungsstelle „Frauen helfen Frauen“ einen Platz im Haus der geschützten Wohnungen in Bozen bekam.<BR /><BR />6 Monate fand sie zusammen mit ihrem Sohn Ricardo dort Unterschlupf. „Ich musste mein Leben völlig neu ordnen – in einer mir unbekannten Stadt und ohne Freunde, aber der tiefe Glaube in Gott und viele tolle Menschen haben mir geholfen“, sagt sie und erzählt, wie sie Arbeit und Wohnung und Anschluss an die evangelische Glaubensgemeinschaft in Bozen gefunden hat. All das ist nun 9 Jahre her, mittlerweile hat sich Betania in Bozen eine solide Existenz aufgebaut, sie arbeitet in einem feinen Hotel, ihr Sohn besucht die Schule und sie freut sich auf einen Bibelkurs. „Ich habe meinem Ex alles verziehen, aber um alles hinter mir zu lassen, musste ich mein Leben auf ein vollkommen neues Fundament stellen“, schließt sie ihre Schilderung.<BR />