Sonntag, 06. September 2015

Gekommen, um in Südtirol zu bleiben?

Nein. Denn der Großteil der Flüchtlinge, der in Südtirol ankommt, will nach "Germany". Von den 1500 Aslyantragstellern, die dem Land bislang zugewiesen wurden, sind nur noch 700 in Südtirol. Und von denen wiederum bleiben kaum die Hälfte. Südtirol sieht sich also dauerhaft mit 300 neuen Mitbürgern konfrontiert.

Von den 700 Asylbewerbern, die in Südtirol untergebracht werden, bleiben kaum die Hälfte auf Dauer im Land.
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Von den 700 Asylbewerbern, die in Südtirol untergebracht werden, bleiben kaum die Hälfte auf Dauer im Land.

Wo sollen all die Flüchtlinge hin? Diese Frage stellen sich auch die Menschen in Südtirol. Und: Wie lange kann das noch weitergehen? 

"Wenn ich das wüsste. Wenn die Dynamik anhält, wird der Strom nicht abbrechen", sagt Luca Critelli, Direktor des Abteilung für Soziales auf Anfrage von STOL. Es sei kein stabiler Fluss, in den vergangenen zehn bis 15 Tagen kamen rund 200 bis 300 Personen täglich in Bozen an. Das werde bis Oktober so weitergehen, bis die Bedingungen zur Überfahrt sich verschlechtern.

"Der Großteil der Menschen, vor allem Syrer und Eriträer, wollen auf direkten Weg nach Germany", weiß Critelli. Sie sind es, die den Fluchtzug durch Südtirol nutzen (lesen Sie dazu die Reportage auf STOL) - gerade einmal die Bahnhöfe sehen.

Was aber ist mit jenen, die bleiben, die auf die Unterkünfte im Land aufgeteilt werden? Es sind jene Menschen, die im Süden in den Aufnahmezentren aufgegriffen und dann via Verteilungsschlüssel auf das italienische Staatsgebiet aufgeteilt werden. Es sind Asylbewerber, die ihr Verfahren in Italien abwarten müssten.

Südtirol muss "nur" 700 Flüchtlinge unterbringen

"Es handelt sich derzeit um 700 Personen im Land", so Critelli. Er ist für deren Unterbringung zuständig und weiß, dass Südtirol noch gut in Sachen Flüchtlingsstrom wegkommt. "Südtirol ist für diese Menschen Italien - und da wollen die meisten nicht bleiben", so Critelli. 

Viele der hierher gekarrten Asylbewerber verschwinden daher schon am ersten Tag. "Von den 1500 Personen, die Südtirol bisher zugewiesen wurden, sind nur noch die 700 da", zählt der Amtsdirektor auf. Das sei etwa verglichen mit Nordtirol, wo 4000 Flüchtlinge eine Unterkunft brauchen, mach- und zumutbar.

Ob das Land noch mehr aufnehmen könnte? "Nun, mit einer steigenden Anzahl an Menschen, steigt auch die Schwierigkeit, für sie eine Bleibe und vor allem auch Arbeit zu finden", gibt Critelli zu bedenken. Doch die weit größere Zahl der Asylbewerber will ja gar nicht hier bleiben.

Nur die Hälfte will überhaupt in Südtirol bleiben

"Kaum die Hälfte von ihnen kommt im Laufe des Asylverfahrens zum Schluss, in Südtirol bleiben zu wollen", so Critelli. Die anderen warten auf die Entscheidung und beschließen dann, sich in italienischen Städte oder gen Ausland zu bewegen.

Das heißt: Von den 700 Bewerbern, die hierzulande untergebracht sind, bleiben maximal 300 übrig.

Das sind so viele, wie tagtäglich durch Südtirol nach Norden unterwegs sind. 

stol/ker

stol