Sonntag, 10. Januar 2021

Gemeiner Angriff: 103-jähriger KZ-Überlebender nach Impfung heftig kritisiert

Basilio Pompei ist mit 103 Jahren einer der ältesten, die in der Toskana gegen das Coronavirus geimpft wurden. In den sozialen Medien erntete er dafür heftige Kritik: Er hätte seinen Impfstoff einer jüngeren Person überlassen sollen, so die Meinung einiger Nutzer.

Als einer der ältesten Bürger der Toskana wurde der KZ-Überlebende Basilio Pompei gegen das Coronavirus geimpft.
Als einer der ältesten Bürger der Toskana wurde der KZ-Überlebende Basilio Pompei gegen das Coronavirus geimpft. - Foto: © Eugenio Giani
Basilio Pompei war einer von Vielen der nach dem 8. September 1943 als junger Mann in ein Konzentrationslager nach Polen gebracht wurde. Er war aber nur einer von Wenigen, die den Aufenthalt dort überlebten. „Mein Geheimnis war der Mut; ich war jung und mutig“, erklärt Pompei und weiter: „Mut habe ich auch heute noch genug. Das könnt ihr auch diesen 'Hatern' sagen!“.

Mit diesen Worten bezieht sich der 103-Jährige auf diejenigen, die ihn in den sozialen Medien unter anderem als einen Egoisten bezeichnen, weil er jüngeren Menschen den Impfstoff „wegnehmen“ würde. Er müsse damit klarkommen, heißt es in den Kommentaren, dass er schon ein fortgeschrittenes Alter erreicht habe.

Der Direktor und die Bediensteten des Pflegeheimes, in welchem Pompei untergebracht ist, heben jedoch die Agilität des 103-Jährigen hervor. Er sei mit Gewissheit aktiver und tatenfreudiger als viele dieser Personen, die ihre negativen Kommentare im Internet verbreiten. „Bis vor wenigen Monaten war er sogar noch mit seinem Auto unterwegs“, erzählen sie.

Auch ein Lokalpolitiker der Forza Italia, Giampaolo Giannelli, wurde auf die Anfeindungen im Netz gegen den 103-Jährigen aufmerksam. Er ist überzeugt davon, dass Pompei eine Person sei, von der man noch einiges lernen könne. Zudem wies er darauf hin, dass diese Kritiker nur aufgrund des erbrachten Opfers von Personen wie Pompei heute vor ihren Tastaturen sitzen und frei schreiben können.

Impfkampagne in der Toskana geht weiter

Dem Fortlauf der Impfkampagne in der Toskana tun die gemeinen Hater-Angriffe im Netz allerdings keinen Abbruch. Nach Basilio Pompei wurden auch noch weitere Über-100-Jährige immunisiert.



Wie der Präsident der Toskana, Eugenio Giani, in den sozialen Netzwerke schreibt, sei gerade das Zeugnis der älteren Mitbürger und deren Glaube an die Wissenschaft ein Zeichen der Hoffnung für die Menschen im Kampf gegen die Pandemie.


stol

Schlagwörter: