<BR /><BR /><b>Herr Landeshauptmann, fühlen Sie sich schon als museales Stück, dass Sie ins Denkmalamt einladen?</b><BR />Arno Kompatscher: Nein, gar nicht. Dieser Ort steht für Tradition, Identität. Für das, was wir bewahren wollen, aber mit innovativem Blick in die Zukunft.<BR /><BR /><b>Hand aufs Herz, wie viel Spaß macht Politik derzeit?</b><BR />Kompatscher: Schwierig. Die globale Gesamtsituation ist herausfordernd. Andererseits ist es auch erfüllend, genau mit einer Mitte-Rechts-Regierung eine Autonomie-Erweiterung herausgehandelt zu haben.<BR /><BR /><b>Was nervt am meisten?</b><BR /> Kompatscher: Dass es oft nicht gelingt, zu zeigen, dass es Dinge gibt, die funktionieren, und Menschen, die sich tagtäglich um die Probleme der Leute kümmern.<BR /><BR /><b>Sven Knoll schafft es mit einem Video an der Zapfsäule...</b><BR />Kompatscher: Gerade er, der nie einen Job ausübt, außer den des Abgeordneten, macht den Leuten weiß, einer von ihnen zu sein. Ich habe am Bau gearbeitet. Der einzige Weg, Populisten den Boden zu entziehen, ist, Menschen das Gefühl zu geben, dass es halbwegs fair zugeht, man sie unterstützt. Die Schere zwischen arm und reich ist in meiner Amtszeit jedes Jahr kleiner geworden.<BR /><BR /><b>Im Landessäckel sind elf Mrd. Euro ... Sie haben Nachlässe bei IRPEF- und IRAP für Bürger und Betriebe angekündigt. Warum macht man nicht einfach Öffis oder Kindergarten gratis? </b><BR />Kompatscher: Weil Kompatscher es richtig machen will. Überall, wo Öffis gratis waren, ist man zurückgerudert, weil sie zu Schlaf- und Partyplätzen wurden. Der Kindergarten kostet bei uns weniger als der Gratis-Kindergarten in Österreich. Wer gut verdient, kann ruhig einen Beitrag zahlen, der im Übrigen eh nur das Essen abdeckt. <BR /><BR /><b>Die Autonomie-Reform ist Gesetz. Alle erwarten sich jetzt aber ein Signal, dass Südtirol wirklich mehr Spielräume hat.</b><BR />Kompatscher: Wir werden im Herbst die Freizeitflüge mit Hubschraubern verbieten. Mit dem Heli auf die Seceda und eine Flasche Schampus dazu, brauchen wir nicht. Es wird ein neues, stärkeres Landesgesetz zum Wolf geben und wir werden viele Verfahren und Genehmigungen vereinfachen, die völlig überladen sind, weil wir uns an den Staat halten mussten. Und natürlich werden wir Spielräume auch nutzen, um die Südtiroler ökonomisch zu unterstützen.<BR /><BR /><b>800 junge Leute kommen jedes Jahr nicht mehr nach Südtirol zurück. Was tut das Land, um diesen Trend zu stoppen?</b><BR />Kompatscher: Der Brain Drain ist das Schicksal aller Regionen, die keine breit aufgestellte Universität haben. Junge Leute studieren anderswo und bleiben. Dies wissend, müssen wir sie bereits an der Oberschule und Uni betreuen, denn sonst werden sie auswärts abgeworben. Wer zurückkommen will, wird ein Welcome-Center finden, das sich von Sanitätskarte bis Wohnungssuche um alles kümmert. Vor allem aber geht mein Appell an die Wirtschaft, bei der Bezahlung von Praktika und Jobs nicht knausrig zu sein. Die vermeintlich billigere Lösung, Personal von Sizilien bis Hinterindien zu rekrutieren, ist ein gravierender Fehler und am Ende teurer, als in die eigenen Leute zu investieren. Der Brain Drain ist auch eine volkstumspolitische Überlebensfrage, sonst haben wir zwar eine Autonomie, aber keine Leute mehr zum Schützen.<BR /><BR /><b>Volkstumspolitisch kam nicht gut an, dass die SVP den Unterlandler Senator an die Italiener „verschenkt“ hat. Ist ein Brief nach Wien das wert?</b><BR />Kompatscher: Das ist eine Frage an die Partei. Für mich wäre es ideal, wenn alles bliebe, wie es ist. Wenn eine Regierungsmehrheit aber das Wahlgesetz ändert und sich an das Paket hält, ist es schwer, es zu verhindern. Der Notenwechsel ist die Chance, aus Not eine Tugend zu machen.<BR /><b><BR />Sie hatten Linke und haben jetzt Rechte in der Regierung. Mit wem klappt es besser?</b><BR />Kompatscher: Mir steht Mitte-Links näher und wohl auch der christlich-sozialen Grundhaltung der SVP. Wir haben das Problem mit einem klaren Bekenntnis zu einer offenen Gesellschaft im Regierungsprogramm gelöst. Ansonsten herrscht Pragmatismus. Wir haben mit Mitte-Rechts viele soziale Maßnahmen umgesetzt.<BR /><BR /><b>Sie gelten als kühl distanziert. Böse Stimmen nennen Sie gar arrogant. Stört Sie das?</b><BR />Kompatscher: Gar nicht. Ich bin privat eigentlich sehr gesellig, trenne dies aber strikt von meinem Amt. Jeder hat seinen Stil.<BR /><BR /><b>Gibt es Momente, in denen Sie einfach nur gern Arno wären?</b><BR />Kompatscher: Ja, vor allem, wenn ich mit meinen Kindern unterwegs bin und sich jemand ungefragt dazusetzt.<BR /><BR /><b>2028 läuft Ihre Amtszeit aus. Sehen Sie einen neuen Stern am Südtiroler Polit-Himmel?</b><BR />Kompatscher: Es gibt in Südtirol viele Talente. Wichtig ist, dass sie die richtigen Werte und Bereitschaft zu vollem Einsatz haben.<BR /><BR /><b>Was kommt 2028 für Sie?</b><BR />Kompatscher: Derzeit aber eher ein Leben ohne Politik.<BR /><BR /><b>Politik prägt. Was nehmen Sie mit? Was hat sie verändert?</b><BR />Kompatscher: Auch in der Politik wird auch nur mit Wasser gekocht. Am meisten verändert hat mich die Geburt unseres Jüngsten. Ein Kind mit Beeinträchtigung relativiert vieles. Man weiß im Umgang mit Menschen nie, welche persönliche Geschichte hinter ihnen steckt.<BR /><BR /><b>Wie soll man sich in 20 Jahren an Sie erinnern?</b><BR />Kompatscher: Es wäre schön, wenn der Eindruck bliebe, dass da einer war, der sich bemüht hat, die Gesellschaft gerechter zu gestalten....