Freitag, 09. Oktober 2015

Geisterfahrer auf A22: Der Tragödie knapp entgangen

Geisterfahrten sind in Südtirol glücklicherweise selten. In der Nacht auf Mittwoch ist es dennoch passiert: Ein Autofahrer ist falsch auf die A22 aufgefahren. STOL spricht mit Peter Mock, Kommandant der Straßenpolizei Sterzing, über einen Vorfall, der mit dem Schlimmsten hätte enden können.

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Foto: © D

Südtirol Online: Herr Mock, was genau ist in der Nacht auf Mittwoch auf der A22 vorgefallen?

Peter Mock, Kommandant der Straßenpolizei Sterzing: Wir wissen, dass ein Autofahrer im Gegenbereich unterwegs war: Er war auf der Südspur Richtung Norden unterwegs. Wahrscheinlich ist der Autolenker bei der Einfahrt Bozen Nord auf die Autobahn aufgefahren. Es war kurz nach 24 Uhr.

STOL: Es waren nur noch wenige Personen auf der Autobahn unterwegs?

Mock: Zum Glück war wenig los.

STOL: Wie lange dauerte die Geisterfahrt?

Mock: Das wissen wir nicht genau. Die Streifen haben nahe Klausen auf den Autolenker gewartet, konnten den Geisterfahrer allerdings nicht abfangen. Es könnte sein, dass sich der Lenker seiner Geisterfahrt bewusst geworden ist und kehrt gemacht hat. Oder er könnte in eine Raststätte eingefahren sein. Das überprüfen wir nun. Die Kameraaufnahmen werden derzeit ausgewertet. Dass die Geisterfahrt ein Fehlalarm war, nehmen wir nicht an. Dazu haben uns viel zu viele Meldungen erreicht.

STOL: Von Österreich und Deutschland kennen wir Meldungen über Geisterfahrten. In Südtirol sind sie glücklicherweise selten. Wie kam’s dennoch dazu?

Mock: Österreich und Deutschland haben nicht gesicherte Auf- und Abfahrten. Doch auch bei uns können Geisterfahrten nicht gänzlich ausgeschlossen werden. In diesem Jahr haben wir bisher drei oder vier Fälle gezählt. Oft sitzen ältere Leute am Steuer, auch geistig Verwirrte oder Betrunkene.

STOL: Wie verhalte ich mich richtig, wenn ich einen Geisterfahrer bemerke?

Mock: Wichtig ist: rechts halten, nicht überholen. Ein Geisterfahrer hält sich instinktiv auch rechts und besetzt somit die Überholspur. Plus: wenn möglich, die nächste Raststätte anfahren, dort anhalten, den Vorfall melden (am besten bei der Verkehrsleitzentrale der Straßenpolizei der Brennerautobahn COA; 0461 212992; Anm.d.Red.). Nicht auf der Autobahn oder auf dem Pannenstreifen anhalten. Das ist noch gefährlicher.

STOL: Was, wenn ich selbst zum Geisterfahrer geworden bin?

Mock: Bloß nicht umkehren. Einfach auf dem Pannenstreifen anhalten, Warnblinkanlage einschalten, COA alarmieren, warten, bis Hilfe kommt.

STOL: Welche Strafen stehen auf eine Geisterfahrt?

Mock: Die Strafen sind saftig: sofort Führerscheinentzug und eine Strafanzeige wegen Gefährdung der öffentlichen Sicherheit. Wir sehen Geisterfahrt nicht als Kavaliersdelikt. Die Geisterfahrt ist die gefährlichste Aktion, die ein Mensch auf der Autobahn begehen kann. In die entgegengesetzte Richtung fahren, das ist noch nicht mal Einsatzfahrzeugen erlaubt.

Interview: Petra Gasslitter

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Sie waren in der Nacht auf Mittwoch auf der Brennerautobahn unterwegs und haben etwas Verdächtiges bemerkt? Hinweise werden an jeder Straßenpolizei-Dienststelle entgegengenommen.

stol