Die Konzession Brixen ist die Herzdame unter den ENEL-Konzessionen. Kein Wunder: Mit 500 Millionen Kw/h wird in einem Kraftwerk so viel Strom produziert, wie die Etschwerke insgesamt herstellen. Alles teurer Spitzenstrom aus den zwei Stauseen im Hintergrund, wohlgemerkt. Der Wert der Konzession wird von Insidern denn auch auf 250 Millionen Euro in 30 Jahren geschätzt. Er liegt damit um ein Vielfaches über jenem der Konzession von Mühlbach mit 80 Kw/h, die sich Privatier Helmuth Frasnelli gesichert hat. Fünf KonkurrentenUnd: Mittlerweile sind mit SEL AG, Edison, ENEL, Etschwerke und Stadtwerke Brixen nur mehr fünf Konkurrenten im Feld geblieben. Bereits zu Jahresende hatte die Landesregierung nämlich alle weiteren Konzessionsgesuche (neun am Eisack, fünf an der Rienz), die sich teilweise in Konkurrenz zur Konzession Mühlbach befanden, einfach abgelehnt.Unter den verbleibenden Mitstreitern werden der SEL AG die besten Chancen auf den Zuschlag zugemessen. Weder ENEL noch Edison sind bei der bisherigen Konzessionsvergabe durch besonders ausgefeilte Umweltpläne aufgefallen. Die Stadtwerke Brixen haben gar keinen Umweltplan, weil sie angeblich keine Bewertungskriterien vom Land bekommen hätten. Dies könnte später noch zu Rekursen führen, spielt jetzt aber zu Gunsten der SEL AG.Denn: Die betroffenen Gemeinden haben in ihren Gutachten für die Landesregierung dem Projekt der SEL den Vorzug gegeben. Jenes der Etschwerke steigere zwar die Produktion am stärksten. Dafür sei der Umweltplan der SEL mit einem Investitionsvolumen von 77 Mio. Euro aber am überzeugendsten.Für die Stadt Brixen wäre es kein Nachteil, wenn die SEL den Zuschlag bekäme. Den gemeindeeigenen Stadtwerken ginge zwar ein fetter Brocken durch die Lappen, dafür wäre Brixen ein altes Leiden in absehbarer Zeit los: die Hochspannungsleitungen durch Milland. Drei Leitungen von ENEL, Edison und der Eisenbahnen verlaufen mitten durch Siedlungsgebiet. In einem aufwändigen Verfahren hat die Gemeinde eine Neutrassierung über die Anhöhe von St. Andrä ausgearbeitet, doch fehlt das Geld für die Umsetzung. Teil des SEL-Umweltplanes ist nun aber eine Querfinanzierung, mit der die Hochspannungsleitungen aus Milland verlagert werden können. Der staatliche Netzverwalter Terna hat sein Einverständnis dazu signalisiert – wenn das Land bzw. die SEL die Kosten übernehmen.Bleibt zu sagen, dass Brixen die vorletzte ENEL-Konzession ist, die neu vergeben wird. Ausständig ist dann nur mehr das Kraftwerk St. Florian bei Neumarkt, wo es aber eine gemeinsame Lösung zwischen Bozen und Trient braucht. bv/D