Hier die ganze Geschichte und wie Verenas Weltneuheit „VEMIfem“ den Unterleib – und alte Denkmuster – entkrampft. <b>von Martina Hofer</b><BR /><BR />Etwas vom Frauenmantel, Kamille zur Entspannung und dann noch ein wenig Schafgarben-Extrakt dazu. Druide Miraculix hätte seine helle Freude gehabt an dem „Zaubertrank“, den sich Verena Mittelberger allmonatlich in ihrer Küche zusammengeköchelt hat. Dabei brauchte die studierte Sozialpädagogin keine Superkräfte, sondern schlichtweg etwas gegen ihre superstarken Krämpfe, die sie einmal im Monat aus dem Alltag knockten. Die junge Boznerin leidet nämlich, wie statistisch sieben von zehn Frauen unter 25 Jahren, an krampfartigen Regelschmerzen, die vom Unterleib bis in den Rücken ausstrahlen. <h3>Ihre Regel ist keine Ausnahme</h3>Diese „Qual“, wie sie Verena Mittelberger beschreibt, begann bereits mit ihrer ersten Regelblutung im Alter von zwölf Jahren. „In der Schule bin ich einfach umgekippt. Der Kreislauf kollabierte vor Schmerz, ich war während meiner Tage sehr schwach und müde“, erinnert sie sich ungern zurück, an das „Frauwerden“. Was viele Naturvölker mit Fruchtbarkeitsriten feiern, war für sie „nichts Cooles“, erinnert sich die heute 32-Jährige, die das „böse Blut“ gern mit Bauchweh oder Kopfweh abtat, zu heikel erschien es, über etwas zu sprechen, das fast jede Frau kennt: Menstruationsbeschwerden. Immer noch aber ist der Gedanke verbreitet, jemand mit diesem Leiden wolle sich nur vor dem Sportunterricht drücken oder einfach mal einen Tag blaumachen. Dabei zählen die Beschwerden während der Regelblutung zu den häufigsten Problemen, die in frauenärztlichen Praxen angesprochen werden. Auch die junge Boznerin wurde mit 14 Jahren bei ihrem Frauenarzt vorstellig. Denn das, was sie fühlte, war vergleichbar mit Wehen. Mit dem Unterscheid, dass ihre Schmerzen jeden Monat wiederkehrten. <h3>Mit 28 zurück in die Pubertät</h3>Der Frauenarzt verschrieb Verena Mittelberger gegen ihre „Dysmenorrhoe“, wie man die starken Regelkrämpfe medizinisch nennt, damals die Antibabypille. Ein „Gamechanger“ für die junge Frau. Die Schmerzen waren fort. Zwölf Jahre warf sie sich die Hormonpräparate, die den weiblichen Zyklus einbremsten, ein – ohne diese zu hinterfragen. „Anfangs war ich einfach nur froh, dass der Schmerz weg ist, später fand ich die Verhütung nützlich“, so Mittelberger. Erst Alter, Reife und das steigende Körperbewusstsein ließen sie zunehmend über Nebenwirkungen nachdenken. Als sie mit 28 schließlich beschloss, die Pille abzusetzen, kam der Flashback. „Die Schmerzen, die unreine Haut, es war alles wieder da und gefühlt noch intensiver“, erinnert sie sich. Aus Ermangelung an Alternativen griff sie verzweifelt zu Schmerzmitteln, wusste aber irgendwann: „Das will ich so nicht mehr!“ <h3>Auf der Suche nach der Akut-Hilfe ohne Chemie</h3>Die Absolventin der Universität Brixen las sich also ein in die Frauenheilkunde. Sie probierte Kräutertinkturen auf Alkoholbasis, braute Frauenkräutertees oder machte eine 30-tägige Gemmotherapie. Das Ergebnis war zu ihrem Erstaunen durchwegs positiv. „Ich bin jedoch ein sehr praxisorientierter Mensch und hatte weder Lust, den ganzen Monat Tabletten einzunehmen, noch im Hochsommer mit einer Zweiliterflasche Tee herumzulaufen“, so die Boznerin. Es sollte für sie also etwas auf Kräuterbasis geben, das ähnlich wie ein Schmerzmittel in die Handtasche passte und akut wirkte! Doch so sehr sie auch recherchierte – sie fand nichts. Eines schmerzhaften Tages stand fest: „Ich mache mir selbst Tabletten“, erzählt die mutige Start-up-Unternehmerin.<h3>Beschwerden lindern und Tabus brechen</h3>Was so vor vier Jahren mit ein paar Töpfen und Mixturen in der Küche begann, ist seit Kurzem als Produkt am Markt. „VEMIfem“ nennen sich die Lutschtabletten „für ein entspanntes Bauchgefühl“, welche die Boznerin am 8. März, dem „Tag der Frau“, mit ihrem Unternehmen herausgebracht hat. „Der Tag steht ein bisschen für die weibliche Revolution“, gesteht die „VEMIfem“-Chefin. Denn mit ihrer Lutschtablette aus Frauenkräuter-Extrakten ist der Boznerin nicht nur ein Produkt gelungen, das gegen Regelbeschwerden hilft. „Je mehr ich über den weiblichen Zyklus spreche, desto mehr sehe ich, wie groß das Interesse, aber auch die Unwissenheit darüber ist“, weiß die 32-Jährige und möchte enttabuisieren.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1023624_image" /></div> <BR /><BR />Laut Statistik sind nämlich bei zehn von 100 Frauen die Regelbeschwerden so heftig, dass sie ein bis drei Tage pro Monat ihren Alltag nicht bewältigen können. Allein in Deutschland wären das rund vier Millionen Betroffene. Trotzdem unterscheiden die meisten Arbeitgeber nicht zwischen Menschen, deren Uterus Monat für Monat rebelliert, und denen, die keine derartigen Beschwerden haben.<BR /><BR />Auch Verena fühlte sich mit ihrer Idee anfangs wenig ernst genommen. „Was will das ‚Gitschele‘ mit den ‚Regelzuckerlen‘, haben sich wohl manche Unternehmer gedacht, als ich bei ihnen vorstellig wurde“, spürte die junge Frau die Geringschätzung. Doch anstatt sich entmutigen zu lassen, bestärkte sie diese Reaktion darin, weiterzumachen.<h3> „Beschwerden gut im Griff“</h3>„Für mich selbst hatte ich dank meiner Kräuterexperimente die Beschwerden ja recht gut im Griff. Doch es waren immer wieder Frauen von außen, die mich motivierten, etwas zu entwickeln, das nicht nur mir, sondern einer breiten Masse hilft.“<BR /><BR />Dank intensiver Recherchen, Start-up-Beratungen, mit einigem Eigenkapital und dank vieler kompetenter Wegbegleiter/innen hält Verena Mittelberger nun ihre Tüte mit Kräuterornamenten in der Hand. 21 Pastillen enthält die Packung, ausreichend für eine Periode. Hergestellt werden sie unter strengsten Auflagen in Turin und sind offiziell als Nahrungsergänzungsmittel deklariert. Obschon es für diese Produktkategorie keine wissenschaftlichen Tests braucht, die Boznerin hat sie trotzdem durchgeführt. Über 100 Frauen probierten das Produkt über zwei Monate. Das Ergebnis hat selbst die Macherin erstaunt. „Es war wahnsinnig positiv“, freut sie sich über den Erfolg. Demnach sollen die Kräuterpresslinge nicht nur bei Regelschmerzen krampflösend wirken. Frauen bestätigten Mittelberger auch Linderungen bei Kopfschmerzen, hormonell bedingter Migräne, geladener Stimmung oder dem prämenstruellen Syndrom. <h3> Der Erfolg und der Wunsch, davon leben zu können</h3>„Meine Lutschtabletten sind kein Wundermittel. Jeder Körper, jedes Bedürfnis ist anders, doch die Rückmeldungen stimmen mich zuversichtlich“, so die einstige Leidgeplagte, die in den vergangenen vier Jahren trotz Rückschlägen immer am Produkt festhielt. Ein Produkt, das es laut ihren Recherchen in der Form noch nicht auf dem Markt gibt. <BR /><BR />Aber in ihrer Handtasche. Denn immer, wenn der Unterleib wieder anfängt zu ziehen, schiebt sich Verena Mittelberger die leicht raue, nach gesüßtem Heu-Tee schmeckende Tablette in den Mund. „20 Minuten später merke ich bereits eine Entspannung und kann arbeiten, ohne vom Stuhl zu kippen oder mich unter der Decke verkriechen zu wollen“, schildert sie das neue Lebensgefühl. Auf ein Schmerzmittel greift die Mitarbeiterin der Fachstelle Jugend im Forum Prävention nur noch in Notfällen zurück und hofft, irgendwann von ihrem Start-up leben zu können. Doch auch wenn „VEMIfem“ noch nicht kostendeckend arbeitet, ist Mittelberger stolz, aus der Not eine Tugend und aus dem Tabu ein Tischgespräch gemacht zu haben. „Besonders jüngere Männer sind sehr aufgeschlossen und haben die wohlschmeckenden Tabletten auch selbst schon ausprobiert“, muss die Macherin schmunzeln und kann auf deren gängigste Frage hin Entwarnung geben: Die Periode bekommen Männer deshalb nicht.